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Global Player und großer Wohltäter: Günther Reh ist im Alter von 86 Jahren gestorben

Letzter großer Auftritt am 3. Dezember 2012 im Kurfürstlichen Palais seiner Wahlheimat Trier: Günther Reh, frischgebackener Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, mit Malu Dreyer (links) und Dagmar Barzen, Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).
Letzter großer Auftritt am 3. Dezember 2012 im Kurfürstlichen Palais seiner Wahlheimat Trier: Günther Reh, frischgebackener Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, mit Malu Dreyer (links) und Dagmar Barzen, Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). FOTO: Roland Morgen
Trier. Geheimnisvoll bis in den Tod: Bereits an Heiligabend ist Günther Reh im Alter von 86 Jahren gestorben. Erst sechs Tage später sickerte die Nachricht vom Ableben einer herausragenden, aber sehr öffentlichkeitsscheuen Unternehmerpersönlichkeit durch. Roland Morgen

Es war sein letzter großer Auftritt mit großem Bahnhof. Am 3. Dezember 2012 wurde Günther Reh mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet - im Kurfürstlichen Palais durch die damalige Vizeministerpräsidentin Malu Dreyer. Obwohl schon längst von schwerer Erkrankung und der Trauer um seine wenige Monate zuvor gestorbenen Frau Käthi gezeichnet, blühte der 84-Jährige noch einmal auf. Die Auszeichnung mache ihn sehr stolz, erklärte er. Die zahlreichen Lobreden ließ er sichtlich gerührt über sich ergehen.

Der finale öffentliche Höhepunkt eines ungewöhnlichen Unternehmerlebens, das seinen Anfang im heimatlichen Leiwen nahm. Mit 34 Jahren übernahm Günther Reh 1962 nach dem Tod seines Vaters Carl dessen Weinkellerei. Als Geschäftsführer und Teilhaber baute er die Firma zu einem der größten und weltweit renommiertesten Unternehmen der Wein- und Sektbranche (Schloss Wachenheim, Faber Sekt) aus.

Der Erfolg des weithin als "Sturkopf" geltenden Reh löste lange Zeit nicht nur Freude aus. Als er 1970 Leiwen den Weinbrunnen stiftete, zierte sich der Gemeinderat und nahm die Schenkung mit nur einer Stimme Mehrheit an. Was den Stifter laut eigenem Bekunden sehr geärgert hat. Ehrungen pflegte er fortan gerne aus dem Weg zu gehen.

Der Sinneswandel kam 2008, als Leiwen seinem großen Sohn zum 80. Geburtstag die Ehrenbürgerschaft antrug - auf einstimmigen Ratsbeschluss. Reh, inzwischen nach Trier "ausgewandert" und - obwohl ihm dort mehrere hochkarätige Immobilien wie die Steipe und das Dreikönigenhaus gehörten - unter "schwerem Heimweh" leidend, soll vor Rührung geweint haben. Der Ruf trog ohnehin oft. Der zurückgezogen lebende eigensinnige Global Player mit ausgeprägtem Frankreich-Faible galt zwar als Mysterium, war im tiefsten Herzen aber ein netter, hilfsbereiter Mensch und großer Wohltäter. Gleichwohl hängte er sein soziales Engagement nie an die große Glocke.
So blieb es Malu Dreyer vorbehalten, bei der Verdienstkreuz-Überreichung vor gut zwei Jahren einige der Reh'schen Wohltaten aufzulisten, darunter die gemeinnützigen Stiftungen zur Förderung von Kultur, Heimatpflege, Weinwissenschaft und Vereinen sowie zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung.

Ohne das unternehmerische Wirken und das soziale Engagement Günther Rehs und seiner Frau Käthi wäre "die Region ärmer", so der Tenor der zahlreichen Elogen.

In den letzten Monaten seines Lebens war Günther Reh ans Bett gefesselt. Nick Reh (53) bestätigte am Dienstagnachmittag den Tod seines Vaters: "Er ist am Heiligen Abend friedlich eingeschlafen."