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Glücksmomente jenseits des Stress

Im Weisshauswald findet Malu Dreyer Ruhe und Entspannung. TV-Foto: Katja Bernardy
Im Weisshauswald findet Malu Dreyer Ruhe und Entspannung. TV-Foto: Katja Bernardy
Trier. Sie ist rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie und seit 2004 mit Klaus Jensen, Oberbürgermeister der Stadt Trier, verheiratet: Malu, eigentlich Marie-Luise, Dreyer. Warum die 50-Jährige die Römerstadt liebgewonnen hat und wo sie die Seele baumeln lässt, davon berichtet die Politikerin in unserer Serie.

Trier. Als Schulkind habe ich Trier gekannt, wie jedes Schulkind aus der Pfalz Trier eben kennt: Porta, Amphitheater, Kaiserthermen. Dass diese Stadt heute meine neue Heimat ist und ich mittlerweile fast jede Ecke kenne, liegt an der Liebe. Vor sieben Jahren habe ich Ja zu Klaus Jensen und seinen drei wunderbaren Kindern gesagt. Er war der erste Mann überhaupt in meinem Leben, von dem ich das Gefühl hatte: Den möchte ich heiraten. Die Hochzeit fand an einem meiner Lieblingsplätze, der Benediktinerabtei Sankt Matthias, statt. Aber auch abseits von dieser schönen Erinnerung mag ich die Abtei, besonders den facettenreichen Vorplatz: mal ist er gefüllt mit Pilgern, mal menschenleer, dann wieder voller Leben am Pfarrfest.
Die Frage, wo wir wohnen wollen, war damals schnell beantwortet. Ich zog 2003 nach Trier, weil mein Mann und die Kinder dort lebten. Unser Zuhause ist in einer Wohneinheit im Schammatdorf, einem modellhaften Wohnprojekt, das auf das Miteinander von alten und jungen, behinderten und nichtbehinderten, kinderlosen und kinderreichen Menschen ausgerichtet ist. Seither pendele ich: Von dienstags bis freitags erledige ich meine Amtsgeschäfte in Mainz, die restliche Zeit von Trier aus. Ich versuche, diesen Rhythmus einzuhalten, und immer mal wieder lege ich kostbare Veschnaufpausen ein: Das kann ich am besten in der Natur im Weisshauswald. Beim Spazierengehen oder Spazierenrollen - ich habe seit 17 Jahren Multiple Sklerose und bewege mich manchmal im Rollstuhl fort - kann ich gut entspannen und loslassen.
An der frischen Luft werden die Gedanken durchlüftet, vieles relativiert sich, Klarheit stellt sich ein, und es findet Erdung statt. Viele Wege durch diese wunderbare Wald-Wiesen-Kombination sind barrierefrei, was wertvoll ist. Die Natur spielt von Kindheit an eine zentrale Rolle in meinem Leben: Umgeben vom Pfälzer Wald bin ich in einem Vorort von Neustadt an der Weinstraße aufgewachsen; direkt vom Bauern haben wir frische Milch gekauft und getrunken. Geprägt haben mich auch die spannenden politischen Diskussionen zu Hause. Mein Vater war in der CDU und Kreisvorsitzender. Doch bevor ich selbst zur Politik und in die Partei (SPD) kam, hatte ich ein paar Schlenker auf meinem Berufsweg gemacht: Obwohl ich als Teenager davon träumte, Ärztin zu werden, habe ich ein paar Semester Anglistik und Theologie studiert, bis ich dann auf Jura umschwenkte. Mit dieser Wahl hatte ich meinen Platz gefunden - vorerst jedenfalls. Ich mag die juristische Art des Denkens, sie ist der Mathematik verwandt: Man hat einen Fall, einen rechtlichen Rahmen, und dann muss die Lösung gefunden werden. Ich arbeitete als Staatsanwältin, danach war ich Bürgermeisterin von Bad Kreuznach, bevor ich 2002 Ministerin wurde. Nebenbei: Als Bürgermeisterin war mir mein Mann auch das erste Mal bei der Eröffnung eines integrativen Kindergartens bewusst begegnet. Er war als Staatssekretär eingeladen.
Kürzlich habe ich den Trier-Tag, den Mainzer Freundinnen mir zum 50. Geburtstag geschenkt hatten, eingelöst. Die meiste Zeit verbrachten wir in den kleinen Läden, die sich in der Neustraße aneinanderreihen. Würde ich eine Stadtführung organisieren, würde ich in dieser Straße beginnen. Der Hauptmarkt wäre ebenso ein Muss wie die Basilika mit ihrer faszinierenden architektonischen Schlichtheit. Und ich würde die Besucher darauf hinweisen, dass sie sich nicht wundern dürfen, wenn sich die Trierer in Cafés und Restaurants nicht zu ihnen setzen, denn die Trierer halten erst einmal dezent Abstand - anders als die Pfälzer und Rheinhessen.
Ein großes Potenzial, ein Lieblingsplatz von mir zu werden, hat der Wochenmarkt, der samstags auf dem Domfreihof stattfindet. Getreu meinem Lebensmotto "carpe diem" (nutze den Tag) genieße ich es, in einem Trierer Café auf dem Kornmarkt zu sitzen und vorbeischlendernde Menschen zu beobachten. Und manchmal zieht es mich nach Luxemburg, um für ein paar Stunden das frankophile Lebensgefühl aufzusaugen und einen Hauch von Urlaub aufkommen zu lassen. Dann freue ich mich aber auch wieder, in die beschaulische Stadt mit den 100 000 Menschen, die so viel zu bieten hat, zurückzukehren - in mein liebgewonnenes Zuhause.

Aufgezeichnet von Katja Bernardy