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Protestaktion
Großdemo der Schrotthändler: Bürger zeigen sich solidarisch

 Demo der Trierer Schrottsammler. Mit 63 Fahrzeugen und lautem Hupkonzert legten sie für ein paar Stunden den Verkehr auf dem Alleenring lahm.   Foto: Friedemann Vetter
Demo der Trierer Schrottsammler. Mit 63 Fahrzeugen und lautem Hupkonzert legten sie für ein paar Stunden den Verkehr auf dem Alleenring lahm. Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
Trier. 63 Lastwagen schlängeln sich laut hupend durch die Innenstadt. Bevölkerung bekundet Sympathie an der Strecke und in sozialen Netzwerken. Von Albert Follmann
Albert Follmann

So eine Demo hat Trier noch nicht erlebt: Mehr als 100 Schrotthändler aus der Region und aus Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) zogen am Freitagmorgen mit 63 Lastwagen durch die Trierer Innenstadt. Der dreistündige Protest richtete sich gegen ein Gesetz, das es Kleinunternehmern verbietet, Elektroschrott wie Kühlschränke und Waschmaschinen abzuholen oder am Straßenrand einzusammeln (siehe dazu auch unseren Hintergrund).

Der „Lindwurm”, wie die Polizei auf Twitter den Protestzug nannte, verursachte laut Polizeisprecher Uwe Konz keine größeren Verkehrsbehinderungen. „Wir sind sehr zufrieden. Die Demonstration verlief reibungslos, die Bevölkerung zeigte Verständnis.” Viele Passanten zeigten sich an der Strecke solidarisch mit den Initiatoren der Demo, indem sie Beifall klatschten oder den Daumen nach oben reckten.

Die Stadt Trier sorgte dafür, dass der mehrere hundert Meter lange Konvoi freie Fahrt hatte. Die Ampeln auf der Strecke von der Niederkircher Straße im Gewerbegebiet Euren über Saarstraße, Südallee, Ostallee, Trier-Nord und zurück über Trier-West zum Ausgangspunkt waren ausgeschaltet oder zeigten gelbes Blinklicht. An den Zufahrten riegelten Polizisten den Verkehr ab. Es kam zeitweise zu Staus. 72 Beamte waren im Sondereinsatz, darunter Bereitschaftspolizisten der Abteilung Einsatz, Logistik und Technik des Präsidiums Trier.

Mitinitiator Eric Frankreiter, Schrotthändler aus Greimerath (VG Saarburg-Kell), war nach der Demo froh: „Es ist sehr gut gelaufen. Ich muss der Polizei und dem Ordnungsamt ein Riesenkompliment machen, sie hatten das super im Griff.” Aus Solidarität seien Kollegen aus Mönchengladbach mit etwa 30 Fahrzeugen mitgefahren, berichtet Frankreiter. Damit revanchierten sich die Schrotthändler aus Nordrhein-Westfalen, denn im November waren bei ihrer Demo 13 Fahrzeuge aus Trier am Start. Seitdem habe die Stadt Mönchengladbach die Zügel angezogen und mehr Bußgelder verhängt, sagt Daniel Pillen.

Vor der Trierer Demo inspizierte die Polizei die teilnehmenden Fahrzeuge auf ihre Verkehrssicherheit. Dafür brachten die Schrotthändler Verständnis auf. Überhaupt war das Verhältnis zwischen ihnen, den Polizisten und den Stadtbediensteten sehr entspannt, ja nahezu freundschaftlich. Die Demo sei ursprünglich schon im Dezember geplant gewesen, sagt Frankreiter. Auf Bitten der Polizei, den Weihnachtstrubel zu meiden, habe man den Termin auf den Januar verlegt.

Großdemo der Schrotthändler in Trier FOTO: TV / Florian Blaes

Ungeachtet der lockeren Stimmung am Freitag: Die Aktion hat einen ernsten Hintergrund. Die Schrotthändler fürchten um ihre Existenz. Auf 60 bis 70 Prozent beziffern sie ihre Einbußen durch das Transport- und Verwertungsverbot bei Haushaltsgeräten.

Auf Transparenten machte die Branche während der Demo ihrem Unmut Luft. Insbesondere Politiker und Kommunen bekamen ihr Fett weg (siehe Sprüche unten).

Alfred Kaup, Schrotthändler aus Trier, ist sauer: „Wer holt der Oma denn jetzt die Waschmaschine aus dem Keller? Wir haben das kostenlos gemacht. Das war doch eine gute Sache für alle Beteiligten.”