| 21:10 Uhr

Geschichte
Keine Bibel, sondern ein Ideenfundus

Professorin Ingrid Kurz-Scherf, Ingrid Müller, Sarah van der Heide und Petra Löwenbrück (von links) sprechen mit anderen Teilnehmerinnen über Karl Marx, Frauen und deren Arbeit.
Professorin Ingrid Kurz-Scherf, Ingrid Müller, Sarah van der Heide und Petra Löwenbrück (von links) sprechen mit anderen Teilnehmerinnen über Karl Marx, Frauen und deren Arbeit. FOTO: Bistum Trier / TV
Trier. Heilig-Rock-Tage: Katholikinnen beschäftigen sich mit dem Thema Frauen, Karl Marx und Arbeit.

(red) Karl Marx und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – das sind zwei Begriffe, die man nicht unbedingt im gleichen Kontext vermutet und wohl auch eher selten in einem Atemzug nennt. Dass beide aber dennoch so manches miteinander zu tun haben können, ist bei der Veranstaltung „Karl Marx für Frauen!?“ deutlich geworden, die während der Heilig-Rock-Tage im Kasino Kornmarkt stattfand. Anlässlich des Jubiläumsjahres „200. Geburtstag Karl Marx“ hatten der Ständige Ausschuss „Frauen und Erwerbsarbeit“ im kfd-Bundesverband und der Arbeitskreis „Frauen und Erwerbsarbeit“ des Diözesanverbandes Trier dazu eingeladen, die Situation von erwerbstätigen Frauen in der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt aus Sicht der Gesellschaftsanalyse von Karl Marx zu betrachten.

Einblicke in die Arbeitswelt von Frauen im 19. Jahrhundert gab Dr. Barbara Wagner. Die Kuratorin der kulturhistorischen Landesausstellung „Karl Marx 1818 – 1883. Leben. Werk. Zeit“, die den Ausstellungsteil im Rheinischen Landesmuseum verantwortet, erläuterte, wie Frauen in die neuen Produktionsformen der industriellen Revolution eingebunden waren und welche Auswirkungen diese hatten. Anhand von ausgewählten Exponaten veranschaulichte Wagner die zunehmende Verelendung der Menschen in jener Zeit. Ihre Darstellung erweiterte Wagner mit Aussagen von Karl Marx, die Veränderungen der bestehenden Verhältnisse anmahnten, und Informationen über die einsetzende Sozialgesetzgebung zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Professorin Ingrid Kurz-Scherf, langjährige Leiterin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Uni Marburg, stellte die Frage, inwiefern Karl Marx für die Analyse und Beurteilung der aktuellen Arbeits- und Lebenssituation von erwerbstätigen Frauen hilfreich ist. Kurz-Scherf konstatierte, dass es in den vergangenen Jahrzehnten viele positive Veränderungen für Frauen gegeben habe, dass sie aber im Vergleich zu Männern auch heute noch dort überproportional vertreten seien, wo schlechtere Arbeitsbedingungen herrschten.

Die Frage, ob Karl Marx und Frauen zusammengingen, würde sie mit „Ja, aber …“ beantworten, so Kurz-Scherf. Denn es gelte, mit „produktiver Aufregung“ Optionen der Veränderungen aufzuzeigen und Widersprüche und Brüche in politisches Handeln umzusetzen. Dafür gebe es durchaus Ansätze in seinen Schriften, die aber nicht „wie die Bibel“ gelesen werden dürften, sondern der Inspiration zu neuen differenzierten Sichtweisen dienen sollten.