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Kommunalpiolitik
Helmut Kohl oder Nagaoka? Politischer Straßenkampf in Trier

Ein Mitarbeiter der Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt montiert das neue Straßenschild der Helmut-Kohl-Straße. Der Stadtrat hatte die Umbenennung beschlossen.
Ein Mitarbeiter der Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt montiert das neue Straßenschild der Helmut-Kohl-Straße. Der Stadtrat hatte die Umbenennung beschlossen. FOTO: picture alliance / Klaus-Dietmar / Klaus-Dietmar Gabbert
Trier. Alleen, Ufer, Straßen und Plätze sind bundesweit bereits nach Altkanzler Helmut Kohl benannt worden oder werden es demnächst – teilweise nach hitzigen Debatten. Eine solche läuft auch in Trier und wird bald richtig spannend. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Helmut Kohl starb im Juni 2017. Sofort danach begannen bundesweit in vielen Städten Planungen, den ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und Rekordbundeskanzler mit einer Neu- oder Umbenennung von Straßen, Plätzen oder Alleen zu ehren. Initiiert und angetrieben wurden solche Pläne logischerweise von den kommunalen Vertretern der CDU, die Kohls politische Heimat war. Das klappte manchmal, aber immer mal wieder gab es auch richtigen Zoff und lautstarke Proteste (siehe Info).

Auch die CDU Trier verfolgt den Plan, eine Trierer Straße nach Helmut Kohl zu benennen. Das bestätigt der stellvertretende Kreisvorsitzende, Udo Köhler. „Wir haben das auf dem Schirm, es ist klar unser Ziel“, sagt der für die CDU im Stadtrat sitzende Architekt. Schon 2017, drei Monate nach Helmut Kohls Tod, hatten führende Trierer Christdemokraten angekündigt, die Umbenennung politisch in Angriff nehmen zu wollen (der TV berichtete). Dabei hatten sie aber keine  noch namenlose Straße in einem Neubaugebiet im Sinn, sondern eine der großen Alleen in der Innenstadt.

Die Wahl fiel schließlich auf die  Metzer Allee. „In dieser Straße befindet sich die Europäische Rechtsakademie“, erklärt Köhler. „Es wäre aus unserer Sicht eine schöne Geste, wenn diese Institution in Zukunft in einer Straße liegt, die den Namen eines großen Europäers trägt.“

Doch dabei stieß die CDU auf mehrere Probleme. Eines davon verschwindet bald von selbst: Der Stadtrat Trier hat beschlossen, die Benennung von Straßen und Plätzen mit den Namen verstorbener prominenter Persönlichkeiten frühestens zwei Jahre nach deren Tod in die Wege zu leiten.

Ab 2019 hätte die CDU also freie Bahn. Doch da wäre noch die Deutsch-Japanische Gesellschaft (DJG),  und auch sie will einen Teil der Metzer Allee. Jedoch nicht für Helmut Kohl, sondern für Triers japanische Partnerstadt Nagaoka.

Die DJG Trier will schon seit 2016 den nicht besiedelten südlichen Teil der Metzer Allee nach der japanischen Großstadt Nagaoka benennen, die seit 2006 eine der Trierer Partnerstädte ist. Das ist der Gesellschaft bisher nicht gelungen. „Aber wir lassen nicht locker“, sagt DJG-Präsident Johann Aubart. „Wir haben uns diesen Schritt lange überlegt und halten an dem Plan fest.“ Auch wenn er die Pläne der CDU durchkreuzen sollte.

Das entscheidende Gremium für eine Umbenennung der Metzer Allee ist in erster Instanz der Ortsbeirat Heiligkreuz. „Bis jetzt liegt uns kein aktueller Antrag vor“, sagt Ortsvorsteher Theodor Wolber (CDU).

Das soll bald geschehen. Georg Düring ist der Generalsekretär der DJG. „Wir werden unseren Antrag, über den bisher noch in keiner Ortsbeirats- oder Stadtratssitzung abgestimmt worden ist, bald vorlegen.“

In diesem Antrag formuliert die Gesellschaft genau, was sie will und was sie dafür anbietet. „Als geeignete Straße haben wir den südlichen Teil der Metzer Allee zwischen Druckenmüllerstraße/Am Herrenbrünnchen und Straßburger Allee/Stauffenbergstraße gefunden“, heißt es darin. „Für diesen Abschnitt existieren nach dem Ergebnis unserer Überprüfung keine Wohn- oder Geschäftsadressen.“ Klagen seien deshalb nicht zu befürchten.

Die Gesellschaft bietet an, die Kosten für die Anschaffung der neuen Straßenschilder zu übernehmen und den unbepflanzten Mittelstreifen mit einer japanischen Blütenkirsche  (Prunus Serrulata) und japanischen  Azaleen (Azalea Japonica) zu verschönern.

Das Votum des Ortsbeirats ist deshalb der nächste Schritt. Aber der Stadtrat könnte das Thema an sich ziehen, wenn er ein „gesamtstädtisches Interesse“ geltend macht.

Die Intensität des politischen Straßenkampfs in Trier hängt deshalb davon ab, ob die CDU Trier ebenso wie die DJG an der Metzer Allee festhält. Der TV fragt Udo Köhler: Muss es denn wirklich unbedingt eine Allee sein?

Der Vize-Chef der CDU verweist auf die 2019 anstehende Kommunalwahl, zu deren Ergebnissen ein neuer Trierer Stadtrat gehören wird. „Es stellt sich die Frage, ob wir das Thema noch in der aktuellen Legislaturperiode angehen oder es dem neuen Stadtrat überlassen“, sagt Köhler.

Aber dennoch: Bleibt die CDU auf direktem Konfrontationskurs mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft? „Wir hätten die Metzer Allee gerne“, erklärt der Christdemokrat, um mit seinem nächsten Satz den 2017 begonnenen Straßenkampf klar zu entschärfen. „Aber wir sind nicht auf diese Straße festgelegt, es ist kein Dogma.“

Der Kommentar:

Es muss wirklich keine Allee sein

Die CDU Trier will ihren Plan, eine komplette Trierer Allee nach Helmut Kohl zu benennen, offenbar aufgeben. Sie tut gut daran, denn ein solcher Plan schießt weit über das Ziel – eine Ehrung des Altkanzlers – hinaus und ist ohne eine intensive Einbindung der Händler und Anwohner sowieso zum Scheitern verurteilt. Das zeigen die Beispiele in Ludwigshafen und Frankenthal. Die Lösung ist simpel: Die CDU schaltet einen oder zwei Gänge zurück und gibt sich auch mit einer kleineren Straße zufrieden. Denn sonst sind Proteste und Petitionen programmiert.

j.pistorius@volksfreund.de