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Herr der Zahlen

Edgar Meyer war 16 Jahre lang der Kämmerer von Trier.Foto: Wolff
Edgar Meyer war 16 Jahre lang der Kämmerer von Trier.Foto: Wolff
TRIER. Nach über 35 Jahren in der Finanzverwaltung der Stadt Trier wurde Edgar Meyer, Leiter der Kämmerei seit 1988, offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Der TV hat mit dem "Herrn der Zahlen" über sein schwieriges Amt und die finanzielle Situation Triers gesprochen. ARRAY(0x2c1dab28)

Zur Zeit hat Trier 360 Millionen Euro Schulden. Bis 2007 wird diese Gesamtverschuldung durch Verluste und Finanzierungskredite um 100 Millionen auf 460 Millionen wachsen. "Daran werden wir leider kaum etwas ändern können", sagt Edgar Meyer beim Blättern in einem seiner zahllosen Ordner. Der Leiter der Trierer Kämmerei ist wie kein Zweiter mit den Finanzen der Stadt Trier vertraut. Ab 1969 war er knapp 20 Jahre lang stellvertretender Leiter der Finanzabteilung, seit 1988 ist er deren Leiter. "Bei diesem Schuldenberg muss man sich fragen, ob man es sich noch leisten kann, ein neues Bürgerhaus in Trier-Nord für sechs Millionen zu bauen", sagt Meyer. Eigentlich müssten Sanierung und Erhalt Vorrang vor nicht zwingend notwendigen Neubauten haben. "Aber der Rat sieht das häufig anders - politische Gründe überwiegen dabei gelegentlich wirtschaftliche." Bequem ist Meyer nie gewesen. "Sparen ist nicht populär, und wer die ungeschminkte Wahrheit verkündet, ist nie beliebt. Aber ich muss ja auch nicht wieder gewählt werden", sagt er. Trotzdem ist der Parteilose über all' die Jahre und Bürgermeisterwechsel im Amt geblieben. "Und dabei bin ich der Einzige aus dem ehemaligen Führungsstab, der nicht wegen eines Herzinfarkts früher aus dem Amt scheiden musste", sagt der zweifache Familienvater. Neue Gesetze von Bund und Land hätten Trier in die Misere getrieben. So zahle die Stadt jährlich für den Aufbau Ost sechs Millionen. Die neuen kommunalen Steuergesetze hätten mit 110 Millionen Euro das Stadtsäckel belastet, das rheinland-pfälzische Gesetz von 1991, das den Kommunen vorschreibt, mehr Kindertagesstätten-Plätze vorzuhalten, habe 40 Millionen gekostet. Auch für den Schulbus-Verkehr - früher vom Land getragen - müssen mittlerweile die Kommunen aufkommen. "Nochmal 4,4 Millionen", sagt Meyer.Kein Interesse von Seiten der Bürger

Doch Resignation ist für ihn undenkbar. "Wir sind als Verwaltung verpflichtet, die Gesetze wirtschaftlich durchdacht umzusetzen", sagt der Ruwerer, der eigentlich nie zur Verwaltung wollte. Der frühe Tod des Vaters zwang den Abiturienten, 1959 eine Lehre bei der Stadtverwaltung zu beginnen. "Ich wollte eigentlich Jura studieren, aber meine Mutter hätte unsere Gaststätte, heute Mephisto, nicht alleine weiterführen können", erzählt er von seinem Werdegang. Der Haushalt der Stadt Trier - den die Kämmerei aufstellt und der vom Stadtrat abgesegnet wird - liegt jedes Jahr im Rathaus zur Einsicht aus. "Schließlich geben wir das Geld der Bürger aus", sagt Meyer. "Und wenn wir Glück haben, kommt in den acht Tagen ein Einziger vorbei und schaut sich an wofür." Wer die Nachfolge Meyers übernehmen wird, steht noch nicht fest. Die Verwaltung denkt über Umstrukturierungen nach.