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Preis
Herzensirrungen aus Leidenschaft

Auch die Stabpuppen von Katharina Ziemainz erzählen viel Zwischenmenschliches aus dem Zusammenleben der Geschlechter.
Auch die Stabpuppen von Katharina Ziemainz erzählen viel Zwischenmenschliches aus dem Zusammenleben der Geschlechter. FOTO: LH
Trier. Katharina Ziemainz erhält die Auszeichnung „I am Kunstpreis 2018.“ Die Trierer Künstlerin ist die dritte Trägerin dieses Preises. Von Ludwig Hoff

Ihre Themen entstammen selbst erlebten Geschichten oder Aufgeschnapptem mitten aus dem Leben, aus dem grauen Alltag, „ganz bewusst mit Bezug auf die drei Lebensabschnitte Anfang, Mitte und Ende“, sagt Katharina Ziemainz. Die Objekt- und Installationskünstlerin ist seit kurzem Preisträgerin von „I am Kunstpreis 2018“ des Trierer Galeristen und Konzeptkünstlers Laas Koehler.

Ihr Interesse am Kunstschaffen richtet sich insbesondere auf ein zwischenmenschliches Zusammenspiel von Mann und Frau. Jenes viel beschworene Zusammenleben der Geschlechter könne gelingen oder auch nicht, es könne traurig sein oder fröhlich, von absurden Erlebnissen und Scheitern begleitet sein und auch Abschied bedeuten. Und auch ihre verwendeten Materialien bei ihren Exponaten haben einen absoluten Bezug zum Alltäglichen, denn sie sind wohl bei jedem allgegenwärtig: Mülltüten, Papier, Wolle, Alufolie. Während „Otto Normalverbraucher“ diesen Gebrauchsgegenständen vor allem die zweckdienliche Aufmerksamkeit widmet, macht die Künstlerin, die aus Recklinghausen stammt und seit Jahren in Trier lebt und als Heilpraktikerin arbeitet,  mehr daraus und beleuchtet die Dinge aus anderer Perspektive, schaut hinter diese Alltagsgegenstände, „die wir so oft in der Hand halten und uns überhaupt keine Gedanken dabei machen“.

Die Ausstellung zeigt unter anderem eine Installation mit unterschiedlichen Herzen, alle eingepackt in Häkelarbeiten, die sich an weißen Nylonstrumpfhosen aufgehängt in unterschiedlichen Höhen über dem Boden dem Betrachter präsentieren. Dabei geht es der Künstlerin weniger um das Herz als Organ als vielmehr darum, was das Herz erlebt hat oder gar durchleben musste.

„Bitte nicht berühren!“: Wer kennt diesen Hinweis nicht aus Museen oder Ausstellungen? Anders bei Katharina Ziemains Arbeiten: Berühren ist ausdrücklich erwünscht, ja gefordert, um hinter ihre Herzen zu schauen: Je nach Ausgestaltung sind Vernarbungen, Ausstülpungen, Verwulstungen spürbar, oder schwere Herzen, wenn sie etwa einen gefundenen Moselstein enthalten. Nicht das Organ steht im Fokus, sondern das durch Erleben geprägte Herz.

Ein in harter Währung ausgelobter Preis hat ganz gewiss seinen Reiz für den Künstler. Dem steht die von Laas Koehler gewählte Form des Preises in nichts nach. Die Sieger-Serie „I am Kunstpreis“ verzichtet auf unmittelbar Bares, sondern eröffnet dem Preisträger eine Einzelausstellung, für ihn oder sie oft die Erste. Bereits an etlichen Gruppenausstellungen (bundesweit) beteiligt, war es auch für Katharina Ziemainz die erste Ausstellung mit Werken nur von ihr.

Der Kreis bei dem „Herzensanliegen“ der Künstlerin schließt sich mit einer themabezogenen Videoarbeit. Die „Hauptpersonen“ dabei sind ebenso künstlerisch entworfene Stabpuppen, die vom Zwischenmenschlichen erzählen.