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Hexenwahn und Burgenflair

Auf den Spuren des Mittelalters in der restaurierten Grimburg. TV-Foto: Gabriela Böhm
Auf den Spuren des Mittelalters in der restaurierten Grimburg. TV-Foto: Gabriela Böhm
Der Trierische Volksfreund gibt in einer losen Artikelserie Tipps, wohin Familien abwechslungsreiche Ausflüge in die Region machen können. Den Anfang macht das Burg- und Hexenmuseum in Grimburg mit Burgbesichtigung, Wander- und Wintervergnügen. Von unserer Mitarbeiterin Gabriela Böhm

Trier/Grimburg. Das Dorf Grimburg, im Hunsrücker Hochwald gelegen, sowie seine Umgebung lohnen gleich aus mehreren Gründen für einen Ausflug: Es gibt ein ausgedehntes Wandernetz in waldreicher Umgebung, die nahe gelegene Ortschaft Kell mit See, Eislauffläche und (sofern Schnee vorhanden) Rodelbahn sowie Historie, die auch Kinder interessieren kann. Seit drei Jahren existiert in dem Dorf Grimburg gleich gegenüber der Kirche St. Medardus in einem ehemaligen Bauernhaus das Burg- und Hexenmuseum in der Hauptstraße 16. Die Ausstattung des kleinen, in dieser Form einzigen rheinland-pfälzischen Burg- und Hexenmuseums, ist nicht vergleichbar mit so bekannten Hexenmuseen wie etwa in Rothenburg ob der Tauber, die mit furchterregenden, martialischen Foltergeräten aufwarten. "Es geht uns nicht um die Denunziationen und die schrecklichen Folterungen", erklärt Dittmar Lauer, Vorsitzender des Fördervereins, der das Museum gegründet hat."Auch den einfachen, leseunkundigen Menschen war klar: Die Folter macht aus den Menschen Hexen!" Daher gibt es im Grimburger Burg- und Hexenmuseum so gut wie keine Folterinstrumente, sondern auf Bildtafeln Dokumentationen aus gesicherten Quellen, die die Hexenverfolgung von mehr als 200 Opfern im Hochwald belegen. Dem Trierer Jesuitenpater Friedrich Spee wird gesonderter Raum geboten. Ein Film zeigt in einem kleinen Medienraum das Laienspiel über den Hexenprozess der Krämerin Herrichs Traudt, der von engagierten Bürgern mehrfach auf der nahe gelegenen Grimburg aufgeführt wurde. "Ein Thema, das unter die Haut geht", beschreibt Lauer die Reaktion von Schulklassen, die ebenfalls im Museum willkommen sind - ein erweiterter Seminarraum ist für nächstes Jahr geplant. Das Museum beinhaltet außer der schlimmen Thematik des Hexenwahns in einem weiteren Stockwerk Funde aus den Grabungen in der Burganlage der Grimburg. Gezeigt werden Geschirrfragmente aus der ehemaligen Burgküche, Münzen, Pfeilspitzen, Sporen, Bleikugeln und landwirtschaftliche Geräte. Kulturhistorisch wertvoll ist das Fragment des Wappensteins des Trierer Kurfürsten Johann VII. von Schönenberg, der auf der Grimburg lebte. Nach der Theorie folgt die Praxis. Die Burganlage ist in einem etwa 20-minütigen beschilderten Fußweg (kinderwagengeeignet) vom Ort aus erreichbar. Öffnungszeiten des Museums: Samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr, Gruppen und Sonderführungen nach Vereinbarung (Telefon: 06589/611; Internet: dittmar.lauer@t-online.de). Eintrittspreise: Erwachsene 1,50 Euro, Kinder 1,00 Euro. Informationen unter: www.burg-und-hexenmuseum.de und www.burg-grimburg.de.