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Verkehr
Hier haben Radfahrer das Sagen

Grünes Licht für Radler: In der Eberhardstraße entsteht die erste Fahrradstraße in der Stadt Trier.
Grünes Licht für Radler: In der Eberhardstraße entsteht die erste Fahrradstraße in der Stadt Trier. FOTO: dpa / Marius Becker
Trier-Süd. Es ist eine gute Zeit für Trierer, die gerne in die Pedale treten: Erst ist die Radgarage am Hauptbahnhof eröffnet worden, nun wird die erste Fahrradstraße markiert. Entstehen soll sie in der Eberhardstraße.

66 Fahrradfahrer rollen in morgendlichen Spitzenzeiten in einer Stunde durch die Eberhardstraße in Trier-Süd – und nicht einmal 20 Autos. Selbst der stündliche Minimalwert – 35 Fahrräder – ist höher als der Maximalwert für Autos, nämlich 24/Stunde am Nachmittag (gezählt am 11. Mai 2017): Hier dominieren die Zweiradfahrer.

Mit ein Grund, weshalb die Stadtverwaltung dort die erste Trierer Fahrradstraße einrichten will. „Hier sind alle gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausweisung einer Fahrradstraße gegeben“, sagt Stadtplaner und Fahrradbeauftragter Jonas Klöpfer bei der Vorstellung des Projekts in der Sitzung des Ortsbeirats Trier-Süd im Schammatzentrum. „Wenn man Radfahrern den roten Teppich ausrollt, werden sie wahrgenommen“, sagt Klöpfer. Und er hegt die Hoffnung, dass künftig noch mehr Menschen motiviert werden, aufs Fahrrad umzusteigen. „Wir möchten den Modal Split ändern, den motorisierten Individualverkehr zugunsten von Bus und Bahn verringern und den Radverkehr verbessern“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig. Dazu müsse die Stadt an der Infrastruktur arbeiten und das Radfahren sicherer und attraktiver gestalten. Denn Radfahren habe in der Stadt viele Vorteile, sei sogar oft schneller als Autofahren. Und es sei attraktiv für den Einzelhandel, ergänzt Klöpfer. „Das ist nachgewiesen.“ Eine Fahrradstraße in Trier-Süd ist eine vordringliche Maßnahme des vom Stadtrat beschlossenen Radverkehrskonzepts. Sie soll von der Südallee über die Eberhard-, Zell- und Kraus- bis zur Hohenzollernstraße verlaufen. Das sei ein lang gehegter Wunsch, sagt Ludwig. Denn Fahren in der stark vom Autoverkehr frequentierten Saarstraße sei vielen Radlern ein Gräuel, und am Uferradweg komme man nicht an Schulen und Kindergärten vorbei. Los geht es am heutigen Mittwoch mit Beschilderungs- und Markierungsarbeiten, die etwa eine Woche dauern. Start- und Endpunkt der Fahrradstraße werden mit einem eigenen Verkehrszeichen ausgeschildert, ergänzt durch auffällige Markierungen und Piktogramme auf der Fahrbahn. Zudem werden Unebenheiten in den gepflasterten Straßenabschnitten beseitigt. Anschließend soll die erste Trierer Fahrradstraße offiziell freigegeben werden. In der Fahrradstraße gilt Tempo 30. Für Anliegerautos bleibt die Straße geöffnet. Aber diese seien untergeordnet, erklärt Klöpfer. Das Bewohnerparken bleibt bestehen – es fallen auch keine Parkplätze weg. Und es gilt wie gehabt die Einbahnstraßenregelung in Richtung Südallee. Der Charme: Radfahrer dürfen dort auf der Mitte der Fahrbahn oder auch nebeneinander fahren. Und die Fahrradstraße berechtigt an Kreuzungen zur Vorfahrt. Das bedeutet, dass die Kreuzung zur Nikolausstraße umgestaltet wird – mit einer abknickenden Vorfahrt von der Eberhard- in die Zellstraße und weiter in die Krausstraße. Diese soll im Zuge der Leitungssanierung der Stadtwerke Trier ausgebaut werden.

„Die Fahrradstraße soll künftig weitergeführt werden bis in die Hubert-Neuerburg-Straße und Im Nonnenfeld“, sagt Klöpfer, inklusive einem sicheren Ausbau der Kreuzung Hohenzollernstraße und mit Anschluss an die Konrad-Adenauer-Brücke. Und Ludwig verspricht: „Wir machen weiter – systematisch nach und nach.“