| 17:27 Uhr

Engagement
Ein schönes Foto für das Selbstwertgefühl

Fotograf Viktor Beusch weiß um die Wirkung guter Portraitaufnahmen. Am Samstag setzt er sie zugunsten benachteiligter Trierer ein.
Fotograf Viktor Beusch weiß um die Wirkung guter Portraitaufnahmen. Am Samstag setzt er sie zugunsten benachteiligter Trierer ein. FOTO: Erich Benz
Trier. Hilfsbedürftige stehen am Samstag in der Kunstakademie im Blitzlicht der Aufmerksamkeit: Fotograf Victor Beusch bringt den „Help-Portrait-Tag“ nach Trier. Seine Mission: denen, die es besonders schwer haben, mit einem guten Bild zu zeigen, dass sie etwas Besonderes sind.

Victor Beusch ist 29 Jahre alt, ein ruhiger Typ mit Glatze, hager, unaufgeregt, schüchtern. Im Gespräch zeigt er sich unsicher. „Ich stehe ja lieber hinter der Kamera“, sagt er. Seit 2007 ist das sein Beruf. Er ist Fotograf und freischaffender Filmemacher.

In den Räumen der Europäischen Kunstakademie wird er gemeinsam mit dem Künstlernetzwerk „Die Kreativen“, Friseuren, Stylisten und Helfern am Samstag, 8. Dezember, seinen Beruf, seine Ausrüstung und seine Zeit Hilfsbedürftigen widmen, um ihnen etwas zu schenken, was sie sich sonst nicht leisten könnten: eine professionelle Porträtaufnahme.

Das Ensemble schließt sich damit einer weltweiten Bewegung an: „Help Portrait“ (siehe Infokasten). Ziel sei es, den Schwachen und Armen der Gesellschaft ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sagt Beusch. „Oftmals bleibt es gerade denen ja verwehrt: das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.“

Beusch wuchs in einer anthroposophischen Behinderteneinrichtung in der Nähe von Fulda auf. Mit seinen Eltern und Geschwistern kochte er mit den Unterstützungsbedürftigen, lachte mit ihnen und gestaltete das Leben wie in jeder anderen Familie. „Meistens waren etwa zehn Menschen bei uns.“ Für ihn ging es also immer schon um die Eingliederung in die Alltagswelt und darum, dass Hilfsbedürftigkeit zum Menschsein gehört.

Er zeigt ein Video auf Youtube: „Help Portrait 2013“. Es wurde in Heilbronn gedreht. Gestochen scharfe Bilder, keine gestellten. Man merkt, dass der Film von Menschen gemacht wurde, die einen Sinn für die ästhetische Perspektive haben. Er selbst war auch dabei. „Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich heute noch manchmal Gänsehaut. Es war einfach superschön.“

Eigentlich habe er die Aktion schon im vergangenen Jahr in Trier starten wollen, erzählt Beusch. „Aber ich habe die Arbeit unterschätzt, die dahintersteht.“ Die Räume stellt die Europäische Kunstakademie, Essen gibt es vom Bäcker und Metzger, ein Zauberkünstler bietet eine Zaubershow, und auch Musik wird es geben. Mehrere Sponsoren unterstützen die Aktion.

Das Management hat Beuschs Freundin Julia Gerz das in die Hand genommen. Er selbst habe die Idee nur verbreitet, sagt er, er sei eher der künstlerische Typ. Den Namen „Help Portrait“ findet Beusch übrigens unpassend: „Wir helfen denen ja nicht, wir geben einfach unsere Arbeit umsonst raus.“ Die Aktion soll den Teilnehmern einen unvergesslichen Tag bescheren und sie mit einem ganz besonderen Foto nach Hause zurückkehren lassen. Die Fotos werden nicht veröffentlicht oder zu Werbezwecken genutzt.

Beusch hat den Kontakt zu den „Kreativen“ gesucht – einem Netzwerk von Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft in Trier. „Ich kann ja nicht jeden einzelnen alleine fotografieren. Wir wollen ja auch die Möglichkeit haben, ein bisschen zu quatschen.“ Insgesamt seien am Samstag etwa 25 Helfer, Fotografen und Stylisten im Einsatz, porträtiert werden können etwa 60 Menschen. Angesprochen wurden beispielsweise das Haus Maria Goretti, eine Einrichtung für Frauen in Krisensituationen, und das Mutter-Kind-Heim Annastift.

Beusch hat dieses Jahr mehrere Großprojekte bewältigt. Beispielsweise buchte ihn das niederländische Königspaar, um den Besuch in Trier festzuhalten. Außerdem engagierte ihn die Kulturkarawane, um das „Flying-Grass-Carpet“-Festival filmisch zu dokumentieren. „Das hätte ich selbst nicht gedacht, dass ich einmal so arbeiten würde.“

Die Lust am Bild, daran, „Emotionen durch Bilder“ zu erzeugen, trieb Beusch 2007 dazu, eine Ausbildung zum Fotografen zu machen. „Wenn du Porträts fotografierst, dann schenken dir die Menschen vor der Kamera ein Bild.“ Ihm werde nachgesagt, dass er eine gute Beziehung zu den Menschen aufbaue.

Eine der Anekdoten aus seinem Leben als Fotograf dreht sich allerdings nicht um das Ablichten von Menschen: Für einen Teil seiner Gesellenprüfung habe er damals das Atomkraftwerk Biblis fotografieren müssen, erzählt er. Ausgelassen, und ausgestattet mit ein paar Bier, machte er es sich gemütlich und wartete stundenlang auf das richtige Licht – bis ihn bewaffnete Sicherheitsbeamte abführten. Sie dachten, er sei ein Greenpeace-Aktivist. Die Geschichte löste sich allerdings schnell auf: Er durfte seine Bilder für die Abschlussarbeit fertig machen.

Wer sich bei der Help-Aktion am Samstag von 10 bis 16 Uhr in den Räumen der Europäischen Kunstakademie fotografieren lassen möchte, kann sich unter hp-trier@gmx.de anmelden – die Organisatoren bitten um einen Hinweis auf das gewünschte Zeitfenster: 10 bis 12 Uhr, 12 bis 14 Uhr oder 14 bis 16 Uhr.