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Wetter
Hitze und Dürre machen Trier zu schaffen (Bilder)

Hitze in der Region FOTO: Friedemann Vetter
Trier/Saarburg. Die Region ächzt unter hohen Temperaturen und Wassermangel. Erstmals bitten Verwaltungen Bürger, beim Gießen des öffentlichen Grüns zu helfen. Noch läuft der Schiffsverkehr. Im Wald ist Vorsicht geboten. Von Christiane Wolff und Marion Maier
Christiane Wolff

Die erste echte Hitzewelle des Jahres ist da. Auch bisher war der Sommer zwar schon überdurchschnittlich warm. Von einer Hitzewelle sprechen Meteorologen allerdings erst, wenn die Temperaturen tagsüber stabil über 30 Grad liegen – und das soll laut Deutschen Wetterdienst in den nächsten Tagen so sein. Die Dürre, unter der Pflanzen, Tiere und Menschen derzeit leiden, dauert in der Region dagegen schon seit Wochen an.

Durstige Pflanzen Die Stadt Trier hat an ihre Bürger einen ungewöhnlichen Appell gerichtet: Die Anwohner sollen Beete, Blumen und insbesondere junge Bäume, die in ihren Straßen stehen, gießen. „Trotz Anstrengung schaffen es unsere Gärtner nicht mehr, alle Pflanzen ausreichend zu gießen“, erklärt Grünflächenamtsleiterin Petra-Christine Schacht. Auch in Konz würde man sich über Hilfe der Bürger freuen. Michael Naunheim, Pressesprecher der Verbandsgemeinde (VG) Konz, sagt: „Zusätzliches freiwilliges Gießen der Bürger wird auf jeden Fall helfen, Bäume und Pflanzen – vor allem Jungbäume und Beete – zu erhalten.“

Begehrte Männer: Manuel Schu (links ) und Ivan Popic liefern die kühlen Getränke aus.  Foto: Friedemann Vetter
Begehrte Männer: Manuel Schu (links ) und Ivan Popic liefern die kühlen Getränke aus. Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter

Während ältere Bäume mit tief reichenden Wurzeln sich noch selbst notdürftig aus tieferen Bodenschichten versorgen könnten, seien Jungbäume regelrecht am Verdursten, heißt es aus Trier. „Wenn wir alle 500 Jungbäume in Trier, die es am allernötigsten haben, alle einmal gießen, dauert das rund eine Woche“, an alle Hobbygärtner und engagierten Anwohner: „Eine Wassergabe von 100 bis 200 Litern in der Woche für Jungbäume langt zum Überleben, mehr ist immer besser.“

Der fünfjährige Arsenio planscht mit seiner zwöfjährigen Schwester Daniela im Brunnen vor dem Konzer Rathaus.
Der fünfjährige Arsenio planscht mit seiner zwöfjährigen Schwester Daniela im Brunnen vor dem Konzer Rathaus. FOTO: Benedikt Laubert

Genügend Trinkwasser In außergewöhnlich heißen und trockenen Sommern gab es in der Vergangenheit seitens der Behörden häufiger schon den Aufruf, Wasser zu sparen. Wie verträgt sich damit der Appell der Städte Trier rund Konz an die Bürger, Bäume und Beete reichlich zu gießen? Carsten Grasmück, Pressesprecher der Trierer Stadtwerke, die Trier, Schweich sowie die Verbandsgemeinden Trier-Land und Ruwer mit Wasser versorgen, erklärt: „Engagierte Bürger können dem Aufruf der Behörden folgen. Dabei sollte im ersten Schritt gesammeltes Regenwasser, beispielsweise aus Zisternen, zum Einsatz kommen.“ Die heimischen Regentonnen dürften allerdings mittlerweile auch alle leer sein. „Unsere Trinkwasserreservoirs – die Talsperre in Riveris, als auch die Brunnen im Kylltal – sind gut gefüllt. Insofern muss sich niemand Sorgen machen, wenn die Menschen den städtischen Pflanzen den ein oder anderen Liter Trinkwasser spendieren“, sagt Grasmück.

Auch in der VG Saarburg ist ausreichend Trinkwasser vorhanden. Das Wasser stamme aus Quellen und Brunnen und nicht aus Talsperren, heißt es bei der Verwaltung.

Der vierjährige Espen und seine Mutter Ingrid Lurf nutzen das heiße Wetter, um sich auf der Rutsche im Saarburger Schwimmbad abzukühlen.
Der vierjährige Espen und seine Mutter Ingrid Lurf nutzen das heiße Wetter, um sich auf der Rutsche im Saarburger Schwimmbad abzukühlen. FOTO: Benedikt Laubert

Vorsicht Waldbrandgefahr: Auch das Forstamt Trier appelliert angesichts der Trockenheit an die Bürger: „Die Waldbrandgefahr rund um Trier und dem Moseltal steigt deutlich“, sagt Forstdirektor Gundolf Bartmann. Noch sei zwar für Hunsrück, Eifel und Mosel lediglich die mittlere Gefahrenstufe ausgerufen. „In den kommenden Tagen wird die Einstufung allerdings steigen“, sagt Bartmann.

Die Stadt Trier bittet die Bürger um Mithilfe. Charline Stenger von „Trier-Souveniers“ giesst das Blumenbeet vor dem Laden in der Simeonstraße.
Die Stadt Trier bittet die Bürger um Mithilfe. Charline Stenger von „Trier-Souveniers“ giesst das Blumenbeet vor dem Laden in der Simeonstraße. FOTO: Friedemann Vetter

„Unsere Wälder, die Tiere und Pflanzen können im Brandfall nicht in Sicherheit gebracht werden. Sie sind schutzlos dem Feuer ausgeliefert. Totalverluste der Lebensräume sind neben dem wirtschaftlichen Schaden die bittere Folge“, warnt Bartmann. Großflächige Brände, wie sie sich derzeit in Schweden ausbreiten, seien allerdings nicht zu befürchten – insbesondere weil der Laubholzanteil und die Vielfalt in den hiesigen Wäldern für einen natürlichen Brandschutz sorgen würden.

Trotzdem gelte höchste Vorsicht: Rauchen, grillen und offenes Feuer sind im Wald strengsten verboten. Autos sollen nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden, da heiße Katalysatoren ausgetrocknete Grasflächen entzünden können. Alle Zufahrten zu Wäldern und auch die Waldwege müssen für den Fall, dass die Feuerwehr zu einem Waldbrand vordringen muss, freigehalten werden. „Jede Rauchentwicklung außerhalb der Siedlungsgebiete muss an den Feuerwehrnotruf 112 oder unter 110 der Polizei gemeldet werden“, appelliert Bartmann.

Klaus Grote hat bei Bofrost in Kenn bei über 30 Grad Minus den kühlsten Arbeitsplatz und packt sich entsprechend dick ein.
Klaus Grote hat bei Bofrost in Kenn bei über 30 Grad Minus den kühlsten Arbeitsplatz und packt sich entsprechend dick ein. FOTO: Friedemann Vetter

Niedrige Flusspegel Mosel, Saar, Sauer und Ruwer haben Niedrigwasser. „Die Zuflüsse in Mosel und Saar reichen aber noch aus, um die Schifffahrt sichern zu können“, sagt Ralph Nettekoven vom Wasser- und Schifffahrtsamt Trier. Durch die Staustufen der Mosel könne der Pegel so reguliert werden, dass in der Fahrrinne die Mindestwassertiefe von drei Metern gehalten werde. „Die Schifffahrt ist uneingeschränkt möglich“, sagt Nettekoven.

Hund Laika kühlt sich in der Mosel ab. Hunde schwitzen übrigens nicht - außer an den Pfoten.
Hund Laika kühlt sich in der Mosel ab. Hunde schwitzen übrigens nicht - außer an den Pfoten. FOTO: Friedemann Vetter

Die Fähre Sankta Maria II zwischen Wasserbillig und Oberbillig verkehrt laut dem Konzer Pressesprecher Naunheim ebenfalls wie gewohnt. Bei längerfristiger Trockenheit bestehe aber die Möglichkeit, dass der Pegel sinke und die Fähre nicht mehr eingesetzt werden könne.

Kein Hitzefrei für Bauarbeiter Auf den Baustellen wird weiter geschwitzt. Bernhard Kronenberger, technischer Leiter der Baufirma Backes, sagt: „Generell kommt man am Bau aus der Tageshitze nicht raus.“ Mit einer Freudenburger Firma baut das Unternehmen die Ortsdurchfahrt in Trassem (VG Saarburg) aus. Er überlege, in dieser Woche statt um 7 Uhr bereits um 6 Uhr mit dem Arbeiten zu beginnen. Alles, was man sonst tun könne, sei, keine Überstunden zu fahren und die Mitarbeiter gut mit Sprudel zu versorgen.

Gleiches berichtet auch ein Sprecher der Autobahnmeisterei: „Hitzefrei für die Arbeiter gibt es nicht.“ Die Baustellen würden aber gewässert, um eine zu starke Staubproduktion zu vermeiden. Straßenschäden sind nach Auskunft der Autobahnmeisterei durch die Hitze nicht zu erwarten.

Trinkprotokolle für Senioren Trinken ist bei Hitze wichtig, gerade ältere Menschen trinken häufig zu wenig. Um die hohen Temperaturen für sie erträglich zu gestalten, wird im Seniorenhaus Zur Buche in Konz einiges getan. Laut Pflegedienstleiterin Petra Rausch werden die Räume morgens gelüftet und danach abgedunkelt. Neben Klimaanlagen würden unter anderem feuchte Tücher aufgehängt und Trinkprotokolle für „Nicht-Selbstständige in der Trinkversorgung“ geführt.

Längerer Badespaß In den Freibädern der Region ist derzeit jede Menge los. Das Freibad Hochwald in Kell am See gestaltet seine Öffnungszeiten entsprechend flexibel. Bei gutem Wetter könnten die Gäste auch nach der regulären Schließzeit um 19 Uhr noch Abkühlung im Wasser finden – so lange sie wollten, heißt es. Im Hermeskeiler Freibad hat man die Öffnungszeiten laut Betriebsleiter Sascha Frank nicht verlängern müssen, weil das Freibad ohnehin schon die „längsten Öffnungszeiten in der Region“ habe: in den Ferien täglich von 9 bis 20 Uhr, zum Schulstart ab August dann sogar von 8 bis 20 Uhr. Insgesamt gesehen hat Frank recht. Allerdings haben das Trierer Nordbad und das Mertesdorfer Bad zumindest werktags länger auf, und zwar von 6 bis 19.30 Uhr. Das Trierer Südbad ist in den Ferien bei schönem Wetter von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Außer Konkurrenz steht das Konzer Saar-Mosel-Hallenbad mit einer Liegewiese. Hier kann wochentags außer dienstags von 6.30 bis 21 Uhr geschwommen werden, am Wochenende sowie an Feiertagen bis 18 Uhr.

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