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Sicherheit
Hochrangige Gäste und Demo: Großeinsatz für Polizei am Karl-Marx-Tag in Trier

FOTO: Harald Tittel / dpa
Trier. Mit viel Prominenz starten im Mai die Jubiläumsfeiern zum 200. Geburtstag des Philosophen. Befürworter und Gegner zeigen Flagge. Die Trierer Polizei feilt an einem Sicherheitskonzept. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

2,3 Tonnen schwer ist die brisante Fracht, die ein Gabelstapler heute am Trierer Simeonstiftplatz ablädt. Noch bleibt die Karl-Marx-Statue, die am Mittag aufgestellt werden soll, verhüllt. Wenn am Samstag, 5. Mai, das rote Tuch von dem Denkmal gezogen wird, dürfte das zumindest der vorläufige Höhepunkt des Marx-Jubliäumsjahres sein. Auch für die Befürworter und Gegner der Statue, die in den vergangenen Monaten leidenschaftlich darüber gestritten haben, ob das Denkmal angemessen oder verherrlichend ist.

Am Tag der Enthüllung zeigen die gegnerischen Gruppen Flagge: Die Deutsche Kommunistische Partei und die Linke ziehen mit einer Pro-Marx-Demonstration durch die Stadt. Die AfD hat zeitgleich einen Schweigemarsch angekündigt – zum Gedenken an die Opfer des Kommunismus’. Ein Trierer, der in der DDR aufgewachsen ist, will in den Hungerstreik treten und Mahnwachen abhalten. Die buddhistische Gemeinschaft Falun Gong, in China verboten und verfolgt, plant eine Kundgebung auf dem Hauptmarkt.

Die Polizei Trier bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. „In Zusammenarbeit mit dem Staatsschutz, dem Landes- und dem Bundeskriminalamt erarbeiten wir derzeit ein Sicherheitskonzept“, erklärt Polizeisprecher Uwe Konz. Details will er nicht öffentlich machen. Grundsätzlich gehe es aber darum, das Grundrecht zur freien Meinungsäußerung in einem demokratischen Diskurs zu schützen.

Dazu kommt, dass die Stadt voller hochrangiger Gäste sein wird, für die teilweise hohe Sicherheitsstufen gelten: Ex-Ministerpräsident Kurt Beck eröffnet als Präsident der Friedrich-Ebert-Stiftung am Samstagmorgen das Karl-Marx-Museum. Eingeladen hat er zur Präsentation der neuen Dauerausstellung einen chinesischen Minister. Auch Showprominenz ist vor Ort: Günther Jauch wird die Geburtsurkunde von Karl Marx verlesen, die Jauchs Ur-Ur-Ur-Urgroßvater Emmerich Grach als zweiter Bürgermeister von Trier 1818 unterschrieben hat. Bei der Enthüllung der Marx-Statue am Samstagmittag werden rund 200 geladene Gäste dabei sein, darunter der Vizeminister des chinesischen Informationsministeriums, der chinesische Botschafter aus Berlin und Bildhauer Wu Weishan, der die Statue geschaffen hat. Schon am Freitagabend, 4. Mai, werden mehr als 1500 Gäste in der Konstantinbasilika zur offiziellen Eröffnung der großen Karl-Marx-Ausstellung erwartet.

Die SPD hält außerdem am 5. Mai einen Bundeskongress in Trier ab. Nahezu die gesamte Parteispitze wird anreisen. Anlass ist auch, dass Willy Brandt am 5. Mai vor 50 Jahren im Trierer Theater eine Rede zur damaligen Wiedereröffnung des Karl-Marx-Museums gehalten hat.

Schon am 150. Geburtstag von Karl Marx herrschte in der Stadt damals übrigens so etwas wie Großkampfstimmung: Die Trierer Sektion der Außerparlamentarischen Opposition (APO) hatte sich den Tag für ihre erste große Demonstration ausgesucht – auch aus Protest gegen die damalige Groko aus CDU und SPD. Trierer APO-Mitstreiter damals unter anderem: Till Meyer, informeller Mitarbeiter der DDR und RAF-Mitglied der ersten Generation.

Ein Highlight der Karl-Marx-Ausstellung: sein Lese- und wahrscheinlich Todessessel.
Ein Highlight der Karl-Marx-Ausstellung: sein Lese- und wahrscheinlich Todessessel. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund