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Wetter
Die Flut, der Damm und viel Optimismus 

Frank Föhr und Toni Kammerl von den Stadtwerken Trier passen in Pfalzel das letzte Spundelement ein. Der Hochwasserschutz steht.
Frank Föhr und Toni Kammerl von den Stadtwerken Trier passen in Pfalzel das letzte Spundelement ein. Der Hochwasserschutz steht. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Wie hoch steigt die Mosel an diesem Wochenende? Diese Frage bewegt in Trier alle, die nahe am Fluss wohnen. An ein dramatisches Hochwasser wie im Jahr 1993 glaubt aber niemand. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

In Pfalzel, Ruwer und dem idyllischen Martinerfeld in Trier-West/Pallien sind die Erinnungen an das Jahrhunderthochwasser von 1993 noch präsent. Damals erreichte der Pegel der Mosel einen Höchststand von 11,28 Metern. Nur wenige Zentimeter mehr, und die durch Hunderte Sandsäcke erhöhte Schutzmauer von Pfalzel wäre überspült worden. In Ruwer waren viele Häuser nur noch mit dem Boot erreichbar. Selbst in Pallien stand das Wasser in manchem Erdgeschoss.

„So schlimm wird es diesmal nicht“, ist Jürgen Müller überzeugt, der am Freitagvormittag nachsieht, wie weit der Radweg an der Mosel bereits überspült ist. Er kam bei seinem Spaziergang im Regen auch am mobilen Hochwasserdamm vorbei. Sieben Mitarbeiter der Stadtwerke Trier haben im Bereich der Klosterschenke die 19 Metallpfosten und 360 Spund-Elemente aus Aluminium seit dem Donnerstag aufgebaut. „Zunächst haben wir nur drei Elemente eingesetzt, sagt Toni Kammerl, der gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Föhr gerade die letzten beiden Teile eingesetzt und fixiert hat. „Weil das Wasser dann am Abend so schnell gestiegen ist, haben wir dann doch die ganze Wand installiert.

3,10 Meter ist sie hoch. Auch wenn der Flusspegel  an diesem Wochenende 9,50 Meter erreicht, wird da noch reichlich Spielraum nach oben sein. „Der Hochwasserschutzplan greift bei 5,50 Metern“, sagt Markus Spoden, SWT-Gruppenleiter für den Bereich Kanalunterhaltung. „Das gilt auch für das Kanalnetz, das wir vor hereindrückendem Moselwasser schützen müssen.“ Wegen des rasch steigenden Wassers am Donnerstagabend seien zudem in der Nacht die Hochwassertore in Pfalzel, Quint und Ehrang geschlossen worden.

Nicht nur die Mosel, sondern auch die Ruwer haben die Menschen im Blick, die in dem nach dem üblicherweise kleinen Nebenfluss benannten Stadtteil wohnen. Denn im Mündungsbereich hilft kein Hochwasserdamm. So wird es dort bereits ab einem Pegel von neun Metern kritisch. „Hier sind schon Keller leer gepumpt worden“, sagt Ortsvorsteherin Monika Thenot am Freitagnachmittag. „Die Leute sehen das Hochwasser zwar noch mit Ruhe, haben aber die Pegelstände beider Flüsse ständig im Blick.“ Vor allem an der Ruwermündung, an den tief gelegenen Bereichen der Ortsmitte und am Fischweg ist die Nervosität größer als  anderswo. „Die Ruwer ist schon ziemlich hoch und sieht bedrohlich aus“, sagt Monika Thenot, die hofft, dass die optimistischen Wetterprognosen zutreffen werden.

Im Martinerfeld, dem kleinen Wohnviertel in Trier-West/Pallien, dass vor 25 Jahren besonders unter den Folgen der Flut zu leiden hatte, ist von Anspannung derweil noch wenig zu spüren. Anwohner wie Martina Gouverneur blicken dennoch nicht ganz sorgenfrei auf die braune Flut, die längst den Radweg an der Mosel verschluckt hat. „Ich habe mein Haus hier 2001 gekauft und kenne das Jahrhunderthochwasser nur von Bildern“, erzählt sie beim Spaziergang mit Hund Max. „In meinem Keller ist deshalb eine Pumpe eingebaut, und die Gastherme ist unter dem Dach.“ Dennoch habe sie eine App mit Pegelständen aufs Handy geladen, damit sie auch bei der Arbeit im Zweifelsfall schnell auf eine dramatische Entwicklung des Pegels reagieren könne.

Hochwasser in der Region FOTO:

In Pfalzel glaubt daran niemand: „Wir sind mit dem Hochwasser groß geworden“, erklärt Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel. „Hier ist niemand beunruhigt,  wenn das Wasser unter elf Metern bleibt.“

Weitere Texte, Fotos und Videos zum Hochwasser in Trier und in der Region finden Sie unter www.volksfreund.de

Land unter – kein Zugang zur Mosel. So wie hier an der Kaiser-Wilhelm-Brücke sieht es derzeit überall am Fluss aus.
Land unter – kein Zugang zur Mosel. So wie hier an der Kaiser-Wilhelm-Brücke sieht es derzeit überall am Fluss aus. FOTO: Rainer Neubert
Martina Gourverneur macht sich im Martinerfeld ein Bild von der Lage. In ihrem Wohnviertel reicht der Fluss bis an die Häuser.
Martina Gourverneur macht sich im Martinerfeld ein Bild von der Lage. In ihrem Wohnviertel reicht der Fluss bis an die Häuser. FOTO: Rainer Neubert