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Hoffnungsträger Karl Marx

Berlin/Trier. Berühmte Trierer als Zugpferde für den Stadttourismus: Was die Konstantin-Ausstellung 2007 geschafft hat, soll nun Karl Marx fortsetzen. 2013 widmet ihm das Stadtmuseum eine große Ausstellung - eine Etappe auf dem Weg zum 200. Geburtstag 2018. Roland Morgen

Berlin/Trier. Keine Frage: Der Mann mit dem Rauschebart hat einen enorm hohen Wiedererkennungswert: Das in der Culture-Lounge der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin hängende große Plakat mit dem 1875 entstandenen Foto von Karl Marx (1818-1883) zieht Messebesucher magisch an. Der heute vor 129 Jahren gestorbene, weltweit bekannteste Trierer mutiert zum iPhone-Fotografier-Motiv. Der Hingucker-Effekt bestätigt die Intention des Stadtmuseums Simeonstift. Erst in einem Jahr beginnt die Sonderausstellung "Ikone Karl Marx. Kultbilder und Bilderkultur", und schon jetzt sorgt die Ikone für Furore.
Museums-Pressesprecherin Sonja Mißfeldt ist auf der ITB am laufenden Band gefragt: Reiseveranstalter aus China, Journalisten aus Russland und Südamerika - alle wollen mehr wissen über das Trierer Projekt. Das wird keine wissenschaftliche Veranstaltung zu Leben und Werk des Universalgelehrten und Sozialismus-Vordenkers, sondern zeigt, wie das Bild von Karl Marx weiterlebt. "Wir bieten einen Gang durch fast anderthalb Jahrhunderte einer facettenreichen, in erster Linie politischen Ikonografie", kündigt Mißfeldt an. Marx in Karikaturen, in YouTube-Filmen, auf Porzellanvasen aus der ehemaligen Sowjetunion und natürlich in der Werbung: So bezog sich Computerhersteller Apple bereits 1984 in einer Anzeigenkampagne ("Es wurde Zeit, dass mal ein Kapitalist die Welt verändert") auf den Kapitalismuskritiker aus Trier.
Auf beiden Etagen des neuen Anbaus wird das Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung 2013 sieben Monate lang die "Ikonen"-Sammlung präsentieren - eine örtliche Parallele zur Erfolgsgeschichte von 2007.
Damals war das Simeonstift einer der drei Standorte der Konstantin-Ausstellung des Landes, die insgesamt mehr als 350 000 Besucher anzog und Trier einen neuen Übernachtungsrekord bescherte.
Nun ist Marx der Hoffnungsträger, und das noch eine ganze Weile lang. Die "Ikonen"-Ausstellung ist das Vorspiel zum großen Jubiläumsjahr 2018, dem 200. Geburtstag von Karl Marx. "Klar, dass seine Geburtsstadt ihren großen Sohn dann gebührend feiern sollte", sagt Triers Tourismus-Chef Hans-Albert Becker. Wie und womit, ist allerdings noch nicht spruchreif.
Römermilitär im Landesmuseum


Konkret hingegen sind die Planungen des Rheinischen Landesmuseums Trier. Von September bis Anfang 2013 steht die Sonderausstellung "Im Dienst des Kaisers: das römische Militär in Mainz" auf dem Programm. Darin wird es auch um den Bürgerkrieg 196/197 n. Chr. gehen, in dem die Mainzer Legion in der Schlacht vor Trier auf der Seite des Kaisers Septimius Severus gegen dessen Widersacher Clodius Albinus kämpfte. Dieser Gemeinschaftsproduktion mit dem Landesmuseum Mainz wird ab Frühjahr 2013 eine Großausstellung zu Archäologie in Trier folgen, kündigte Museumssprecherin Anne Kurtze auf der ITB an.Extra

Trier lebt: Auch in Jahren ohne Großereignisse wie Konstantin-Ausstellung (2007) oder Landesgartenschau (2004) hält der kontinuierliche Aufwärtstrend im Trier-Tourismus an - trotz Kulturabgabe von einem Euro pro Übernachtung. 2011 verbuchten Trie rer Hotels und Pensionen rund 762 000 Übernachtungen. Diese Zahl wurde lediglich vom Konstantin-Jahr mit rund 800 000 überboten. Möglicherweise bringt 2012, das Jahr der Heilig-Rock-Ausstellung (13. April bis 13. Mai), eine neue Bestmarke. Für 2013 wird ein Wanderer-Boom erwartet. Der Moselsteig von Perl bis Koblenz (Eröffnung in 13 Monaten) macht Trier zur einzigen Stadt Deutschlands mit drei hochkarätigen Fernwanderwegen. Bereits der Saar-Hunsrück- und der Eifelsteig haben sich als großer Gewinn für Trier erwiesen. rm.