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Hüte, Farben, Revolution

Finja Keilen, Vivien Keilen und Katharina Gans (von links) lernen in der historischen Spielstadt, wie man Ölfarben herstellt. Später können sie damit ein Bild malen, das in der Stadt verkauft wird. TV-Foto: Anna-Sophie Schindler
Finja Keilen, Vivien Keilen und Katharina Gans (von links) lernen in der historischen Spielstadt, wie man Ölfarben herstellt. Später können sie damit ein Bild malen, das in der Stadt verkauft wird. TV-Foto: Anna-Sophie Schindler
Trier. Die Märzrevolution 1848 in Deutschland - die mobile Spielaktion hat sich für das Leben in ihrer historischen Spielstadt an den Trierer Kaiserthermen dieses Thema ausgesucht. Hautnah können Kinder dabei miterleben, was Trier und seine Bürger in dieser Zeit bewegte. Anna-Sophie Schindler

Trier. In der Schreinerei arbeitet Maurice Wienholz (9) als Lehrling am Bau eines Fachwerkhauses mit. Sein Meister Anton Zentmeier steht auf der Seite der Revolutionäre. "Ich muss mein Holz für die Schreinerei im Wald klauen, weil die preußische Obrigkeit uns das Bäumefällen verbietet", erklärt der Meister. Mit Bleistift und Winkel messen Lehrling Maurice und Meister Anton die Balken aus.
Organisiert wird die historische Stadt von der mobilen Spielaktion unter der Leitung von Pädagogin Sandra Rouhi. "Die Kinder lernen hier, dass sich Frauen ihr Wahlrecht oder das Tragen von Hosen erkämpfen mussten", sagt Rouhi. Mit dem Begriff Revolution könnten die Kinder nur wenig anfangen. "Das ist auch nicht das Wichtigste. Sie sollen verstehen, was die Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bedeuten", sagt Rouhi. Pädagogen und studentische Betreuer sind in die Rollen der Handwerkermeister geschlüpft. Die Kinder können in der historischen Stadt bei ihnen Seifen herstellen, Körbe flechten oder Brot backen. Dabei lernen sie sowohl Revolutionsgegner wie auch -befürworter kennen.
Bei Hutmacher Jakob Eichhorn erfahren die Kinder, wie man Zylinder herstellt. Aus Pappe wird die Form zurechtgeschnitten, anschließend wird sie mit schwarzem Stoff beklebt. "Das Anspruchsvolle daran ist, dass man keine Klebespuren sehen darf", sagt Hutmacher Eichhorn. Der Zylinder sei im 19. Jahrhundert das Symbol des besseren Bürgers. Eichhorn spricht sich seinen Lehrlingen gegenüber gegen die Revolution aus: "Mit der Monarchie sind wir immer gut gefahren. Diese Vielfalt der Meinungen im Parlamentarismus halte ich für nicht gut."
In der Malstube können die Kinder Ölfarben herstellen und später benutzen. "Wir haben die Farben selbst angerührt, aus Pigmenten, Öl und Ei", sagt Katharina Gans (9). Auf einer Leinwand entsteht ein Gemälde der Kaiserthermen, das später in der historischen Stadt verkauft wird.
Noch bis zum 16. August können Kinder zwischen sechs und 14 Jahren die historische Spielstadt an den Kaiserthermen besuchen. Die Spielstadt ist wochentags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Extra

Maurice Wienholz, 9 Jahre alt, aus Trier: Bei der Spielstadt gefallen mir die vielen Handwerksberufe. Ich baue gerade eine Ofenschaufel. Dazu muss das Holz hier gefeilt werden. Zu Hause arbeite ich bei meinem Opa auch mit Werkzeugen. Ruth Michael, 13, aus Trier: Ich war schon ganz oft hier. Wir machen immer viele Sachen, die man sonst nicht macht. Heute habe ich einen Ball aus Leder genäht. Der Regen hat uns zwar ein bisschen unterbrochen, aber man konnte sich unterstellen. Elisa Philipps, 12, aus Trier-Ruwer: Ich war schon mal hier. Ich finde es schön, handwerkliche Sachen zu machen. Heute habe ich gelernt, wie man Seife selbst machen kann. (ass)/Tv-Fotos (3): Anna-Sophie SchindlerExtra

Mann, das muss echt toll sein in der Spielstadt. Seife selbst machen, Hüte nähen, Schaufeln bauen - hört sich voll klasse an. Ich glaube, ich muss da auch mal vorbei schauen. Hab ja noch bis zum 16. August Zeit. Wollt ihr auch mal zurück ins Jahr 1848 versetzt werden, also in eine Zeit, als noch nicht mal eure Großeltern gelebt haben? Dann nichts wie hin zu den Kaiserthermen, wo die Spielstadt aufgebaut ist und man die vielen Handwerksmeister treffen kann. Und einen Chef, also einen Bürgermeister gibt es da auch. red