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"Ich wollte stärker sein als die Krankheit"

Trier. Beim Paddeln auf der Mosel Hoffnung vermitteln - das treibt Marion Hoffmann an. Selbst einst an Brustkrebs erkrankt, hat sie die Trierer Gruppe Pink Paddler gegründet. Dort können andere Patientinnen Kraft sammeln und vielleicht eines Tages dasselbe sagen wie ihre Mentorin: dass sie an der Krankheit gewachsen sind. Martina Greve

Trier. Schwungvoll erzählt Marion Hoffmann von ihrem Schicksal. Die Diagnose Brustkrebs sei ein totaler Schock gewesen. "Die Gefühlsausbrüche und die Verzweiflung, die einen immer wieder einholen, kann niemand nachvollziehen", beschreibt Marion Hoffmann die erste schwere Zeit.
Als sie dachte, sie hätte das Schlimmste überstanden, war eine neue OP nötig. Die Brust musste komplett entfernt werden. Diese zweite OP setzte ihr noch mehr zu als die erste. "Ich habe mich nur als halbe Frau gefühlt." Auch die Familie stand vor einer großen Herausforderung. "Zunächst hatte ich mich total aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen."
Doch dann fand die zweifache Mutter ihren Lebensmut wieder. Sehr geholfen hätten ihr dabei die Pink Ladies in Wiesbaden, erzählt sie. Schon vor ihrer Erkrankung war die 44-Jährige im Wassersport aktiv. Im Internet wurde sie während ihrer Erkrankung 2009 auf die Pink-Paddler-Gruppe Wiesbaden-Schierstein aufmerksam und nahm regelmäßig am Training teil. Zunächst sei das anstrengend gewesen. "Doch ich konnte mich einfach mitziehen lassen."
Die Trainerin der Schiersteiner Gruppe gab den Anstoß für die Gründung der Trierer Pink Paddler: "Marion, Du bist Paddlerin und Steuerfrau. Warum gründest Du nicht eine Gruppe in Trier?" Es folgten die Suche nach Sponsoren, Mannschaft und Boot. Medienberichte und Mundpropaganda brachten den Durchbruch. Heute trainieren 18 Frauen regelmäßig.
Wer Marion Hoffmann trifft, spürt man vor allem eins: pure Lebensfreude. "Ich wollte stärker sein als die Krankheit!" Im Namen des Drachenboots spiegelt sich das wider, was sie ihren Leidensgenossinnen vermitteln möchte: "Hope" heißt es, zu Deutsch: Hoffnung.
Mit Hilfe des Trierischen Volksfreunds wurde dieses kleinere und leichtere Drachenboot angeschafft. Es ist einfacher händelbar als das frühere Drachenboot. "Manchmal brüllen wir unsere Sorgen auf dem Wasser einfach heraus", erzählt Marion Hoffmann. Thema sei dann nach dem Training meist nicht mehr die Krankheit. Einmal sei sie von einer Pink Paddlerin gefragt worden, woher sie ihre Energie nehme, erzählt Hoffmann. Ihre Antwort: "Durch euch!" Denn sie bekomme von den Frauen viel zurück.
Ihre Erfahrungen gibt Marion Hoffmann nicht nur an ihre Gruppe, sondern auch durch Vorträgen und in Seminaren weiter. So ist sie an der schweren Zeit gewachsen.