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Freizeit
Illuminale in Trier: Lustwandeln im Laserlicht (Videos)

Beliebte Projektionsfläche: Die Fassade des Kurfürstlichen Palais am Trierer Palastgarten verwandelt sich im Lauf des Abends immer wieder neu, untermalt von barocken Klangelementen.
Beliebte Projektionsfläche: Die Fassade des Kurfürstlichen Palais am Trierer Palastgarten verwandelt sich im Lauf des Abends immer wieder neu, untermalt von barocken Klangelementen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Tausende Besucher strömen zur 9. Auflage der Großveranstaltung in Trier, für die es Anerkennung gibt, aber auch Kritik. Von Karin Pütz

Auf Motten übt Licht eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus – oft ist das ihr Verderben, und sie verbrennen darin. Von der Illuminale in Trier hingegen fühlen sich vor allem Menschen angezogen. Statt zu verbrennen, werden sie hingegen mit spektakulären Installationen und magischen Anblicken belohnt.

Schon mit Einbruch der Dämmerung zieht es die Besucher zum Kurfürstlichen Palais und zum Palastgarten. Dort ist der Eintritt frei, im Unterschied zu der Aktionszone in den Kaiserthermen. Viele sind bestens vorbereitet: Ein gutes Dutzend Kinder schwenken leuchtende Kugeln an Schnüren und schwirren wie bunte Glühwürmchen umher. Manche Erwachsene tragen leuchtende Brillen. Rollstühle sind mit LED-Lichtern an den Rädern ausgestattet. Lampions und große Leuchtobjekte, die in den vergangenen Jahren im Vordergrund standen, gibt es diesmal allerdings nicht zu sehen.

Geduld ist gefragt in der langen Schlange vor dem Eingang der Kaiserthermen und bei den Führungen über das Aktionsgelände.
Geduld ist gefragt in der langen Schlange vor dem Eingang der Kaiserthermen und bei den Führungen über das Aktionsgelände. FOTO: Friedemann Vetter

Fabian Lasarzik als künstlerischer Leiter des Lichtkunstfestivals setzt auf das nüchterne Thema Industriekultur. Dabei sollen Feuer als älteste Lichtquelle und Laser als die neueste im Einklang mit den historischen Gebäuden stehen und deren Bedeutung für die Industrialisierung zeigen. „Es geht nicht darum, es möglichst bunt zu machen.“ Entsprechend kühl zeigen sich die Installationen dieser Illuminale.

Die große Wiese vor den Thermen verwandelt sich durch die Arbeit von zwölf Nebelmaschinen und unter Einsatz von blauen Laserstrahlen in ein unwirkliches Areal, auf dem die Besucher zu sphärischer Musik lustwandeln können. Wer sich auf diesen Lasersee einlässt, versinkt in einer anderen Welt. Selbst ein notwendiges Übel, das große Gerüst um die Kaiserthermen, wurde von der Lichtkünstlerin Katrin Bethge miteinbezogen. Der Betrachter sieht raffinierte Lichtspielereien auf dem ansonsten unattraktiven Gestänge. Rund 7500 zahlende Gäste drängen sich in zwei Tagen durch die unterirdischen Gänge der Thermen, wo „2000-jährige Ingenieurskunst auf moderne Lichtkunst und technische Präzision trifft“, wie es im Flyer der Veranstalter heißt. Die Besucher – Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt – werden in Gruppen durch die Thermen geführt und erhalten Erklärungen zu den einzelnen Projektionen.

Kulturdezernent Thomas Schmitt begrüßt die Gäste.
Kulturdezernent Thomas Schmitt begrüßt die Gäste. FOTO: Karin Pütz
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Illuminale Trier FOTO:

„Bei einer Strecke von 600 Metern ist jeder der 22 Stadtführer in zwei Tagen gut 10 bis 15 Kilometer gegangen“, sagt Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm). Er betont in diesem Zusammenhang, dass die dadurch entstehenden Wartezeiten bei den Besuchern auf Verständnis stießen. Nicht zuletzt sei dies den Schülern der IGS zu verdanken, die mit ihren feurigen Darbietungen den Menschenschlangen das Warten versüßen.

Am „Teich aus Laser und Feuer“ am Rand des Palastgartens dienen die Fontänen des Springbrunnens als Projektionsfläche für Bilder, die durch Beamer und Laserstrahlen  entstehen: Der Betrachter sieht von Schriftzügen bis zu züngelnden Flammen immer wieder andere Erscheinungen. „Das Grünflächenamt hat dankenswerterweise extra das Wasser des Teichs ausgetauscht“, lobt Norbert Käthler. Dadurch würden sich die meterhohen Lichtbilder auf der Wasseroberfläche des Teichs besonders gut spiegeln.

Laserharfenspieler Ralph „Mr. Light“ verblüfft sein Publikum.
Laserharfenspieler Ralph „Mr. Light“ verblüfft sein Publikum. FOTO: Friedemann Vetter

Food-Trucks und Getränkestände sind zahlreich vorhanden. Für Simone Schmelzer und Thomas Tippelt aus Trier ist es die dritte Illuminale, die sie besuchen. „Immer wieder chic“, urteilt Tippelt. Für Stammgast Vicky Ueberholz allerdings ist die Illuminale 2018 „enttäuschend im Vergleich zu 2014. Der Platz ist nicht ausgeschöpft, da wäre noch mehr gegangen“, findet sie. „Außerdem könnten Wege und Stufen besser beleuchtet sein“, fügt die 32-jährige Triererin im Hinblick auf die Stolpergefahr hinzu.

Wer alle in einem Flyer aufgezeigten Stationen erleben und interaktiv teilnehmen will, ist auf der Illuminale gut zweieinhalb Stunden unterwegs. Am Sonntag äußert sich  Norbert Käthler über die erstmals zweitägige Veranstaltung sehr zufrieden: „Wir hatten den Eindruck, dass die Leute es toll fanden.“