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Tourismus
Illuminale in Trier: „Simples Disko-Geflimmer“

Nach Angaben der Trier Tourismus und Marketing GmbH besuchten 20 000 Menschen die zweitägige Illuminale im Palastgarten und den Kaiserthermen.
Nach Angaben der Trier Tourismus und Marketing GmbH besuchten 20 000 Menschen die zweitägige Illuminale im Palastgarten und den Kaiserthermen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Extreme Wartezeiten, unspektakuläre Laserspiele – die Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) muss viel Kritik für die Illuminale einstecken. TTM-Chef Norbert Käthler wehrt sich. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Vanessa ist mächtig sauer. „Ich komme mir auf den Arm genommen vor“, sagt die IT-Fachfrau nach ihrem Abstecher zur Illuminale in Trier. „Wir haben mehr als eine halbe Stunde in der Schlange gewartet, um die Führung durch die unterirdischen Gänge mitmachen zu können“, sagt sie. „Dafür wurden wir dann  an ein paar gewöhnlichen Laserspielen vorbei gescheucht und das war’s.“ Mit dieser Meinung ist sie nicht allein.

Gabi Engel, eine weitere Besucherin, schreibt auf Facebook: „Wir haben Eintritt bezahlt, um wie beim Viehtrieb durch die Kaiserthermen gejagt zu werden, schnell schnell, bitte weitergehen, nicht stehen bleiben. Es gab aber auch keinen Grund, stehen zu bleiben, denn mit einem Laserstrahl lockt man heutzutage niemanden mehr hinterm Ofen hervor.“

Noch härter äußert sich Johannes Ludwig in einer Mail an den TV. „Nichts gegen das Rahmenprogramm, das aus illuminierten Bäumen und Skulpturen bestand! Was allerdings auf den Fassaden von Basilika und Schloss zu sehen war, kann man nur als altbacken und erbärmlich bezeichnen. Diese beiden Highlights kamen über ein simples Disko-Geflimmer kaum hinaus.“

Drei von vielen Stimmen, die nicht überzeugt sind von der zum ersten mal zweitägigen Trierer Illuminale und ihrem künstlerischen Konzept, vom Eintrittspreis von vier Euro für die Kaiserthermen, von langen Warteschlangen, von als unspektakulär empfundenen Lichtinstallationen und einem großen Fast-Food-Bereich im Palastgarten.

Der TV konfrontiert die Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) mit der Kritik der Besucher. Geschäftsführer Norbert Käthler stellt sich und weist die Kritik in vielen Punkten klar zurück.

„Wir haben die Kaiserthermen in diesem Jahr zum ersten Mal von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz für die Illuminale zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Käthler. „Das ist sehr großzügig und eine riesige Chance, denn das Konzept der Illuminale lebt davon, dass immer wieder neue besondere Bauwerke mit Licht inszeniert werden.“

Die Generaldirektion habe die Auflage erteilt, den normalen Kaiserthermen-Eintritt von vier Euro für Erwachsene zu erheben. „Das Thema Eintritt haben wir von Anfang an offen kommuniziert und einen Vorverkauf angeboten“, sagt Käthler. „Das Angebot haben etwa 200 Besucher genutzt, die dann mit diesen Tickets sofort auf das Gelände in den Kaiserthermen gelangten.“

 Warum mussten die Leute Schlange stehen? Käthler: „Es war uns klar, dass es schwierig würde, mehrere Tausend Menschen durch eine unterirdische römische Wasserleitung zu schleusen, obwohl sich dort nach dem vorliegenden Sicherheitskonzept maximal 200 Menschen gleichzeitig aufhalten durften. Deshalb haben wir 22 Stadtführer geschult, um den Ablauf optimal zu gestalten.“ Der TTM-Chef räumt ein: Im Hauptandrang zwischen 20.30 und 22 Uhr seien manchmal Kompromisse nötig gewesen –  „längere Warteschlange vor den unterirdischen Gängen oder mehr Zeit, die Kunst zu erleben.“

Warum gab es kein Wandelgang? „Wir hatten insgesamt 14 Lichtstationen, und ich habe eine Menge Menschen gesehen, die von einer zur anderen gewandelt sind“, erklärt Norbert Käthler. „Besonders hat mich gefreut, dass die interaktiven Stationen zum Mitmachen gut angenommen wurden: Etwa die Möglichkeit, die Flammenwerfer mit dem Buzzer zu steuern, das flammende Herz für Fotoaufnahmen oder die sprachgesteuerte Projektion auf das Kurfürstliche Palais.“

Viele Besucher haben die Lampions in diesem Jahr vermisst. „Das war keine künstlerische Entscheidung, insofern werden wir für 2019 darüber neu nachdenken“, sagt der Geschäftsführer der TTM.

Der direkte Vergleich mit der Illuminale 2017, die ihren Schwerpunkt mit Lichtkünstlern, Akrobaten und vielen Ideen in der Neustraße hatte und weitaus weniger massive Kritik erfahren musste (der TV berichtete), sei ein schwieriges Thema, sagt Käthler, „weil jede Illuminale ihre eigenen Stärken hat“.

Der Chef der TTM stützt sich auf einen aktuellen Wert, den seine Mitarbeiter selbst ermittelt haben. „Wir haben eine Besucherbefragung an beiden Tagen durchgeführt“, sagt er. „Dabei fanden 68 Prozent der befragten Besucher die Illuminale 2018 besser als die des Vorjahres. Die Veranstaltung wurde von fast allen befragten Besuchern als gut oder sehr gut bewertet.“ Und schließlich habe die diesjährige Show der Lichter 20 000 Besucher an beiden Tagen angezogen – doppelt so viele wie ihre eintägige Vorgängerin in 2017.

Kommentar

Es muss nicht immer Kunst sein

Die Illuminale gehört zu den jüngeren Trierer Erfolgsgeschichten. Ebenso wie die Konzertreihe Porta hoch drei, auch diese ist erst wenige Jahre alt, zieht die Lichtershow seit ihrer Premiere Zehntausende an und erlebte 2017 in der Neustraße ihren Höhepunkt. Doch dann kam ein Bruch, ein Rückschritt, eine klare Enttäuschung nicht aller, aber vieler Besucher. Denn die Macher der Illuminale wollten dieses Jahr einfach zu viel. Sie wollten ein künstlerisches Konzept umsetzen, das römische Erbe mit einbeziehen, die Ingenieurskunst der Römer mit moderner Lichtkunst verbinden.

Das Ergebnis war aber eine Veranstaltung, die wesentlich schwerer zugänglich war als der spannende Spaziergang durch eine leuchtende Innenstadt im Jahr 2017. Die Führung durch den unterirdischen Teil der Kaiserthermen, auf die viele 30 oder sogar 60 Minuten lang in der Schlange gewartet haben, stellte sich als durchschnittliche Lasershow heraus, die diese Wartezeit nicht wert war. Und auch oben im Palastgarten staunte man allenfalls darüber, dass es so wenig zum Staunen gab.

Fazit: Die Illuminale soll das bleiben, was sie bis 2017 war. Die Besucher wollen staunen, laufen, erleben. Es muss nicht immer Kunst sein.

j.pistorius@volksfreund.de

Nach Angaben der Trier Tourismus und Marketing GmbH besuchten insgesamt 20 000 Menschen die zweitägige Illuminale im Palastgarten und den Kaiserthermen.
Nach Angaben der Trier Tourismus und Marketing GmbH besuchten insgesamt 20 000 Menschen die zweitägige Illuminale im Palastgarten und den Kaiserthermen. FOTO: Friedemann Vetter
Milljunen Lichter und Leut bei der Illuminale im Trierer Palastgarten.
Milljunen Lichter und Leut bei der Illuminale im Trierer Palastgarten. FOTO: Friedemann Vetter