| 16:20 Uhr

Genuss
Der Burger-Daddy Trier verkauft bald Cannabis

Inhaber Dennis Brede zeigt das legale „Marihuana“, das er demnächst in seinem Burgerrestaurant Daddy verkauft.
Inhaber Dennis Brede zeigt das legale „Marihuana“, das er demnächst in seinem Burgerrestaurant Daddy verkauft. FOTO: Benedikt Laubert
Trier/Konz. Damit folgt der Burgerladen einem Trend: Immer mehr Geschäfte bieten legale Hanfprodukte an. Konsumenten können sich mit ihnen nicht berauschen, sondern kaufen sie wegen einer anderen Wirkung. Von Benedikt Laubert
Benedikt Laubert

Hanf ist der neue Bubbletea. Wer Cannabis rauchen, backen, trinken, pflanzen, anziehen, auf die Zunge träufeln oder auf die Haut auftragen möchte, findet die Produkte dazu in immer mehr Trierer Läden. Nach dem Jeffrey Shop, der Green Box Trier und anderen Geschäften ist ab dem 1. Dezember auch der Burgerladen Daddy in der Neustraße dabei. Damit dürfte der Trend künftig bei einem größeren Publikum für Aufmerksamkeit sorgen – ähnlich wie die süßen Tees mit den Kügelchen, die es vor sechs Jahren in nahezu jeder Fußgängerzone zu kaufen gab.

Vom süßlich-würzigen Marihuana-Geruch merkt man im Burgerladen nur etwas, wenn Inhaber Dennis Brede sein beleuchtetes Demonstrationsglas mit dem Lupen-Deckel öffnet und den Kunden zeigt, was es hier bald zu kaufen gibt. Er geht dann mit großen Schritten zur Wand an der rechten Seite des Raumes und zeigt mit einer ausladenden Geste, wo künftig die Regale mit den Cannabisprodukten stehen sollen. Der Verkauf dieser Produkte ist in Deutschland legal, weil diese aus EU-zertifizierten Nutzhanfsorten hergestellt werden, die weniger als 0,2 Prozent THC enthalten. Damit berauschen sie quasi gar nicht. Sie enthalten aber Cannabidiol (CBD), das entkrampfend und entspannend wirkt.


In einem Demonstrationsglas mit Lupendeckel können Kunden die Cannabisblüten vor dem Kauf ansehen. Wenn Inhaber Dennis Brede den Deckel öffnet, riecht es nach Marihuana. Auch die Polizei kann diesen legalen Stoff nicht ohne weiteres von illegalem Marihuana unterscheiden und ist deshalb auf eine aufwendige Prozedur angewiesen.
In einem Demonstrationsglas mit Lupendeckel können Kunden die Cannabisblüten vor dem Kauf ansehen. Wenn Inhaber Dennis Brede den Deckel öffnet, riecht es nach Marihuana. Auch die Polizei kann diesen legalen Stoff nicht ohne weiteres von illegalem Marihuana unterscheiden und ist deshalb auf eine aufwendige Prozedur angewiesen. FOTO: Benedikt Laubert

Bereits jetzt können Kunden die Produkte in Bredes Onlineshop unter www.dergruenehase.de kaufen und im Burgerladen abholen. Die Produktbeschreibungen im Onlineshop muten allesamt wie Etiketten in einer Vinothek an. Eine getrocknete Blütenmischung – also Marihuana ohne THC – besticht laut Beschreibung mit einer „herben Fruchtnote“ und „duftet nach Zitronen, Blutorangen und geröstetem Kaffee“. Einen Klumpen Harz – also Haschisch ohne THC – preist Brede mit seinem „harzigen, erdigen“ Duft an.

FOTO: Benedikt Laubert

Viele Kunden werden sich die Produkte wohl in ihre selbst gedrehten Zigaretten stopfen, einige backen wahrscheinlich damit. Offiziell darf Brede die Produkte aber nicht für diese Zwecke verkaufen. Er deklariert sie als „Rohstoff zur Weiterverarbeitung und Herstellung von Kosmetika“. Die Einnahme oder den Verzehr rät er keinem Kunden. Wohl aber darf er im Gespräch mit Kunden erwähnen, wie andere Menschen die Produkte nutzen – ohne eine explizite Konsumempfehlung auszusprechen. Und wer möchte, versteht wohl den überdimensionalen Joint, der zurzeit hinter dem Fenster des Burgerrestaurants hängt, ohnehin als Anwendungsempfehlung.

Verkäufer wie der in Konz aufgewachsene Dennis Brede sagen den legalen Cannabisprodukten entspannende, schmerzlindernde, antibakterielle, entzündungshemmende bis antidepressive Wirkungen nach. Dafür sorge unter anderem das in der Pflanze enthaltene Cannabidiol (CBD). Im Internet berichten Menschen von ähnlichen Erfahrungen.

Laut dem Fachmagazin Deutsches Ärzteblatt gilt es heute als „erwiesen, dass Cannabinoide bei verschiedenen Erkrankungen einen therapeutischen Nutzen besitzen“. Cannabinoide sind in Canabisprodukten enthalten. Cannabiszubereitungen üben laut Ärzteblatt „eine Vielzahl therapeutischer Wirkungen aus“, zum Beispiel antispastische sowie Wirkungen bei psychiatrischen Erkrankungen. Mögliche Nebenwirkungen von CBD-Produkten sind bislang weniger untersucht worden. Die Produkte sollen unter anderem zu niedrigem Blutdruck, Schläfrigkeit und Zittern führen können. Wer die Stoffe raucht, geht natürlich alle bekannten Risiken ein, die mit dem Rauchen verbunden sind.

Patienten, die unter Morbus Bechterew oder anderen Krankheiten leiden, bekommen manchmal Cannabis gegen ihre Schmerzen verschrieben. Das bekommen die Patienten in der Apotheke und verdampfen oder rauchen es zum Beispiel. Diese Patienten werden meist aber mit dem verschreibungspflichtigen und wirkungsstärkeren THC-haltigen Cannabis therapiert.

Brede ist sich sicher, „dass CBD-Produkte weiterhin populär sein werden, selbst wenn THC in Deutschland legalisiert wird“. Mit seinem neuen Angebot in der Trierer Innenstadt will er auch Vorurteile gegenüber Cannabis abbauen. Dass er seine Cannabisprodukte absichtlich in neutralen Kartons über die Theke reicht, deutet schon darauf hin, wie weit dieser Weg noch ist.

Der Cannabisverkauf im Burgerladen ist übrigens nur eine Zwischenlösung. Brede sucht derzeit nach Räumen, um ein eigenes Cannabis-Café mit Gebäck und Getränken aus Hanf zu eröffnen. Bis dahin will er seine Cannabisprodukte im Burgerladen verkaufen und der Stadt zeigen, dass es kaum etwas gibt, was sich nicht aus Hanf herstellen lässt. Brede sagt: „Wenn sich ein Kunde Pferdefutter aus Cannabis wünscht, besorgen wir ihm auch das.“