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Im Herbst schönere Aussichten

Am Ende standen nur noch die Stützpfeiler, die das Hallenbach des ehemaligen Ratio-Warenhauses trugen.Foto: Ludwig Hoff
Am Ende standen nur noch die Stützpfeiler, die das Hallenbach des ehemaligen Ratio-Warenhauses trugen.Foto: Ludwig Hoff
TRIER. Seit einigen Wochen befindet sich auf dem Ratio-Gelände in Trier-Nord eine riesige Baustelle. Nach Abschluss des Umbaus, der eigentlich ein Neubau ist, sollen sich Anfang Oktober 2006 die Türen eines völlig neu gestalteten Ratio-Verbrauchermarkts für die Kunden wieder öffnen. ARRAY(0x18516d78)

Die Mega-Abrissbirne sucht man auf dem weitläufigen Ratio-Areal vergebens. Im Gegensatz zu anderen großen Trierer Bauprojekten wird das Gebäude nicht dem Erdboden gleichgemacht. Zugang nur von der Stadt aus

Ein Bagger "knipst" einen der in den Himmel ragenden Betonpfeiler um, als sei er ein Streichholz. Sachter nimmt sich ein Baggerfahrer-Kollege der tonnenschweren Dachträger an. Schauplatz des staubigen wie lärmenden Arbeitsplatzes ist der Westteil des alten Ratio-Gebäudes, da, wo das künftige Entrée mit einem attraktiven Glas-Kubus entstehen wird. Neu am künftigen Ratio: Zugang erhalten die Kunden nur durch den Eingang von der Stadt. Der zweite Eingang an der dem NH-Hotel zugewandten Seite fällt laut Marktleiter Karl-Josef van Kampen weg. Doppelte Kasse, zwei Infostände machten wenig Sinn. Das schuhkartonartige Gebäude soll innen völlig neu konzipiert werden. Ein langes und schmales Gebäude soll gegen ein breiteres und höheres Gebäude ausgewechselt werden, das etwas kürzer ist, um modernem Kundenverhalten gerecht zu werden, erläutert van Kampen. Breiter wird der neue Markt, weil der moselseitige Zuliefer- und Verwaltungs-Trakt der Verkaufsfläche zugeschlagen wird. Die Räume für die internen Betriebsabläufe werden an der Ostseite angesiedelt. Ein Restaurant wird es auch im neuen Ratio geben, nur werden die Seiten verdreht, dafür künftig mit "wunderschönem Ausblick auf die Mosel", verrät der Marktleiter. Eine deutliche Aufwertung erhalte der neue Eingang durch eine "Konzessionär-Mall" (Fachhandel), will heißen, dass Bäcker, Friseur, Schuster, Lotto-Toto-Shop, Reisebüro und eine Apotheke den Einkauf für den Kunden attraktiver machen sollen. Erlebnis-Einkauf lautet die Devise. Man werde nach wie vor ein Vollsortimenter bleiben, erklärt der Trierer Ratio-Chef. Die Verkaufsfläche (bisher 11000 Quadratmeter) werde auf 8500 Quadratmeter (Länge 250 Meter, Breite zwischen 50 bis 80 Meter) zurückgefahren. Die Ratio-Inhaber (Familie Henrik Snoek, Münster) stärkten den Standort Trier, indem sie zehn Millionen Euro investierten. Großzügige Abfindungen

Zwar seien einige der 130 Arbeitsplätze (Teil- und Vollzeit) weggefallen. Die mehr als 115 verbliebenen aber seien "sichere Arbeitsplätze" dank der neuen Konzeption. Ältere Mitarbeiter habe man "großzügig" abgefunden, bestätigt Betriebsratsvorsitzender Joachim Bläsius: "Die Personalvertretung ist sehr früh in die Planungen einbezogen worden." Kunden, die dem Ratio während des Umbaus weiterhin die Treue halten, müssen noch bis zur geplanten Wieder-Eröffnung Anfang Oktober 2006 den Umweg in den Trierer Westen in Kauf nehmen. Abgespeckt auf 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet Ratio dort einen Teil seines bisherigen Warensortiments. "Viele Stammkunden sind mit uns gegangen. Aber wir konnten auch neue Kunden dazu gewinnen", sagt van Kampen. Außerdem - die Region wird's freuen - sei ein Großteil der Bau-Aufträge heimischen Betrieben erteilt worden.