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Immer wenn er grüne Socken trägt, ist er traurig

Hamid Reza Yousefi, gebürtiger Iraner und Leiter des Instituts zur Förderung der Interkulturalität an der Uni Trier, hat seine Autobiografie als Buch veröffentlicht. "Dornenfelder" heißt das Werk, in dem Yousefi von Kriegen und Unruhen im Iran sowie vom Leben in seiner zweiten Heimat Deutschland erzählt.

Trier. Seit 22 Jahren lebt Hamid Reza Yousefi in der Bundesrepublik, seiner Wahlheimat. "Uns wurde von Deutschland in der Schule stets ein positives Bild vermittelt. Es gilt als Land der Dichter und Denker."
Der 44-jährige gebürtige Iraner schwärmt: "Ich habe hautnah erfahren dürfen, dass es kein Vorurteil war." Er beschloss früh, dass er zu den Denkern dieses Landes gehören und sich für einen Dialog der Kulturen einsetzen wollte.
Yousefi trägt schwarze Kleidung, doch kommen an seinen Füßen grasgrüne Strümpfe zum Vorschein. "Ich trage sie, wenn ich traurig bin", erklärt Yousefi. Er trägt sie oft. Besonders unbegründete, fremdenfeindliche Vorurteile, denen er häufig auf seinen Zugfahrten nach Koblenz ausgesetzt sei, verletzten ihn sehr, sagt er.
Diese Intoleranz ist es auch, die er als Anlass für sein Werk nahm, das er als Brückenliteratur beschreibt. "Es soll zum Verständnis zwischen Orient und Okzident beitragen", wünscht sich Yousefi. Er hofft, dass seine Erfahrungen den Lesern Mut machen und zum Kennenlernen des anderen anregen.
Dass dieser Prozess nicht immer einfach ist, weiß Yousefi aus eigener Erfahrung. "Hindernisse", die er metaphorisch als "Dornenfelder" bezeichnet, so sagt er, "können uns bei Überwindung auch neue Türen öffnen."
1990 überwand er selbst sein größtes Dornenfeld. Der damals 22-Jährige flüchtete nach dem ersten Golfkrieg in die Bundesrepublik, um sich ein Leben in Sicherheit aufzubauen. "Die Umstände im Iran ließen das nicht zu", resümiert Yousefi. Er sei in den Straßen Teherans grundlos niedergeknüppelt worden. "Man hielt mich wohl für einen Revolutionär", vermutet er. Nach seiner Zeit als Asylbewerber war es der Fundamentaltheologe Adolf Kolping, der ihm eine Tür öffnete. "Er hat sehr viel investiert in meine Person und meine Bildung", berichtet Yousefi. Kolping hatte ihn 1995 ermutigt, sein Abitur nachzuholen.
Heute will Yousefi den ihm vorgelebten Weg weitergehen und sowohl Sprachrohr der Toleranz als auch Ansprechpartner für den offenen Dialog sein. Jedes im Dornenfeld der Toleranz überwundene Hindernis, sagt er, sei ein Schritt in eine tolerantere Welt. sek
Hamid Reza Yousefi, Dornenfelder. Verlag Lau, 225 Seiten, 12,95 Euro.