Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 18:34 Uhr

Kultur
In Paula Kolz’ Führung geht es um Marx, Hegel und Käsekuchen

Paula Kolz als junge Jenny von Westphalen vor einem Porträt von Jenny, gemalt um 1836.
Paula Kolz als junge Jenny von Westphalen vor einem Porträt von Jenny, gemalt um 1836. FOTO: Michael Thielen
Trier. Sie führt als Jenny Marx durch das Leben der Familie Marx – mit einer Überraschung am Schluss. Von Michael Thielen

Unerwarteter Beginn der Kostümführung „Mein Leben mit Karl“ im Stadtmuseum Simeonstift. Auftritt Jenny Marx, gespielt von Dr. Paula Kolz. Sie gibt sich verwirrt darüber, dass so viele Leute im Museum erschienen sind. Sie hätten sich wohl verlaufen auf der Suche nach dem Wohnhaus der Marxens, das sich auf der anderen Straßenseite befinde.

Aber die Besucher wollen nicht gehen, und so entfaltet Kolz als Jenny Marx, geb. von Westphalen, ein amüsantes, abwechslungsreiches, spannendes Kostümstück, das sie selbst verfasst hat. Es führt durch die Sonderausstellung des Stadtmuseums: „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit. „Im Mittelpunkt steht das rastlose Leben der Familie Marx, das sie quer durch das Europa des 19. Jahrhunderts treibt – u.a. nach Köln, Paris, Brüssel und zuletzt nach London.

Kolz versetzt sich einfühlsam in Jenny während der verschiedenen Phasen ihres Lebens mit ihrem oft schwierigen Ehemann, dem Elend, in dem sie zu oft leben müssen, dem Tod von vier ihrer sieben Kinder. Nur drei Töchter erreichen das Erwachsenenalter. Sie verkörpert anschaulich und empathisch eine Frau, die bis zum Schluss trotz aller Widrigkeiten und Schicksalsschläge diesen Mann liebt, bewundert und unterstützt.

Karl sei in seiner Jugend ein „gut aussehender Kerl“ gewesen, sagt Kolz als Jenny, sprachgewandt und überaus attraktiv. Aber sie habe auch als Verlobte „sieben Jahre Vorfreude auf die Heirat“ gehabt, weil sich seine Studien und die Fertigstellung seiner Doktorarbeit endlos hingezogen hätten.

Kolz gestaltet ihre Rolle als Jenny mit Humor und Augenzwinkern und mit enormem Hintergrundwissen. Seit ihrer ersten Führung durch die Konstantin-Ausstellung 2007 und dann 2016 bei ihrer ersten „theatralisierten Inszenierung“ über „Neros Frauen“ habe sie begeistert versucht, „Menschen die Geschichte auf unterhaltsame und trotzdem fundierte Weise näher zu bringen, sozusagen als Infotainerin“, sagt sie. Dies zeigt sie beispielhaft, als sie auf verblüffende, aber verständliche Weise das Konzept der „Dialektik“ des Philosophen Georg Friedrich Hegel mit Hilfe eines Käsekuchens erklärt oder Marxens „Mehrwerttheorie“ anhand der Produktion eines Stuhls.

Die Reise durch die Welt der Marxens endet in London und mit einem Rollenwechsel von Paula Kolz. Sie verwandelt sich von der elegant gekleideten Jenny in die älteste Tochter der Marxens – in Laura Lafargue, ganz in Schwarz. Ein geschickter Inszenierungskniff, denn so kann Kolz als Laura, die ihre Eltern und ihre Schwestern überlebt, über das weitere, überwiegend traurige Schicksal der Familie Marx berichten. Die Zuhörer sind ergriffen.

Christina Lampe-Clemens (50) aus Trier ist von der Kostümführung sehr beeindruckt. Die Thesen von Marx und vor allem Hegel habe Kolz sehr anschaulich erklärt. Unterstützt worden sei dies „von den überaus eindrucksvollen Gemälden der Ausstellung, zum Beispiel über Elend und Kinderarbeit“. Wolfgang Mehlhose (65) ist eigens aus Leonberg angereist, weil er „nachempfinden wollte, wie Marx gelebt hat und wie und warum sich seine Thesen entwickelt haben.“ Diese Erwartung sei voll aufgegangen. „Um Marx zu verstehen, sollte man unbedingt eine solche Führung mitmachen“, meint er.