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Hobby
In Tarforst eine geklebt bekommen

Die Trierer Briefmarken-Ausstellung „Treveris 2018“ war sehr gut besucht.
Die Trierer Briefmarken-Ausstellung „Treveris 2018“ war sehr gut besucht. FOTO: LH
Trier. Karl Marx sei Dank: Eine hochkarätige Briefmarkenausstellung im Rang drei – Rang fünf ist die höchste Stufe – ist seit 30 Jahren wieder in Trier. Das Echo auf die „Treveris 2018“ ist überwältigend.

Philatelie, die Briefmarkenkunde, kann ein Hobby sein, mitunter aber auch Leidenschaft, Wissenschaft, Handel, Freundschaft oder Wettbewerb. Beim Kenner der Materie zählen ganz bestimmt auch Geschichte, Heimat, Kunst und noch sehr viel mehr. Lars Böttger, der Vorsitzende des Deutsch-Französischen Briefmarkenclubs Trier., erzählt: Nicht nur die Geschichte, sondern auch  das Drumherum der Briefmarke und nicht zuletzt des Briefschreibers und der damaligen Umstände lösten wahre Begeisterung bei ihm aus. „Sich einzig allein mit der Briefmarke zu beschäftigen, wäre mir zu oberflächlich.“

Das historische Leitthema der Trierer Briefmarkenausstellung „Treveris 2018“, die am Freitag eröffnet wurde, ist der 200. Geburtstag von Karl Marx. Was hätte dieser große Sohn der Stadt und  Weltveränderer ohne Post und damit auch ohne Briefmarke bewerkstelligen können?

Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe zitiert bei der Eröffnung in der Badminton-Halle des Fußball- und Sportvereins  (FSV) Trier-Tarforst folgendes Forschungsergebnis: Karl Marx soll zu Lebzeiten um die 20 000 Briefe geschrieben haben. Im Zeitalter von Facebook, SMS und Co. eine schier unglaubliche Anzahl – zumindest beim ganz jungen Publikum. Obendrein waren dies wohl auch satte Einnahmen für die Post, denn eine Briefmarke gehörte schon immer auf das Kuvert.

Eigentlich ist sie eine Quittung für eine bezahlte Beförderungsgebühr. Nur ganz am Anfang oder in Notzeiten musste ein einfacher Stempel herhalten, wie einige Exponate bei der Ausstellung belegten. Marx erscheint allgegenwärtig und facettenreich bei der Briefmarken-Schau. Bis zu neunmal am Tag soll vor mehr als einhundert Jahren die Post zum Beispiel in Berlin ans Haus gekommen sein.

Im elektronischen Briefverkehr von heute wird der Gang zum Haus-Briefkasten wie auch das Marken-Porto oft gerne gespart.  Nachteil: Viele interessante Motive bis zu wahren Kunstwerken bekommt man nicht mehr zu sehen. Wobei sich die Frage geradezu aufdrängt, wie es um den Nachwuchs bei einem Briefmarkenclub wie dem Trierer bestellt ist?

Ein Blick in das versammelte Eröffnungs-Publikum vermittelt ein gefühltes Durchschnittsalter von 60 Jahren und mehr. Doch das macht Lars Böttger keine Sorgen. Mit 25 Mitgliedern scheinen die starken  Jahre in der Tat vorbei zu sein. Aber die Begeisterung sei bei dem Einzelnen ungebrochen groß, wenn auch der quantitative Faktor geschrumpft sei. Auch heute noch würden sich junge Leute für die Geschichte hinter der Briefmarke interessieren.

Jos Wolff aus Luxemburg hat folgende Erklärung: „Wer einmal hat geklebt, der klebt und klebt, so lang‘ er lebt.“

Die Deutsche Bundespost ist ebenfalls vertreten mit einem Infostand: Die aktuelle Karl-Marx-Marke kann erworben werden wie viele andere Marken auch. Dann gibt es noch die zwei eigens aufgelegten Sonderstempel „Der junge Marx“ und sein „Geburtshaus“.

Auf 450 Schautafeln werden in der Exponaten-Schau vor allem themenbezogene  Postwertzeichen wie Ländersammlungen, Geschichtliches, Tier- und Pflanzenwelt, Luftpost und viele Ansichtskarten gezeigt, die auch beim Autor Erinnerungen an die bescheidene Sammlertätigkeit in jungen Jahren hervorrufen.

Besucher und Markenhändler Georg Oberstaller aus Aachen weiß von sich, dass er durch eine Tante zum Briefmarkensammeln kam. Die habe immer „nachgelegt“, damit das Interesse beim Sammler nicht einschläft. Und so wurde bei ihm aus dem Hobby sogar ein richtiger Beruf um die Briefmarke. Nachgelassen habe die Begeisterung bis heute nicht.

Lars Böttger lobt das große Entgegenkommen von FSV-Seite mit der günstigen Ausstellungshalle. Ausstellungsleiter Heinz Wenz: „Wir wurden von einer Anmeldeflut überrollt mit Ausstellern aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg“. So habe auch die Europahalle zur Disposition gestanden, ergänzt Lars Böttger: „Aber die hätten wir uns nur einen halben Tag leisten können.“ Da hakt OB Leibe ein: „Ich verspreche Ihnen zum 250. Geburtstag von Karl Marx eine für Sie kostenfreie Europahalle.“