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Interview
„Nur die wenigsten guten Sachen sind einfach“

Nicholas Müller. Foto: Archiv/Vladi Nowakowski
Nicholas Müller. Foto: Archiv/Vladi Nowakowski FOTO: Vladi Nowakowski (now)
Trier. Das Exhaus ist in finanziellen Nöten. Bei der Benefiz Matinee am Samstag unterstützt Sänger Nicholas Müller die Jugendeinrichtung, mit der er mehr als eine persönliche Geschichte verbindet. Von Nicolaj Meyer
Nicolaj Meyer

Nicholas Müller, Sänger bei Von Brücken, bekennt sich vor seinem Auftritt im Trierer Exhaus am Samstag, 19. Mai, exklusiv zu einem neuen großen Vorhaben. Im Interview mit TV-Redaktionsmitglied Nicolaj Meyer erklärt er, warum man das Jugendzentrum schützen muss und wie sich die Popkultur verändern sollte.

Du spielst als Headliner im Trierer Exhaus bei der Benefiz Matinee. Wie kommt es zu deinem Engagement dort?

Nicholas Müller: Das kommt ganz natürlich zustande. Das Exhaus war immer ein zweites Wohnzimmer. Ich bin in der Eifel aufgewachsen, und das war ein unglaublich wichtiger Ort und Kulturzentrum für uns. Seit vielen Jahren steht das Exhaus auf der Kippe. Ich habe sofort Ja gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich dort spielen möchte. Das Exhaus ist wichtig für die Region, und deshalb mache ich dort so gerne Musik.

Welche Bedeutung hat das Exhaus deiner Meinung nach für Trier?

Müller: Abgesehen davon, dass dort tolle Konzerte stattfinden, ist es ein Ort, zu dem Kinder und Jugendliche gehen können und eine gute Zeit mit guten Menschen verbringen können. Gerade in einer Zeit, in der jeder Angst vor jedem hat, darf eine solche kulturelle Begegnungsstätte nicht verloren gehen. Das fängt bei Jugendarbeit an und hört bei Konzerten auf. Das Exhaus muss nun für die Zukunft sicher gemacht werden. Also, bitte aufs Exhaus aufpassen!

Du spielst alleine dort, sonst ja auch gerne in größeren Besetzungen wie mit deiner Band Von Brücken. Was erwartet die Besucher am Samstag?

Müller: Ich werde ein paar Songs von Von Brücken spielen, aber auch einige meiner Lieblingslieder covern. Ich habe die große Ehre, als Letzter spielen zu dürfen, und wenn man mich lässt, bleibe ich auch. Wenn der Raum sich leert, gebe ich irgendwann auf. So nach dem Motto: Wer bleibt länger – der Sänger oder das Publikum?

Du bist sowohl Musiker als auch Buch-Autor. Woran arbeitest du gerade?

Müller: An Musik arbeite ich quasi immer, natürlich auch an der für Von Brücken. Ein Buch würde ich gerne schreiben, aber ich weiß nicht, wann das passieren wird. Irgendwann möchte ich mal einen Roman schreiben. Das steht auf dem Zettel, ist aber noch nicht spruchreif. Das Schöne ist aber, wenn man so was mal gesagt hat, muss man es auch machen.

Du schreibst seit über 20 Jahren Songs. Wie hat sich dein Songwriting verändert in der Zeit?

Müller: Es gibt Tage, an denen es fluppt, und es gibt Tage, an denen schreibt man einfach Bullshit. Das macht die Sache so wie jeden anderen Job: Es gibt gute und schlechte Tage. Meine Rhetorik hat sich verändert und ich bin nachdenklicher, aber unterm Strich ist es so wie mit 15 Jahren. Manchmal sollte man das Schreiben sein lassen, sonst kommt Radio dabei raus.

Was meinst du damit?

Müller: Das Radio hat mir viel Gutes getan, deshalb will ich es nicht verteufeln, aber ich glaube, wir sind an einem Punkt, an dem Pop-Kultur und Realität so weit auseinander stehen, dass man darüber nachdenken sollte, ob man noch einen weiteren Song darüber schreiben muss, dass alle glücklich sind. Vielleicht sollte man auch mal darüber schreiben, dass das Leben hier und da schwierig ist. Man muss den Leuten nicht ständig vorgaukeln, dass alles geil ist. Das ist gelogen. Auch wenn es sich gut verkauft. Pop-Musik wird zu sehr Pop.

Das klingt so, als möchtest du selbst gesellschaftspolitische Verantwortung mit deiner Kunst übernehmen?

Müller: Ich finde, man hat sogar die Pflicht. Wir werden es nicht schaffen, aus Problematiken wie sozialen Gefällen oder hohen Wahlanteilen der AfD herauszukommen, wenn nicht vielleicht auch erfolgreiche Leute wie Helene Fischer sich hinstellen und sagen, dass dies und jenes verkehrt läuft. Solche Stars können so viel mehr Leute erreichen als ich nächste Woche im Exhaus. Das ist sicher auch unbequem, du stellst dich mit deiner Meinung dann ins Kreuzfeuer. Auf der anderen Seite sind auch nur die wenigsten wirklich guten Sachen einfach.