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Stadtmarketing
Ist die „Marke Marx“ gut für Trier?

Das Marx-Ampelmännchen wurde in Trier schnell berühmt.
Das Marx-Ampelmännchen wurde in Trier schnell berühmt. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Die ersten „Trierer Gespräche“ wollen die Frage klären, welche Rolle der umstrittene Philosoph fürs Stadtmarketing der Zukunft spielt. Von Katharina De Mos

Das Marx-Ampelmännchen leuchtet rot und lässt einen Bus durch, auf dem ein Trierer Modehaus damit wirbt, dass ein bisschen Marx doch jedem stehe, während die Menschen auf der anderen Straßenseite Selfies mit Statue schießen. Aus dem Stadtbild wäre Karl Marx nur noch mit einem gewaltigen Kran wegzukriegen. Allerdings wohl nur unter ähnlich großen Protesten wie jenen, die es gab, bevor die umstrittene Karl-Marx-Statue aufgestellt wurde. Längst ist sie zu einem festen Bestandteil der Stadt und ihres touristischen Programms geworden.

Aber was ist mit Marx selbst? Nun da das Jubiläumsjahr zu Ende geht, stellt sich die Frage: Wie soll Trier künftig mit seinem bekanntesten Sohn umgehen? Soll es weiter mit ihm werben? Schließlich hat das Marx-Jahr Trier 2018 weltweit in die Schlagzeilen gebracht und die Bekanntheit der Stadt deutlich gesteigert. Oder soll Trier sich wieder ganz auf die alten Römer konzentrieren und jenes Bild fortschreiben, das Menschen seit mehr als 100 Jahren vom Rom des Nordens haben?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich am 5. November ab 19 Uhr im Kasino am Kornmarkt die ersten „Trierer Gespräche“. Ein neues, von der Trier Tourismus und Marketing GmbH ins Leben gerufene  Format, das sich mit Themen befasst, die für Einheimische ebenso relevant sind wie für das Stadtmarketing.

Es diskutieren Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der Bundestagsabgeordnete a.D. Bernhard Kaster, die Vorsitzende der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland Bernadette Spinnen sowie Autor und Blogger Johannes Kram mit TV-Chefredakteur Thomas Roth. Vor den Gesprächen wird zum letzten Mal in diesem Jahr das erfolgreiche Ein-Mann-Stück „Marx! Love! Revolution!“ aufgeführt, das dieses Jahr 50 Mal zu sehen war.

Thomas Roth und Katharina de Mos haben vorab mit Tourismuschef  Norbert Käthler gesprochen.

Herr Käthler, wie hat sich Trier 2018 verändert?

Norbert Käthler: Als ich vor 30 Jahren hier studiert habe, hat Marx überhaupt keine Rolle gespielt. 2018 hat man sich sehr intensiv mit ihm auseinandergesetzt. Auch überraschend unbefangen und differenziert. Trier hat 2018 einen Markenwert produziert. Wenn man Menschen fragt,  „was fällt Ihnen zu  Marx ein?“, dann werden sie sagen: Trier. Und das ist positiv besetzt.

Wen locken Sie mit Marx an?

Käthler: Es ist eine völlig andere Zielgruppe als bei der römischen Geschichte oder dem klassischen Kulturtourismus. Gewerkschaftler, Betriebsräte oder Leute, die im industriellen Kontext mal was anderes erleben wollen, sind in Trier sehr gut aufgehoben. Man kann im Umkreis von 100 Kilometern mit dem Welterbe Völklinger Hütte oder der Industriegeschichte Luxemburgs eine sehr spannende Reise zusammenstellen. Es gibt auch Reiseveranstalter, die da schon draufgesprungen sind.

Wie haben Sie Marx weiter in der Planung?

Käthler: Was wir dieses Jahr angefangen haben, werden wir fortsetzen. Die Stadtführungen zu Marx werden wir weiterhin anbieten, genau wie das Theaterstück zum Mitgehen „Marx! Love! Revolution!“. Und  anhand der großen Nachfrage gehe ich auch davon aus, dass das sehr gut funktioniert. Bei den Trierer Gesprächen werden wir darüber diskutieren, welche Rolle Marx im Stadtmarketing der Zukunft spielen wird.

Legen sich mächtig ins Zeug für die Open-Air-Reihe Porta³ und das Picknickkonzert (von links): Oliver Thome (Popp-Concerts), Generalmusikdirektor Victor Puhl, Kulturdezernent Thomas Schmitt und TTM-Chef Norbert Käthler. Foto: Roland Morgen
Legen sich mächtig ins Zeug für die Open-Air-Reihe Porta³ und das Picknickkonzert (von links): Oliver Thome (Popp-Concerts), Generalmusikdirektor Victor Puhl, Kulturdezernent Thomas Schmitt und TTM-Chef Norbert Käthler. Foto: Roland Morgen FOTO: Trierischer Volksfreund / Roland Morgen