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Musik
Jazzfest vor dem Dom: Nur Kirchenglocken stoppen den Groove

Jazzmusik wie hier von der Big Band des Gymnasiums Konz lockt an Pfingsten viel Publikum zum Dom.
Jazzmusik wie hier von der Big Band des Gymnasiums Konz lockt an Pfingsten viel Publikum zum Dom. FOTO: Martin Recktenwald
Trier. Das 18. Jazzfest am Trierer Domfreihof zeigt, was die Region an Big Bands und feinen Formationen zu bieten hat. Von Martin Recktenwald

Mit Regeln und Konventionen zu brechen ist ein Motiv, dem der Jazz seit seiner Entstehung treu geblieben ist. Nach allen Regeln dürfe es beispielsweise in Trier eine solch lebendige Jazz-Szene gar nicht geben, wie sie sich am Pfingsten vor dem Dom präsentiert hat. Dass sie trotz fehlender Musikhochschule und Millionenmetropole existiert, liegt am Engagement von vielen Begeisterten. So sieht es zumindest der Veranstalter Jazzclub Trier, der am Wochenende seinen 40. Geburtstag feierte.

Die Bühne am Domfreihof wurde zumeist in großer Besetzung bespielt. Big Bands sind eine Spezialität der Region Trier. „Hier gibt es mehr Big Bands als in Köln, und das ist ja doch ein gutes Stück größer“, verkündete der Jazzclub-Vorsitzende Nils Thoma. Doch die großen Formationen hätten es schwerer mit Auftrittsmöglichkeiten. „Bei einem Wirt anzufragen, mit einer 20-Mann-Truppe zu spielen – das funktioniert oft nicht“, gab Thoma ein Beispiel. Deswegen möchte der Verein gerade den großen Gruppen mit seinem Jazzfest eine Bühne bieten.

Mit dabei war auch bei dieser 18. Festauflage berühmte Unterstützung. Sänger Lothar Stadtfeld aus Berlin ging mit der Big Band Rhythm & Swing in die Vollen. Jedes Jahr darf eine der Gruppen einen prominenten Gast einladen. Die Gemeinschaft im Jazzclub stellt die Finanzierung sicher – was dadurch erleichtert wird, dass die regionalen Teilnehmer auf Gagen verzichten. „Im Januar wird ein Prominenter ausgesucht, dann studieren wir das Programm ein und vertiefen es in Proben mit dem Gast“, sagt Thoma, der diesmal mit seiner eigenen Band das große Los gezogen hatte.

Doch die Bühne gehörte nicht ausschließlich Großformationen, auch Old-Time-Bands waren dabei. So lockten die Seniors of Swing mit Jazzstandards wie „East of the sun, west of the moon” flanierende Trierer und Touristen auf die Zuhörerbänke. Die Big Band des Gymnasiums Konz begann ihr einstündiges Programm mit einer Interpretation zu „Fantasy“ von Earth, Wind and Fire.

Während auf dem Platz nur die Kirchenglocken den Groove kurzzeitig stoppen konnten, wurde in einer benachbarten Bar der Jazzclub-Geburtstag gefeiert. „Es ist nicht selbstverständlich, dass es in Trier diese Jazzszene gibt. Das ist nur durch ihr Engagement möglich“, lobte Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Wirken des Vereins in den vergangenen 40 Jahren. Beharrliche Netzwerkarbeit und ein einfallsreiches und mit rund 90 Terminen im Jahr umfangreiches Veranstaltungsprogramm seien den ehrenamtlich Aktiven zu verdanken. Stellvertretend für viele Höhepunkte nannte Dreyer die Jazz-Oper 2015 im ehemaligen Trierer Walzwerk. Für die Tuchfabrik schloss sich Klaus Reeh dem Lob an: Als eines der Gründungsmitglieder der Tufa habe der Jazzclub Trier den Erfolg dieser Kultureinrichtung wesentlich  geprägt.