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Kämpfen, durchbeißen, weitermachen

Auch mit 90 Fan von Willy Brandt: Edith Centner-Wommer hat den damaligen Bundeskanzler am 3. November 1972 bei einer Parteikundgebung an der Porta Nigra getroffen. Das Foto (unten in Großabbildung), auf dem auch DDR-Spion Günther Guillaume zu sehen ist, hängt neben vielen anderen Erinnerungsbildern in ihrer Wohnung in der Trierer Bergstraße. TV-Foto: Roland Morgen; Archivfoto: SPD Trier
Auch mit 90 Fan von Willy Brandt: Edith Centner-Wommer hat den damaligen Bundeskanzler am 3. November 1972 bei einer Parteikundgebung an der Porta Nigra getroffen. Das Foto (unten in Großabbildung), auf dem auch DDR-Spion Günther Guillaume zu sehen ist, hängt neben vielen anderen Erinnerungsbildern in ihrer Wohnung in der Trierer Bergstraße. TV-Foto: Roland Morgen; Archivfoto: SPD Trier FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Trier. Sie war die erste Frau in Rheinland-Pfalz, die einen SPD-Ortsverein leitete, und hat als Kommunalpolitikerin mit sechs Trierer Oberbürgermeistern zusammengearbeitet: Heute wird Edith Centner-Wommer 90. Roland Morgen

Trier. Was Maria Schell für den deutschsprachigen Film war, das war Edith Centner-Wommer für Triers Kommunalpolitik. Beide Jahrgang 1926 - und ziemlich nah am Wasser gebaut. Die eine (Spitzname: Heulsuse der Nation) aus dramaturgischen Gründen, die andere, weil sie "Ungerechtigkeiten nicht ertragen kann und aus meinem Herzen keine Mördergrube mache". Ja, sie habe viele Tränen vergossen in ihrem Leben - "eben weil es so viele Ungerechtigkeiten gab und gibt. Aber ich habe nie aufgegeben, sondern immer für das Gute gekämpft. Für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit." Und das schon lange, bevor sie realisierte, dass dies auch das Anliegen der SPD ist, für die Willy Brandt 1969 als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf zog. Vor der Wahl trat die Krankenschwester und alleinerziehende Mutter dreier Söhne der Partei bei und machte schnell kommunalpolitische Karriere. Allerdings ohne Kalkül: "Selbstbewusstsein war nicht meine Stärke. Und die Spitze der Trierer SPD war ein Männerclub ohne Frauenquote."Das Mädchen aus dem Forsthaus


Dennoch wurde das "Mädchen aus dem Wald", wie der im Forsthaus Himmerod aufgewachsene Spross einer Försterfamilie sich oft bezeichnete, Vizevorsitzende der SPD Trier-Mitte. Dort avancierte sie bald zur Chefin, weil der Vorsitzende schwer erkrankte. 1972 war es dann ganz offiziell soweit: Edith Centner wurde erster weiblicher Ortsvereinsvorsitzender ihrer Partei landesweit.
Es folgten 25 Jahre im Stadtrat und in zahlreichen Ausschüssen. Eigentlich alles Männerdomänen, "doch ich bin meinen Weg gegangen, weil, die Leute merkten, dass ich nicht blöd bin und es ernst meine". Die ersten politischen Erfolge gingen mit Anfeindungen einher. "Ich war Mitgründerin von Pro Familia, von der CDU beharrlich, aber fälschlicherweise als Abtreibungsverein gebrandmarkt. Auch dass ich in vorderster Front für die Erhaltung des Weißhauses und des Weißhauswaldes gekämpft habe, wurde mir lange verübelt." Auch sie selbst kann übel nehmen. Dass der vormalige Fraktionschef Manfred Maximini mit zahlreichen Genossen die Partei verließ und einen eigenen Wählerverein gründete, mochte sie anfangs nicht verzeihen. Mit Maximini (79) hat sie ihren Frieden gemacht: "Wir sind uns zufällig begegnet, nachdem wir beide schwere Schicksalsschläge erlitten hatten." Jeder hatte ein Kind verloren, sie zudem ihren geliebten zweiten Mann Fred Wommer - "In dieser Situation haben wir uns verstanden." Der jüngste Schicksalsschlag ereignete sich in diesem Jahr. Auf dem Weg zu einer Parteiveranstaltung hat sich die vor allem in Seniorenangelegenheiten immer noch ehrenamtlich engagierte Sozialdemokratin das Sprunggelenk gebrochen und war "vier Monate außer Gefecht und nicht daheim in der Bergstraße - der reinste Horror!"Aber sie hat sich durchgebissen und ist wieder auf die Beine gekommen - "et Edith" wie sie leibt und lebt.
Heute wird Edith Centner-Wommer 90. Gefeiert wird am Samstag mit 120 geladenen Gästen im Restaurant La Gondola. Statt (Blumen-)Geschenk wünscht sie sich einen Obolus zum Kauf eines Ginkgobaumes, den sie in der Stadt pflanzen will. Es wäre ihr drittes Baumgeschenk an Trier.
Vielleicht fließen am Samstag auch wieder Tränen. "Wenn, dann vor Glück und Dankbarkeit. Ich blicke auf ein schönes und erfülltes Leben zurück."