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Kapitän der Piratenpartei geht von Bord

Thomas Heinen. TV-Foto: Archiv/Marcus Hormes
Thomas Heinen. TV-Foto: Archiv/Marcus Hormes
Trier/Saarburg. Thomas Heinen ist aus der Piratenpartei ausgetreten und hat damit gleichzeitig sein Amt als Kreisvorsitzender Trier/Trier-Saarburg niedergelegt. Ein kommissarischer Vorsitzender soll die Aufgaben bis zur Neuwahl durch eine Mitgliederversammlung übernehmen. Von Marcus Hormes

(cus) Paukenschlag bei den Piraten: Der erst im Januar gegründete Kreisverband Trier/Trier-Saarburg der Partei steht vorübergehend ohne Vorsitzenden da. Auf TV-Anfrage bestätigt Thomas Heinen seinen Rücktritt am Sonntag, genauer gesagt: seinen kompletten Austritt aus der Partei.

Seine Entscheidung begründet der 34-Jährige mit einer aus seiner Sicht falschen Initiative der Partei auf Bundesebene. Seit Freitag greift das neue Abstimmungssystem "Liquid Feedback" (Flüssige Rückmeldung). Damit können Mitglieder über Internet politische Vorschläge machen, bewerten und ergänzen lassen.

Kompromisslösung nicht umgesetzt



"Die basisdemokratische Grundidee ist gut, aber trotz der Einträge mit Pseudonym lässt sich bei dem System auf Jahre hin nachvollziehen, wer wann wie abgestimmt hat", kritisiert Heinen. Eine Kompromisslösung sei letztlich nicht umgesetzt worden.

"Der Rücktritt von Thomas Heinen kam überraschend", sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende Ottmar Muno aus Hermeskeil. Bedenken wegen des Systems gebe es zwar auch bei anderen, allerdings seien die Meinungen gespalten. Zudem spiele dies für die Arbeit im Kreisverband keine entscheidende Rolle.

Gestern Abend wollte der Vorstand einen kommissarischen Vorsitzenden benennen, der den Kreisverband bis zur geplanten Neuwahl leiten soll.

Thomas Heinen erwägt derweil, sich künftig in der Piratenpartei Luxemburg oder im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zu engagieren.

Der Kreisverband der Piraten hat derzeit knapp 40 Mitglieder. Die Piratenpartei Deutschland wurde 2006 gegründet. Der Name ist eine Reaktion auf die Kampagne der Musik- und Filmindustrie, in der Raubkopierer als Verbrecher bezeichnet wurden. Die Piraten setzen sich unter anderem dafür ein, das Recht auf private Kopien von Tonträgern, Spielen oder Filmen zu erhalten und auszubauen. Weitere Ziele sind der unzensierte Zugang zu Internet-Inhalten und die Bewahrung der Bürgerrechte.