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Musical
Mit Karl Marx auf die große Bühne

Die Kinder der Grundschule Heiligkreuz proben für ihren großen Auftritt in der Tufa Trier. Unser Foto verrät vorab auch schon einen Teil der Kulisse.
Die Kinder der Grundschule Heiligkreuz proben für ihren großen Auftritt in der Tufa Trier. Unser Foto verrät vorab auch schon einen Teil der Kulisse. FOTO: Gabriele Hoffmann
Trier. Kinder der Grundschule Heiligkreuz führen in der Tufa Trier das Musical „Karl für Kids“ auf. Geschrieben und komponiert hat das Stück der Trierer Stefan Frenster. Von Rebecca Schaal
Rebecca Schaal

Mitterweile können Mädchen zum Glück alles werden. Chefredakteurin, Bundeskanzlerin – ja, sogar Fußball-Kommentatorin. Und Karl Marx. „In der Musical-AG herrscht Jungs-Mangel“, sagt Stefan Frenster. Deshalb wird eine Tochter der Grundschule Heiligkreuz im Projekt „Karl für Kids“ kurzerhand zum größten Sohn der Stadt Trier.

Karl Marx als Thema für ein Kinder-Musical – darf’s noch ein bisschen mehr sein? Kein Problem, findet Frenster, wenn man die Politik mal außen vor lässt und sich statt dessen auf Marx’ Beziehungen konzentriert. „Die eigentliche Hauptrolle spielt nämlich gar nicht Karl Marx, sondern Jenny Marx und Friedrich Engels.“ Womit der Kern des Stück auf den Punkt gebracht wäre: Karl Marx, das war nicht nur Kapital und Arbeiterklasse. Karl Marx, das war auch Freundschaft und Treue, „ohne die er das alles gar nicht geschafft hätte“.

Angst vor großen Persönlichkeiten haben sie in Heiligkreuz jedenfalls nicht: Im vergangenen Jahr war Martin Luther Gegenstand eines Musical-Projekts, für das sich auch Schulleiterin Gabriele Hoffmann sehr engagiert. Im September ging’s los, Anfang November schon auf die Bühne. Und was tun mit dem restlichen Schuljahr? Frenster: „Im Januar haben wir uns getroffen und wollten eigentlich nur auf unseren Erfolg anstoßen.“ Dann sei ziemlich schnell die Frage aufgekommen: „Und was machen wir jetzt?“ Die Antwort lag angesichts des 200. Geburtstags von Karl Marx auf der Hand. Ebenso wie viel, viel Arbeit, erzählt der 49-Jährige, der das Drei-Akte-Stück samt Vorspann selbst geschrieben und komponiert hat – „nächtelang bis 2, 3 Uhr“. „Es war schwierig, immer wieder kreativ zu sein.“ Zumal wenn man anspruchsvolle Kritiker hat – seine eigenen Kinder (acht und zehn Jahre alt), aber auch die anderen Darsteller der Musical-AG. Denn nur weil etwas für Erwachsene gut ist, bedeutet das noch lange nicht, dass Kinder das auch so sehen. „Das klingt ja gar nicht gut“, habe er durchaus mal zu hören bekommen. „Und dann habe ich’s auch gelassen.“

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die jungen Sänger „Feuer und Flamme für das Projekt“ sind: Weil ihre Meinung ernstgenommen wird. „Sie haben Verantwortung übertragen bekommen, wir haben ihnen das Stück anvertraut und trauen ihnen zu, alleine auf der Bühne zu stehen“, sagt Frenster, der von 2007 bis 2010 den Chor der Trierer Sängerknaben leitete.

Unterstützung gibt’s vom Schulchor, dem Sänger Gert Bukowski, einer Band (Gitarre, Cello, Flöte, Bass, Klavier und Schlagzeug) sowie einem vierstimmigen Background-Chor. Die Kulissen sind übrigens auch ein Heiligkreuzer Eigenprodukt; sie wurden in einer AG ebenfalls von Grundschulkindern hergestellt.

Apropos Kulisse: Wie in einem Tonstudio sieht’s momentan in Stefan Frensters Praxis aus, der im „richtigen“ Leben Logopäde und als Pianist Teil des Projekts liai.song ist. Die Musical-Darsteller empfängt er dort seit einiger Zeit zu Einzelproben – zwischen allerlei musikalischem Equipment. Dass sich der ganze Aufwand lohnt, steht für ihn außer Frage: „Wir können als Schule hier Großes leisten. Wer bekommt schon die Tufa?“