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Karl Marx und das Kapital - Ministerium legt dem TV die kalkulierten Kosten und Einnahmen der Ausstellung 2018 vor

Trier. 5,6 Millionen Euro sollen in die Karl-Marx-Ausstellung 2018 fließen. Wolf-Jürgen Karle, Pressesprecher des Kultusministeriums, legt im Gespräch mit dem TV zum ersten Mal überhaupt dar, aus welchen einzelnen Positionen sich die Millionen für Marx zusammensetzen sollen - und welche Einnahmen erwartet werden. Jörg Pistorius

"Es rumort in der Bevölkerung." So sieht Günther Schartz die Lage. Der Landrat des Kreises Trier-Saarburg und Vize-Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz hat sich vor kurzem als Kritiker der Marx-Millionen präsentiert (der TV berichtete) und begrüßt die dadurch entstandene Diskussion. "Die Reaktionen zeigen mir, dass die Bürger ein feines Gespür dafür haben, was notwendig oder wünschenswert ist", sagt Schartz. "Leider hat es keine Klarstellung von verantwortlicher Seite zu den Kosten und der behaupteten Wertschöpfung gegeben. Ein Gesamtfinanzierungsplan ist augenscheinlich nicht vorhanden." Dabei fordere das neue Transparenzgesetz des Landes Offenlegung aller Daten und Kostenschätzungen zu solchen Projekten.

Es gibt noch keinen Finanzierungsplan, damit hat Schartz recht. Dennoch stehen die Investitionen bereits in den Haushaltsplänen. 4,2 Millionen Euro trägt das Land, 1,4 Millionen Euro die Stadt Trier. "Projektkosten von 5,6 Millionen Euro" stehen konkret in der Vorlage des Beschlusses, mit dem der Stadtrat im Dezember die Trierer Beteiligung an der Karl-Marx-Austellung bestätigt und festgelegt hat. Aus welchen Einzelposten setzen sich die 5,6 Millionen Euro zusammen? Der TV stellte diese Frage dem Kulturministerium Rheinland-Pfalz.

250.000 Besucher erwartet

"Den kalkulierten Ausgaben von 5,6 Millionen Euro stehen natürlich auch Einnahmen gegenüber", sagt Ministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle. "Wir rechnen zurzeit mit 250.000 Besuchern im Jahr 2018. Eintrittserlöse und Spenden, Sponsoren- und Bundesunterstützung werden hohe Einnahmen generieren." Dieser finanzielle Rückfluss soll die Gesamtinvestition in Karl Marx auf maximal eine Million Euro schrumpfen lassen - 750.000 Euro soll am Ende das Land Rheinland-Pfalz zahlen, 250.000 Euro die Stadt Trier.

"Das ist die Obergrenze", betont Karle. "Teurer darf es nicht werden." Die Berechnungen orientieren sich an der Konstantinausstellung im Jahr 2007. Damals kamen 350.000 Besucher - und am Ende stand ein Plus von 200.000 Euro. "Das ist natürlich auch im Fall von Karl Marx möglich", sagt Karle. "Wir haben zunächst vorsichtig gerechnet. Wenn die Besucherzahlen höher liegen, ändert sich die Lage."

Konstantin 2007 sei auch die Basis der Projektkostenschätzung gewesen, sagt der Sprecher des Kulturministeriums. Die Zusammenstellung der Ausstellung selbst, die Vorbereitung und Präsentation der Exponate und der Leihgaben, Transporte und Versicherungen seien mit 3,5 Millionen Euro kalkuliert.

Dazu kommen weitere Positionen. "Wir brauchen ein umfassendes Marketing, das mit 650.000 Euro im Plan steht." 200.000 Euro wolle man in Kataloge investieren. Insgesamt seien diese "Overhead-Kosten" mit einer Million Euro kalkuliert.

Ein weiterer Kostenpunkt ist die Gründung der Karl Marx 2018 Ausstellungsgesellschaft mbH mit einem Geschäftsführer und Mitarbeitern - dieser Schritt steht mit einer weiteren Million Euro im Plan.

"Abgerechnet wird am Ende", betont Wolf-Jürgen Karle. Doch eines stehe jetzt bereits fest: "Wenn Stadt und Land einen Zuschuss für Karl Marx 2018 zahlen müssen, wird dieser eine Million Euro nicht überschreiten."

Kultusstaatssekretär Walter Schumacher (SPD) reagiert am Donnerstag auf Günther Schartz' wiederholte Kritik. "Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende vergaloppiert sich mit seiner Kritik an den Plänen für das Karl-Marx-Jubiläumsjahr 2018 immer weiter", betont Schumacher. "Dabei versucht er, einen letzten Rest an Glaubwürdigkeit seiner Fundamentalkritik zu retten." Der Staatsekretär kündigt an, dass die Finanzplanungen im Landtag und dem Kulturausschuss "in Kürze" diskutiert werden.

Ulrich Dempfle, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat Trier, akzeptiert laut eigener Aussage die Kritik von Landrat Günther Schartz, steht aber weiterhin zur Investition in die Karl-Marx-Ausstellung 2018. "Wir haben im Dezember im Stadtrat geschlossen für die Ausstellung gestimmt und stehen selbstverständlich weiterhin zu diesem Beschluss", sagt Dempfle im TV-Gespräch. "Diese Ausstellung ist eine große Chance für die Stadt Trier." jp