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Gastronomie
Kölsches Herz mit Liebe zu Trier

Kölsches Mädchen an Trierer Zapfhahn: Katja-Lydia Fiegler ist eine der dienstältesten Gastwirtinnen Triers. Seit 1994 betreibt sie die Lange Theke (Margaretengässchen), davor seit 1969 die Bürgerstube in der Bruchhausenstraße. 
Kölsches Mädchen an Trierer Zapfhahn: Katja-Lydia Fiegler ist eine der dienstältesten Gastwirtinnen Triers. Seit 1994 betreibt sie die Lange Theke (Margaretengässchen), davor seit 1969 die Bürgerstube in der Bruchhausenstraße.  FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Katja-Lydia Fiegler ist eine der dienstältesten Wirtinnen Triers. Am Mittwoch feiert sie ihren 70. Geburtstag.
Roland Morgen

Gaststätten kommen und gehen, Wirte und Wirtinnen ebenso. Nur eine, die ist anscheinend immer schon da. Katja Lydia Fiegler aus der Langen Theke (Margaretengässchen), von allen nur Lydia genannt, ist die Kontinuität in Person: Seit  1969 ist sie in der Gastronomie tätig und damit eine der Dienstältesten ihrer Zunft in Trier. „Und das möchte ich noch lange bleiben“, sagt Lydia, die am Mittwoch (5. September) 70 wird.

Ihr runder Geburtstag hat im Vorfeld für Spekulationen und Gerüchte gesorgt. Sie werde in Ruhestand gehen. Die Wirtin widerspricht energisch: „Ich doch nicht! Meine Gaststätte ist für mich Lebensinhalt, und meine Stammgäste sind für mich wie Familienmitglieder. Ich hoffe, noch lange für sie da sein zu können.

Den Gastro-Beruf hat sie von der Pike auf gelernt. Lydia, geborene Brülls aus Köln-Lindenthal, Großcousine des früheren Fußball-Nationalspielers Albert Brülls (1937-2004, Vizeweltmeister 1966), absolvierte nach der mittleren Reife ihre Ausbildung im Hotel Hommes in Daun. Nach Trier kam sie „der Liebe wegen“. Eine Liebe, die nicht lange hielt. Die Liebe zu Trier hingegen schon – „auch wenn ich im Herzen Kölnerin geblieben bin“.

Mit allem Drum und Dran. Lydia ist „selbstverständlich Fan und Mitglied des FC; aber ich gehe auch gerne zu Eintracht Trier“, immer gut drauf, und, auch das sei „doch völlig klar: Karnevalistin“. Sie gehört mehreren Vereinen an; die KG Onner Ons 1865 hat sie zur Ehrenratsherrin ernannt.

Im Stadtteil Zewen, wo sie wohnt, engagiert sie sich als Vizevorsitzende im Kulturring; den Freundschaftsverein Deutsch-Japanische Gesellschaft Trier hat sie mit aus der Taufe gehoben. Manch „alter“ Trierer kennt Katja-Lydia Fiegler auch noch als erfolgreiche Leichtathletin: „Stimmt. Ich bin für die TG 1880 gestartet und war mehrfach Rheinland-Pfalz-Meisterin im Vierkampf.“

Ihre Karriere als Wirtin hat sie 1969 in der Bürgerstube (Bruchhausenstraße) gestartet. Damals war die Gastro-Welt noch in Ordnung: „Die Leute gönnten sich wie selbstverständlich noch ein Feierabend-Bier. Was auch kein Problem war, denn die wenigsten fuhren Auto, und die Geschäfte schlossen um 18.30 Uhr.“

Damals kam das Bier der Trierer auch noch aus der Heimatstadt. Von der Löwen- oder der Caspary-Brauerei. Lydia war Caspary-Wirtin.

Mit dem Brauereiensterben kam das Sterben der „Kneipen von nebenan“. Lydia hat alle Stürme der Branche unbeschadet überstanden: „Ich habe sehr viele liebe Stammgäste quer durch alle Bevölkerungsschichten und bin auch jeden Tag für sie da.“

Aber an ihrem 70. ausnahmsweise nicht. „Meinen Geburtstag verbringe ich in Mainz bei meinen Kindern Natascha und Christoph und ihren Familien.“ Die Sause mit den fünf Mitarbeiterinnen und den Gästen steigt am Samstag (8. September). 

Und die nächsten Jubiläen stehen quasi schon vor der Tür. Am 1. April 2019 kann Lydia ihr 50-Jähhriges als Wirtin feiern, und 2022 ist sie seit 40 Jahren Meisterin im Hotel- und  Gaststättengewerbe. „Wenn meine Gäste mich bis dahin ertragen und ich weiterhin gesund und fit bleibe, werde ich auch dann noch sehr gerne hinterm Tresen stehen.“