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Kein Mathieu-Fest, ein Christus-Fest

Seine Predigten sind legendär, seine Spuren wirken in Herz Jesu nach: Pastor Werner L. Mathieu wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. TV-Foto: Cordula Fischer
Seine Predigten sind legendär, seine Spuren wirken in Herz Jesu nach: Pastor Werner L. Mathieu wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. TV-Foto: Cordula Fischer
Fast 30 Jahre hat Werner L. Mathieu (76) in der ehemaligen Pfarrei Herz Jesu im Trierer Süden gewirkt. Spuren hat der Pastor dort hinterlassen, die bis heute nachwirken, obwohl er 2001 in den Ruhestand verabschiedet wurde. An seiner alten Wirkungsstätte wird der Jahrestag seiner Priesterweihe 1959 am 14. März gefeiert, tags darauf in Ruwer-Eitelsbach. Denn auch zu den Menschen dort hat der 76-Jährige enge Bande geknüpft. Von unserer Mitarbeiterin Cordula Fischer

Trier. In den Ruhestand ist Pfarrer Werner L. Mathieu vor acht Jahren gegangen. Angekommen ist er dort aber noch lange nicht. Genau so wenig, wie sein Draht zu den Menschen abgerissen ist. Die "Sensibilität für Menschen" hat aber auch der 76-Jährige in Teilen erst lernen müssen. Er erinnert sich an eine seiner Schülerinnen aus der Hildaschule in Koblenz, an der er 1962 bis 1966 Religionsunterricht erteilte. Ihm fiel die neue Frisur des Mädchens auf - erst nach drei Tagen, worauf ihn seine Schülerin unmissverständlich hinwies. Damals habe er "gelernt, wie man mit Frauen umgeht. Das hat man uns am Priesterseminar nicht beigebracht". Das zahlte sich auch aus, als er seine erste Pfarrstelle in Bad Salzig (1966) antrat. Aber "Mein Vorgänger dort war so vornehm, dass er keinen Kontakt zu den Leuten hatte".

"Von Gott berufen, für die Menschen bestellt" lautet der Spruch, der ihn seit seiner Primiz in Saarbrücken-Jägersfreude begleitet. Der wurde auch in Trier-Süd (ab 1973) sein Leitfaden, wo er bereits drei Jahre (1959 bis 1962) als Kaplan Dienst getan hatte. Als Saarländer musste er allerdings in Vorleistung gehen, doch wer Mathieu kennt, weiß um seine ehrlichen Worte, seine freie Meinung, um seinen Humor. Ein "Pastor an der Front" wurde er, ging in jedes Haus seines Pfarrbezirks. Fünf Jahre vergingen und er war einmal durch alle Haushalte durch. Ein offenes Ohr für jeden, ein tröstendes Wort im Wohnzimmer und der Segen am Küchentisch: "Mein Ziel war immer, Menschen aufzurichten. Denn ich bin nicht berufen, jemanden zu verurteilen, sondern ihn aufzubauen", sagt der Mann Gottes. Auch in seiner Funktion als Dechant und gegenüber dem Bischof nahm Mathieu kein Blatt vor den Mund. "Jesus ist mein Vorbild", sagt der ungewöhnliche Pfarrer mit dem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel. Denn Jesus habe sich schließlich auch nicht von den Obrigkeiten von seinem Weg abbringen lassen. Menschen, die im Schatten sind, Licht zu bringen, das hat Mathieu als seine Aufgabe begriffen und angenommen. Und so trug er das Wort Gottes auch hinter Gittertüren, in die Gefängnisse von Frankfurt, Koblenz, Wittlich und Trier. Von der Pfarrei Herz Jesu, deren letzter Pfarrer Mathieu war, bevor sie mit St. Matthias und St. Valerius zu einer Gemeinschaft verbunden wurde, Abschied zu nehmen, das war für ihn ein schwerer Schritt. Denn "in Herz Jesu habe ich mein Glück gefunden. Herz Jesu ist meine Pfarrei". Seit vier Jahren ist er mithelfender Pfarrer in Eitelsbach. "Das ist meine späte Liebe."

Dennoch, in seinem Ruhestand erlebte er zunächst eine Zeit, die ihn an eigene Grenzen stoßen ließ, sie brachte eine Diagnose, die ihn deprimierte, eine Realität, die ihn mit Gott ringen ließ. In Lourdes söhnte er sich mit der Krankheit aus. "Das war mein Wunder". " Gegen ein Fest zu seinem goldenen Priesterjubiläum habe er sich zuerst gesträubt. Zu groß die Gefahr, dass ein Mensch im Mittelpunkt steht. "Alles, was ich als Priester gemacht habe, habe ich mit und durch Christus getan." Und so will er, dass es kein Mathieu-Fest, sondern ein Christus-Fest wird.