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Kirche baut auf Ehrenamtliche

Trier. Steigende Rüstungsexporte und Kürzungen auf dem Arbeitsmarkt: Damit hat sich der Katholikenrat im Bistum Trier bei seiner Vollversammlung befasst. Thema am Rande waren auch die Pfarrgemeinderatswahlen vom Wochenende. Diese gelten vielen als Gradmesser für das künftige ehrenamtliche Engagement in den Kirchengemeinden.

Trier. Die 1,3 Millionen Katholiken im Bistum Trier haben am Wochenende ihre neuen Pfarrgemeinderäte für 2012 gewählt. Ein Thema, das auch den Katholikenrat, das höchste Laiengremium im Bistum Trier, bei dessen Vollversammlung beschäftigt hat. Den Wahlen kommt diesmal eine besondere Bedeutung zu. Derzeit wird im Zuge einer Reform die Pfarreienlandschaft des Bistums neu strukturiert. In den Dekanaten fusionieren Pfarreien zu großen Pfarreiengemeinschaften.
"Eine einheitliche Einschätzung zur Wahl gibt es noch nicht", sagte Manfred Thesing, Vorsitzender des Katholikenrats am Montag. Nach seinen Beobachtungen sei es aber "bis auf wenige Ausnahmen flächendeckend gelungen", in den Gemeinden "gute Kandidaten" für die ehrenamtliche Arbeit in den Räten zu finden.
Deren Aufgaben werden künftig komplexer. Grund dafür sind neue Gremien, die zum Beispiel auch über die Verwendung finanzieller Mittel mitentscheiden sollen. "Es war schon Unsicherheit bei den Kandidaten zu spüren", sagte Thesing. Viele hätten Bedenken gehabt, ob sie den neuen Aufgaben gewachsen seien. "Manche langjährigen Ratsmitglieder haben den Umbruch auch genutzt, um aufzuhören", bestätigte Thesing. Bei wenig Personal und immer größeren Einheiten seien die Gemeinden auf ehrenamtliche Mitarbeiter jedoch immer stärker angewiesen. "Die Menschen in den Gemeinden müssen selbst mit ran." Dazu müsse jetzt in den kommenden vier Jahren - für diese Periode werden die Räte gewählt - die Rolle und Verantwortung der Ehrenamtlichen klar definiert werden. Als problematisch bewertet Thesing die "Vielzahl an Gremien", die für eine "Überbelastung" der Räte sorgen könne: "Da muss man schauen, welche Menschen das noch bewältigen können." Es dürfe nicht dazu kommen, "dass nur noch Banker und Manager in den Gremien sitzen".
Neben den Pfarrgemeinderatswahlen hat das Thema Waffenhandel den Katholikenrat beschäftigt. Beschlossen wurde, die bundesweite Kampagne "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel" zu unterstützen. Träger ist unter anderem das bischöfliche Hilfswerk Misereor. "Es geht darum, den starken Rüstungsexport zu stoppen", erklärte Thesing. Laut einem Bericht der evangelisch-katholischen "Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung" (GKKE) ist Deutschland derzeit weltweit der drittgrößte Waffenexporteur. Geliefert wird in 55 Länder, darunter 44, deren Menschenrechtssituation die GKKE als "sehr bedenklich" einstuft. Auch gehe die Regierung "immer laxer mit Exportrichtlinien um", kritisierte Thesing. Dem solle die Kampagne entgegenwirken. "Unsere Dekanate werden sich an Veranstaltungen vor Ort beteiligen", kündigte Thesing an.
Das Laiengremium kritisiert die vom Bund geplanten Kürzungen bei der Arbeitsmarktförderung. Davon sind laut Thesing auch regionale Projekte für Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte betroffen - etwa bei der Caritas oder beim Bürgerservice Trier. Viele dieser Betriebe gingen "schon jetzt finanziell am Krückstock", seien von Insolvenz bedroht. Deshalb setze sich der Katholikenrat für eine angemessene Förderung ein. cwebExtra

Der Katholikenrat, bestehend aus 50 Vertretern kirchlicher Verbände und Dekanatsräte im Bistum, kritisiert die Zunahme spekulativer Geschäfte auf dem Rohstoff- und Agrarmarkt. 80 Prozent aller Weizenkontrakte seien mittlerweile spekulativ. Das führe zu drastisch erhöhten Lebensmittelpreisen. Laut Berichten der Weltbank mussten deshalb in der Hochpreisphase 2008 zusätzlich etwa 100 Millionen Menschen Hunger leiden. Der Katholikenrat fordert daher eine Beruhigung der Märkte mittels einer Transaktionssteuer. Deren Erlöse sollen in die deutsche Entwicklungshilfe fließen, an der das Gremium ebenfalls Kritik übt. Es sei noch immer nicht gelungen, die angekündigten Mittel von 1,2 Milliarden Euro (0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens) in den Haushalt einzustellen. Das sei angesichts von Milliardenhilfen für die Finanzmärkte und weltweiter Katastrophen - derzeit leiden 11,5 Millionen Afrikaner Hunger - nicht nachvollziehbar. cweb