| 18:07 Uhr

Kissenschlacht am Bücherturm

Lesen bis die Augen zu fallen: In einem Meer von Schlafsäcken bietet die erste Trierer LeseRattenNacht im Haus Fetzenreich viel Gelegenheit zum Schmökern.Foto: Martina Wolf
Lesen bis die Augen zu fallen: In einem Meer von Schlafsäcken bietet die erste Trierer LeseRattenNacht im Haus Fetzenreich viel Gelegenheit zum Schmökern.Foto: Martina Wolf
TRIER. Es ist kaum zu glauben: Auch im Internet-Zeitalter sind Kinder noch in der Lage, sich Nächte lang in Bücher zu vertiefen. Die erste Trierer LeseRattenNacht hat es gezeigt. Bis in die frühen Morgenstunden schmökerten die Minis im Haus Fetzenreich. Von unserer Mitarbeiterin <br>MARTINA WOLF

Kaum zu bändigen sind die 50 Leseratten, ausgerüstet mit Lieblingsbuch und Kuscheltier. Bei Musik und Kissenschlacht können sie sich nach Herzenslust austoben.Mit Pizza gestärkt geht es dann auf eine phantastische Reise. Die leitet Erzähler Christoph Schneider - auch "Mister Fetz" genannt - mit einer spannenden Geschichte über das Haus Fetzenreich ein. Im Bilderbuch-Kino in der Krypta überlegen sich alle gemeinsam, ob Gernot seinem Freund Michi in der Geschichte "Alles total geheim!" die Wahrheit sagt. Wer immer noch Lust zum Zappeln hat, tanzt mit Schwester Emma von der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) bolivianische Volkstänze. Antonia Böß und ihre Freundin Verena Rößler sind ganz fasziniert von der Disco-Kugel an der Decke."Die kriegen wir schon müde", sagt Betreuer Michael Rauch zuversichtlich. Und wirklich: Bald sitzen überall Grüppchen, in denen gebastelt wird oder reihum Gruselgeschichten vorgelesen werden.Als es richtig dunkel ist, wandern alle mit Fackeln und Taschenlampen zum Dom. Dort werden sie von einem älteren Herrn überrascht, der sich als der heilige Ambrosius (Pfarrer Johannes Metzdorf-Schmithüsen von der Evangelischen Studierenden Gemeinde) entpuppt. Kurz auf Besuch in seiner Heimatstadt, erzählt er eine aufregende Geschichte überseine Zeit als Mailänder Bischof.Die frische Luft macht müde. Linda Meisberger kann kaum noch stehen. Wie die anderen kehrt sie zurück ins Haus Fetzenreich, wo um Mitternacht zwei Gespenster Wackelpudding servieren.Ab ein Uhr ist es erstaunlich ruhig. Aber geschlafen wird noch lange nicht. Unter vielen Decken leuchten Taschenlampen das Lieblingsbuch an. In allen Räumen haben sich Leseratten mit Kissen und Schlafsack eingerichtet. Und wenn zwei Betreuer vorbei kommen, die sich unterhalten, heißt es: "Pssst, wir lesen!"Um fünf Uhr morgens sind die ersten wieder wach. Dann werden erst mal Bücher und andere Preise verlost. Als die Eltern um neun Uhr zum Frühstück kommen, werden die Schätze gezeigt. "Mama, Papa, das war ganz toll", heißt es immer wieder. Und: "Wann ist die nächste LeseRattenNacht?" Die wird es spätestens im Herbst geben, verspricht Initiatorin DianaRuhmöller. Vielleicht im Austausch mit Luxemburg, wo es seit Jahren solche Nächte gibt. Zustande kommen konnte die LeseRattenNacht nur durch die Hilfe von Sponsoren. Für die Verpflegung sorgten die Restaurants Blesius Garten und Palais Kesselstadt sowie die KHG. Die Firma Prevent Security, die Sparkasse Trier und alle Trierer Buchhandlungen hatten Bücher bereitgestellt.Der Erlös aus den Teilnehmer-Beiträgen kommt dem Arbeitskreis für Obdachlose und sozial Benachteiligte (AKOS) der KHG zugute, der jeden Samstag ein Frühstück im Haus Fetzenreich veranstaltet. Die Fotos der LeseRattenNacht sind ab 10. Juni im Internet abrufbar unter der Adresse www.sieger-typen.de.