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Essen und Trinken
Kampf mit dem Kochlöffel: WM-Trainingslager im Nells-Park-Stadion

Müde, aber zufrieden: Die Nationalmannschaft der Köche mit Teamchef Ronny Pietzner (ganz rechts).
Müde, aber zufrieden: Die Nationalmannschaft der Köche mit Teamchef Ronny Pietzner (ganz rechts). FOTO: Karin Pütz
Trier. In diesem Trainingslager geht es nicht um Fußball, sondern um die Weltmeisterschaft der Köche, die im November in Luxemburg stattfindet. Beim Essen erinnert dann aber doch einiges an den Sport.

Welche Nation kocht am besten? Diese Frage stellen sich internationale Köche-Teams jedes Jahr beim Culinary Wordcup. Der Verband der Köche Deutschlands schlägt im Nells Park Hotel sein Trainingslager für die Köche-Nationalmannschaft auf.

Damit beim Drei-Gänge-Menü, das im November bei der WM präsentiert wird, nichts schiefgeht, wird schon jetzt trainiert. 110 Personen kommen an diesem Abend in den Genuss, das WM-Menü zu kosten. Teamchef Ronny Pietzner, seines Zeichens Spitzenkoch und quasi der Oliver Bierhoff der Kochkunst, nimmt sich Zeit für dringende Reporterfragen, während sich die Köche am Herd warmlaufen.

Gelten für Köche die gleichen Regeln wie für Fußballer im Trainingslager: kein Sex, kein Alkohol, viel Schlaf? Pietzner antwortet knapp und trocken: „Nein, immer das Gegenteil!“ Dann klärt er  auf, dass das Team ohne Partner angereist ist und zum Schlafen ohnehin keine Zeit sei. Alkohol sei in der Tat verboten.

Wie sieht es mit Spionen im Camp aus, die etwas über die Taktik erfahren wollen? „Das könnte es geben – deshalb darf hier niemand Fotos von den fertigen Gerichten machen, um sie im Internet zu posten. Sie erfahren nur die Zutaten“, sagt Pietzner.

Insgesamt 20 Köchinnen und Köche aus Junior- und Seniorteam sind im Trainingslager damit beschäftigt, weltmeisterliche Mahlzeiten zuzubereiten. Dabei kommen unter anderem Kalb, Mufflon, Lachsforelle, Flusskrebs, Schwarzwurzel, Sanddorn und Buttermilch zum Einsatz. Mittlerweile sammeln sich die Gäste im Nells-Park-Stadion, pardon, vor der Orangerie des Nells Park Hotels! Nach dem Anstoß mit Sekt kommt es durch Fingerfood zu (erlaubtem) Handspiel: Das Runde muss ins Hungrige.

Später gibt es drei weitere Gänge, bei denen die Servicekräfte um die runden Tische dribbeln und Köstlichkeiten auf den nationaltrikot-weißen Tellern servieren. Übrigens findet sich im Kader lediglich eine Köchin aus der Region – die 23-jährige Bitburgerin Lena Schmitz ist Co-Captain der Junior-Mannschaft.

Konditor Reiner Lind ist einer der 56 Juroren, die bei der WM in Luxemburg über Sieg oder Niederlage entscheiden. Er isst heute mit und kann der Mannschaft hinterher Tipps geben. Neben der geschmacklichen Komponente bewertet er Dinge wie die Arbeitsschritte, Technik, Zubereitungsart, Effizienz und Hygiene. Kein Foul, sondern eine bei den Teams der Koch-WM nicht unübliche Vorgehensweise. „Ich werde bei der WM natürlich jede Mannschaft objektiv beurteilen.“ Noch während des Essens schreibt er mit – seine Liste ist lang. „38 Seiten“, witzelt Pietzner während seiner Moderation zwischen den Gängen.

Ein Spiel dauert 90 Minuten – ein Trainingsessen der Koch-Nationalmannschaft indes locker doppelt so lange. Mit dem Gefühl, weltmeisterlich bekocht worden zu sein, ziehen 110 Gäste heimwärts, während sich die müden Köchinnen und Köche, die sich seit morgens in den (ehrenamtlichen!) Dienst der Koch-WM gestellt hatten, um Teamchef Pietzner scharen.

Wie wird die Manöverkritik ausfallen? Köche haben hohe Ansprüche und beim Fußball wie beim Kochen ist er gefürchtet: der Anpfiff. Doch Pietzner wird den Ball flach halten – das kann nach so einem Essen gar nicht anders sein.