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Kolumne Trierisch balaawern
Mal Freund, mal gefürchtet

Trier. Der Trierer ist als Menschenschlag bekannt, den niemand so schnell aus der Ruhe bringen kann. Das Moseltal mit seinem gemäßigten Klima, in dem sich genüsslich eine Porz Viez oder ein Schoppen Wein trinken lässt, tragen zu dieser Gemütsruhe bei.

Dass dieser besonnene Vertreter zwischen Eifel und Hunsrück ängstlich sein soll, überrascht sehr. Vor wem soll er sich fürchten? Dennoch deutet ein Wort, dass es im Hochdeutschen nicht zu einer besonderen Vielfalt gebracht hat, darauf hin.

Der Polizist! Man kennt den Schutzmann, den Wachmann oder behördentechnisch den Polizeibeamten. Der Trierer sichert sich sprachlich in viele Richtungen ab, so dass er jederzeit und überall seinen Freund und Helfer findet und sich an ihn wenden kann.

Dän Schandarm hat er aus der französischen Gendarmerie importiert, was bei der nahen Grenze nicht verwunderlich ist. Pass obb, hönnen kömmt de Schandarm, ruft einer der Diebe dem anderen auf ihrer Tour zu.

Weniger einfach lässt sich dä Sääri ableiten. Bei genauem Hinsehen erkennt man den englischen Sheriff. Damit wären schon mal zwei große Sprachbereiche – französisch und englisch – abgedeckt.

Der Trierer tastet sich auch weiter an den Ursprung des Gaunertums heran. Er bedient sich dessen Sprache. Man muss sich im Langfingermilieu auskennen, um notfalls gewarnt zu sein, wenn sich die Lumpen untereinander warnen. Gie hönnen romm, viren stien de Butzen! Butz oder Putz sind dem Rotwelschen entlehnt.

Nochmals zurück zum Schandarm. Im Kinderversteckspiel Räuber und Schanditz, das draußen gespielt wird, findet sich eine Sprachvariante. Wenn dann Nachbars Grundstück mit einbezogen wurde und die resolute Naobersch den Ablauf des Spiels störte, dann stand sie da, die Arme in die Seite gestützt, die Stimme fest erhoben, wie der Schandarm von der Ecke. Furchteinflößend und von den Kindern gefürchtet.⇥ Josef Marx

Die besten Kolumnen von Horst Schmitt und Josef Marx sind in dem Buch „Milljunen Leit – mindestens drei“ nachzulesen, das im Trierer Verlag Michael Weyand erschienen ist. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich und im Internet unter www.volksfreund-shop.de