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Wirtschaft
Diskussion um Globus-Markt in Trier: Alte und neue Ängste des Handels

Die Trier-Galerie ist zehn Jahre alt. 2008 machte sie viele Innenstadthändler nervös. Heute hat Globus diese Rolle übernommen.
Die Trier-Galerie ist zehn Jahre alt. 2008 machte sie viele Innenstadthändler nervös. Heute hat Globus diese Rolle übernommen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier . Passt ein neuer Globus-Markt zum Handel in Trier? Eines der beiden Gutachten, die diese Frage beantworten sollen, liegt schon vor. Die finale Entscheidung könnte noch in diesem Jahr fallen. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Globus will für 40 Millionen Euro eine neuen Markt in Trier bauen. Parallel zur noch nicht abgeschlossenen politischen Debatte haben sich einige Trierer Institutionen bereits  kritisch geäußert. Dazu gehören die beiden Kammern, der Einzelhandelsverband und auch die City-Initiative. Deren Vorsitzender Benno Skubsch ist der Centermanager der Trier-Galerie, die mitterweile zehn Jahre alt ist und im Vorfeld ihrer Eröffnung 2008 von einigen Stimmen auch als Gefahr für den bereits etablierten Handel bezeichnet wurde.

In dieser Startphase war Skubsch noch nicht der Chef der Galerie, er kam 2014 an Bord und löste seinen Vorgänger Christoph Höptner ab. Die im Vorfeld der Eröffnung laut gewordenen Befürchtungen, die Trier-Galerie schade dem Innenstadthandel, haben sich laut Skubsch absolut nicht bewahrheitet, das Gegenteil sei der Fall. „Wir sind ein fester Teil der Stadt“, sagt Skubsch. „Der Kontakt mit allen Händlern ist mir wichtig, denn wir wollen, dass sich die gesamte Innenstadt positiv entwickelt.“

Skubschs Wahl zum Vorsitzenden der City-Initiative zeigt, dass die Vorbehalte etablierter Händler gegen die Galerie längst der Vergangenheit angehören. Dennoch ist die Parallelität der Ereignisse offensichtlich – vor zehn Jahren war die Galerie das Schreckgespenst der Innenstadt, heute ist es Globus.

Skubsch verteidigt die kritische Haltung der City-Initiative. „Wir haben keine Vorbehalte gegen Globus generell, aber wir vertreten die Innenstadt“, sagt er. „Deshalb begleiten wir das Thema kritisch.“ Die Entscheidung wird jedoch der Stadtrat treffen.

Die Diskussion um den geplanten Globus-Markt im Industriegebiet Euren hat in den vergangenen Wochen an Schwung verloren, denn Politik und Wirtschaft warten mit Spannung auf zwei Gutachten, die belegen sollen, ob und warum ein neues Warenhaus mit Lebensmittelschwerpunkt in ein Trierer Industriegebiet am Stadtrand passt.

Der Globus-Konzern hat die Cima Beratung und Management GmbH  aus Köln beauftragt. „Die Ergebnisse des Gutachtens liegen leider immer noch nicht endgültig vor, wir rechnen aber in den kommenden Wochen damit“, sagt Globus-Sprecherin Isabel Conz. Die Stadt Trier hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) ins Rennen geschickt, um die Lage zu eruieren. Und die GMA hat offenbar geliefert. „Dieses Gutachten und die damit verbundene Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts liegen im Entwurf vor“, sagt Michael Schmitz, der Sprecher der Stadt Trier.

Der Inhalt dieses Papiers ist streng geheim, auch die Fraktionen des Stadtrats sind noch nicht informiert. Dennoch nimmt das Thema Globus jetzt wieder an Fahrt auf. Schmitz erklärt, wie es weitergeht: „Sobald wir die Daten des Verträglichkeitsgutachtens von Globus bekommen haben, werden wir diese mit den von uns erhobenen Daten vergleichen. Wir gehen davon aus, dass das bis Ende Oktober geschehen sein wird.“

Das städtische Gutachten werde in die Fortschreibung des 2015 vom Stadtrat beschlossenen Einzelhandelskonzepts einfließen, die alle drei Jahre ansteht (siehe Info). Diese Datengrundlage – der Entwurf der Fortschreibung und der Vergleich der Daten – wird dann zunächst intern von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und den drei Dezernenten im Stadtvorstand beraten und geht  anschließend in den Steuerungsausschuss und die Fachausschüsse sowie die betroffenen Ortsbeiräte. „Das dürfte also im November der Fall sein“, sagt Schmitz. „In dieser Phase werden wir auch die Öffentlichkeit über die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes informieren.“

All das klingt komplex und ist es auch. Doch der Kern der Debatte bleibt die zentrale Frage, ob ein großer Globus-Markt in einem Industriegebiet am Trierer Stadtrand zur Gefahr für die Händler der Innenstadt werden könnte. Diese Frage müssen die Fraktionen des Stadtrats klären und dann entscheiden. Die letzte Sitzung des Stadtrats in diesem Jahr, in deren Rahmen ein solcher Entschluss möglich wäre, findet am Dienstag, 4. Dezember, statt.