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Kosten für Kindergarten steigen weiter

Reinhold Bonertz vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde Mariahof zeigt auf den komplett sanierten und um eine Etage aufgestockten Kindergarten im Stadtteil. TV-Foto: Christiane Wolff
Reinhold Bonertz vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde Mariahof zeigt auf den komplett sanierten und um eine Etage aufgestockten Kindergarten im Stadtteil. TV-Foto: Christiane Wolff
"Erstens dauert es länger, und zweitens wird es teurer." Dieses geflügelte Wort im Baugewerbe gilt auch für den Mariahofer Kindergarten: Statt nach den Sommerferien können die rund 120 Kinder wohl erst zum Jahreswechsel in das generalsanierte Gebäude zurückziehen. Weil besonders gründlich saniert wurde, sind die Umbauten zudem rund eine halbe Million Euro teurer als geplant. Christiane Wolff

Trier. Ein ganzer Jahrgang Mariahofer Kinder hat seine Kindergartenzeit nicht im Kindergarten des Stadtteils verbracht, sondern in einem Containerkomplex auf der Wiese dahinter.
Der Grund: In dem kalten, nassen 1970er-Jahre-Betonbau hatte sich seit Jahren Schimmel ausgebreitet. 2008 konnte das Bistum, dem der Kindergarten gehört, das Problem nicht mehr länger durch bloße Schönheitsreparaturen angehen. Das Gesundheitsamt ordnete die Schließung der Einrichtung an. Die Kinder zogen in die Container.
Nach einigen Verzögerungen (siehe Extra) begannen die Umbauten im März 2010. Die Neueröffnung war für August 2011 geplant. "Aber die Arbeiten haben sich verzögert", erklärt Reinhold Bonertz, der für den Verwaltungsrat der Mariahofer Pfarrgemeinde ehrenamtlich die Bauarbeiten koordiniert und täglich zwei bis drei Stunden auf der Baustelle verbringt.
Denn ein ähnliches Desaster wie bei der Kindertagesstätte Trimmelter Hof sollte sich auf Mariahof nicht wiederholen. Die Trimmelter Kita hatte nach einer aufwendigen, jahrelangen Schimmelsanierung erneut geschlossen werden müssen, weil nicht alle belasteten Bauteile ausgetauscht worden waren und die Luft in den Gruppenräumen noch immer voller Schimmelsporen war. Die Mariahofer sicherten sich ab: Die Spezialisten der Firma, die auch beim Trimmelter Kindergarten die Nachuntersuchungen gemacht hatte, wurden gerufen.
Und tatsächlich: Die Baubiologen fanden auch in Mariahof bislang unentdeckte Schimmelquellen. Die Holzverschalung der Betondecken aus den 1970er-Jahren musste komplett abgehauen werden. Auch im Styropor der Dämmung saßen die potenziell gefährlichen Sporen noch. Die Isolierungen der Heiz- und Wasserrohre waren ebenfalls belastet. Im Erdgeschoss musste der Estrich rausgeschlagen werden bis auf die Bodenplatte. Eine zweite Spezialfirma aus der Nähe von Mannheim reinigte anschließend das, was von dem Bau übrig geblieben war: "Alle Wände wurden zum Beispiel abgeschliffen und mit einem Spezialmittel gereinigt", erzählt Bonertz. Anschließend mussten Decken, Böden und Wände neu aufgebaut werden. "Das hat die Bauarbeiten um rund drei Monate verlängert", schätzt Bonertz.
Die Baukosten, die zu etwa zwei Dritteln die Stadt und zu einem Drittel das Bistum trägt, sind dadurch gestiegen: Statt rund 2,2 Millionen Euro kosten Sanierung und Umbau nun rund 2,7 Millionen.
Für 3,2 Million Euro wäre nach Berechnungen des Pfarrgemeinderats auch ein kompletter Neubau möglich gewesen. Doch die Baukosten sind nicht alles: Die Miete für die Container, in denen die Kinder untergebracht sind, beträgt monatlich rund 10 000 Euro, was bis zum voraussichtlichen Rückzug im Dezember mehr als 400 000 Euro ausmacht.
Für die Millionen erhalten die Mariahofer allerdings nicht nur einen schimmelfreien Kindergarten, sondern auch einen komplett umgebauten: Dem Gebäude vorgelagert wurde ein Treppenhaus mit Aufzug. Der ursprünglich eingeschossige Bau ist um eine Etage aufgestockt worden, in der zusätzliche Gruppen-, Schlaf-, Sanitär- und Sozialräume untergebracht sind. Ins Erdgeschoss kommt eine komplette Küche, in der künftig das Mittagessen für die Kinder frisch zubereitet werden soll. Bislang wurde das Essen angeliefert.
März 2008: Das Gesundheitsamt veranlasst die sofortige Schließung von zwei Gruppenräumen des Kindergartens Mariahof. Die beiden Gruppen ziehen in das benachbarte Pfarrheim um. Zuvor hatten Pfarrgemeinde und Bistum jahrelang erfolglos versucht, dem Schimmel durch Abwaschen und Neu-Streichen der Wände beizukommen. Dezember 2008: Alle Gruppen des Kindergartens ziehen mit rund 120 Kindern in Container mit 500 Quadratmetern Nutzfläche auf der benachbarten Wiese. Frühjahr 2009: Der städtische Architektur- und Städtebaubeirat kritisiert die Pläne der Pfarrgemeinde, den Kindergarten um eine Etage aufstocken zu wollen. Die Erhöhung störe die gemeinsame Architektursprache von Kindergarten und der unter Denkmalschutz stehenden benachbarten Kirche. Weil eine Neuplanung mehr als 300 000 Euro zusätzlich kosten würde, stimmt das Bauamt trotz starker Bedenken der Aufstockung zu. Herbst 2009: Architekt Konny Schmitz, der in den 1970er Jahren den Kindergarten entworfen hat, kündigt an, Urheberrechte geltend machen und gegen die Aufstockung des Kindergartens klagen zu wollen. Januar 2010: Die Pfarrgemeinde und der 85-jährige Architekt Schmitz legen nach einem Gespräch ihren Streit bei. März 2010: Baubeginn woc