| 19:19 Uhr

Ihre Meinung
Der Kunde hat die Macht

Trier. Tierschutz

Zu Berichten über Tierdressuren im Zirkus:

Eins ist völlig klar: Während sich die Politiker, Veterinäre, Zirkusbesitzer und Tierschützer streiten, muss man sich wie in so vielen Sachen eingestehen: Der Verbraucher/ Kunde hat die Macht!

Was haben wir uns 2016 gefreut, als Familie den Trierer Weihnachtscircus zu besuchen. Ein tolles Erlebnis. Mit Artisten und auch Tiernummern. Hunde (Chow Chows, die wie Löwen geschoren waren, eine Pferdenummer und ich glaube noch ein Schwein). Ich verstehe allerdings nicht, dass man wirklich suchen musste, um herauszufinden, ob 2017 wilde Tiere dabei sind oder nicht. Damit meine ich: Es wird tunlichst vermieden, damit zu werben. Als ob man sich kein Nachgeben von Zirkusseite eingestehen möchte.

Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Tierschützer nicht, unter deren Protesten einige Besucher die Vorstellung besuchten. Mal ganz ehrlich: Was ist so schlimm daran, dass man Hunde mit positiver Verstärkung (Leckerli/Lob) dressiert oder Pferde? Wer sich daran stört, sollte mal samstagabends bei der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ demonstrieren oder, falls das nicht heimatnah genug ist, dann beim ortsansässigen Reitverein oder der Hundeschule vorbeischauen, was da so abgeht. Warum sind hier die Fronten so verhärtet? Dass der Rubel auch ohne Wildtiere rollt, kann man beim gut besuchten Flic Flac oder der Appasionata Show sehen. Oder warum nicht mal eine Nummer mit unseren vertrauten Stubentigern einstudieren? Dieser Dompteur hätte vollste Anerkennung verdient.

Ich finde, es tut sich etwas in der Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass Kinder weinen, weil sie keinen Elefanten oder kein Zebra mehr im Zirkus sehen. Ich habe auch nicht geweint, als nach 1996 die letzten Liliputaner aus dem Holiday Park in Rheinland Pfalz verschwunden sind. Ja, ich habe in meiner Kindheit die kleinwüchsigen Menschen, die dort durch Glasscheiben ausgestellt waren, in ihren Wohnräumen angestarrt. Damals war das so, bis man sich dachte, dass dies wohl ethisch nicht mehr vertretbar sei. Genau diese Bewegung wünsche ich mir beim Thema „Wildtiere im Zirkus“.

Ich appelliere an jeden vernünftigen Menschen, den Zirkus mit Wildtieren zu meiden und so ein Signal zu setzten. Auf der anderen Seite, natürlich Unterstützung in Form von Besuchen, wenn die Vertreter des Weihnachtscircus Alternativen anbieten. Damit erreicht man mehr, als die Politiker, die sich um die Zuständigkeit streiten.