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Heimatliteratur
Schmale Spur, breites Aufgabenspektrum

1905: Die Domäne Trier-Avelsbach entsteht – mit Hilfe von Gefangenen, die hier nebst Aufsichtspersonal und Domänenverantwortlichen posieren. Hinter den Kipploren ist ein bereits angelegter Weinberg zu erkennen.
1905: Die Domäne Trier-Avelsbach entsteht – mit Hilfe von Gefangenen, die hier nebst Aufsichtspersonal und Domänenverantwortlichen posieren. Hinter den Kipploren ist ein bereits angelegter Weinberg zu erkennen. FOTO: Joachim Gilles, Trier-Filsch / Privat
Trier. Das letzte Gemeinschaftsbuch von Karl-Josef und Joachim Gilles setzt den historischen Feldbahnen an Mosel und Saar ein Denkmal.
Roland Morgen

Vater und Sohn und ein erfolgreiches Autoren-Gespann. Den Straßenbahnen und Oberleitungsbussen ihrer Heimatstadt Trier und der Moselbahn („Saufbähnchen“) haben  Karl-Josef Gilles und sein Filius Joachim  in den vergangenen Jahren Bücher gewidmet. Nun ist ein weiteres Gemeinschaftswerk des Duos über historische Transportmittel der Region erschienen. Der vierte Streich, „Feldbahnen an Mosel und Saar. Einsatz zwischen  Weinberg und Schieferbruch“ (Sutton-Verlag, Erfurt), wird das letzte Gemeinschaftswerk bleiben. Gilles senior hat die Veröffentlichung nicht mehr erlebt: Der frühere Archäologe, Münzenkundler und Historiker am Rheinischen Landesmuseum, ist am 12. Mai, knapp zwei Wochen nach seinem 68. Geburtstag, gestorben der TV berichtete).

Die Feldbahnen als Thema  – ein Herzensanliegen beider Autoren. Joachim Gilles: „Mein Vater hatte bei einem Betriebsausflug die Feldbahn in Serrig kennengelernt und war begeistert. Daraufhin haben wird 1989/90 gemeinsam die letzte Phase dieser Bahn dokumentiert.“ Vor etwa zwei Jahren  sei die Buch-Idee entstanden. „Wir wollten eine Lücke schließen, denn Feldbahnen werden leider völlig zu Unrecht selten in Büchern thematisiert, und  bisher gab es auch keinerlei Publikationen zu Feldbahnen im Trierer Raum.“ Verwunderlich, denn die kostengünstigen und zuverlässigen Schmalspurbahnen spielten zwischen den 1880er und 1950er Jahren für die regionale Wirtschaft eine wichtige Rolle: „Nirgendwo sonst fuhren so viele Weinbergsbahnen wie an Mosel und Saar.“

Zudem, so der 38-Jährige, habe er bei seinen Recherchen weitere Unterlagen und Fotos finden und neue Erkenntnisse gewinnen können, auch zur Heeresfeldbahn durch das Tawerner Tal oder zur Trümmerbahn, mit der ab Mitte 1945 der Kriegsschutt aus der weitgehend zerstörten Trierer City heraus transportiert wurde.

Resultat ist ein 120-Seiten-Buch mit rund 150 Aufnahmen, von denen die meisten erstmals veröffentlicht sind. Darin geht es auch um den Feldbahnen-Einsatz im Erzberg- und Schieferwerksbau sowie  in der Tongrube Lonnig (Kreis Mayen-Koblenz).

Das Buch wirft auch einen Blick in die Gegenwart. Einige Feldbahnen fahren, wenn auch in anderer Mission, heute noch: als Museumsbahn in Serrig, als private Wirtschaftsbahn bei Weiskirchen (Kreis Merzig-Wadern) oder bei Bauprojeken wie dem Cochemer Tunnel.

In vielen kleinen Sägeerken dienen Feldbahnloren weiterhin  zur Beförderung von Holz.

„Feldbahnen an Mosel und Saar. Einsatz zwischen Weinbergen und Schieferbruch“ von Karl-Josef und Joachim Gilles ist erschienen in der Zeitreise-Edition des Sutton-Verlags  (Erfurt) und für 19,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Herbst 1989: In den Weinbergen der Domäne Serrig stehen Erntewagen vor dem Lokschuppen Nr. 1 bereit. 
Herbst 1989: In den Weinbergen der Domäne Serrig stehen Erntewagen vor dem Lokschuppen Nr. 1 bereit.  FOTO: Joachim Gilles, Trier-Filsch / Privat
Joachim Gilles
(Jahrgang 1979)
Joachim Gilles (Jahrgang 1979) FOTO: roland morgen (rm.)