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Lieber eine Ohrfeige kassiert

Abiturienten des Jahres 1958 des Hindenburg-Gymnasiums werfen erstmals einen Blick in ihre Abitur-Klausuren. TV-Foto: Cordula Fischer
Abiturienten des Jahres 1958 des Hindenburg-Gymnasiums werfen erstmals einen Blick in ihre Abitur-Klausuren. TV-Foto: Cordula Fischer
18 Jungen haben vor 50 Jahren das Abitur am Hindenburg-Gymnasium bestanden. Ein halbes Jahrhundert später trafen sich zwölf der ehemaligen Schulkameraden wieder und konnten zum ersten Mal einen Blick in ihre Abi-Klausuren und auf die Beurteilung der Lehrer werfen.

Trier. (cofi) "Alle von uns haben einen ordentlichen Beruf ergriffen oder studiert", erzählt Manfred Heibel. Ärzte, Anwälte, Ingenieure, ein Leiter der Landesbibliothek Bremen, ein Konzertmeister und einer der ersten Jet-Piloten der Bundeswehr - die Bilanz ist nicht schlecht.Schlecht, sogar "katastrophal", waren die räumlichen Verhältnisse, in denen sie unterrichtet wurden. Mit bis zu 60 Schülern in einer Klasse mussten sie sich um die Sitzplätze streiten und das Schulgebäude, das damals nahe der Reichsabtei St. Maximin stand, mit FWG-Schülern teilen. Auch die Erziehungsmethoden waren nicht die modernsten. "Prügel waren bei dem einen oder anderen Lehrer an der Tagesordnung", erinnert sich Heibel. Und Strafen hagelte es nicht selten. So mancher Schüler habe aber trotzdem lieber eine Ohrfeige kassiert, als für seine Verfehlung eine zehnseitige Strafarbeit abzuliefern. Die Abiturfeier sei fast zum Politikum geworden, als sich einer der Schüler in seiner offiziellen Rede kritisch geäußert habe. "Das Kollegium überlegte sogar, uns nachträglich das Abitur abzuerkennen", sagt Heibel. Scharf war auch der Ton, den die Lehrer bei der Entlassungsfeier anschlugen. Bloß mittelmäßig zu sein, könne sich niemand erlauben, der ein Gymnasium besucht habe, habe es da geheißen. Und die Gefahren, einem ungeistigen und undisziplinierten Konsum der durch die Technik ermöglichten Massenproduktion zu erliegen, seien heraufbeschworen worden. Auch von Entartung der Menschheit sei die Rede gewesen, wenn die Abiturienten nicht ihrer Arbeitsverpflichtung nachkämen. "Aber das ist lange vorbei", so Heibel.