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Lückenschluss in der Thyrsusstraße

So wird die innovative Wohnanlage in der Thyrsusstraße aussehen. Sie schließt sich an den Hochbunker (am rechten Bildrand) in Trier-Nord an. Grafik: Lamberty-Architekten GmbH
So wird die innovative Wohnanlage in der Thyrsusstraße aussehen. Sie schließt sich an den Hochbunker (am rechten Bildrand) in Trier-Nord an. Grafik: Lamberty-Architekten GmbH FOTO: (h_st )
Trier-Nord. Die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg investiert neun Millionen Euro in den Neubau einer Wohnanlage in Trier-Nord. 37 Wohnungen sollen dort entstehen. Grundlage dafür ist ein außergewöhnliches Konzept. Rainer Neubert

Trier-Nord "Junges Wohnen" und "Gute Nachbarschaft". Mit diesen beiden Bauprojekten in der Thyrsusstraße hat die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg (Wogebe) in den vergangenen Jahren bereits für frischen Wind im Stadtteil gesorgt. Studentische Wohngemeinschaften sind dabei in dem Altbau entstanden, der nun mit seiner blauen Fassade für Aufsehen sorgt. Im Neubau gegenüber wurde erfolgreich das Ziel realisiert, auch Mieter aus anderen Stadtteilen für Trier-Nord zu begeistern.

"Wir wollen zeigen, dass das Wohnviertel für Menschen aller Gesellschafts- und Einkommensgruppen attraktiv ist", verdeutlicht Herbert Schacherer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Genossenschaft. Das dritte Projekt in der einst nicht mit dem besten Ruf verknüpften Straße steht deshalb unter dem Motto "Wohnen im Quartier". Auf dem 3200 Quadratmeter großen Areal neben dem Hochbunker sollen ab Herbst 37 zwischen 46 und 110 Quadratmetern große Wohnungen entstehen. Das Besondere daran: 35 dieser Wohnungen werden barrierefrei sein. Zwei Drittel sind für Menschen reserviert, die einen Anspruch auf geförderten Wohnraum haben. Die Nettokaltmiete wird dann bei etwa 6 Euro pro Quadratmeter liegen. Für die restlichen Wohnungen, die frei finanziert sind, ist ein Preis von 8,60 Euro pro Quadratmeter vorgesehen. Das sind etwa zwei Euro weniger, als sonst im Durchschnitt für Neubauwohnungen in Trier gezahlt werden muss (TV vom Montag).

Möglich werden die günstigen Konditionen, weil die Bewohner Genossenschaftsanteile erwerben müssen. Sie erhalten dafür ein lebenslanges Nutzungsrecht und die Garantie für günstige Mieten.
Joachim Fischer betreut für die Wogebe das Projekt. "Uns geht es als Genossenschaft nicht um Rendite, sondern darum, günstiges und gutes Wohnen anzubieten", erläutert der Architekt. Besonders stolz ist er auf die vielen Begegnungsmöglichkeiten in der Wohnanlage. "Wir bieten ein Wohncafé mit Küche, halböffentliche Bereiche wie die breiten Laubengänge und ein Nachbarschaftsbüro mit Fachkraft als Anlaufstelle."

Maria Ohlig, Quartiersmanagerin in Trier-Nord, freut sich besonders, weil von der Wohnanlage auch die Menschen im ganzen Stadtteil profitieren können. Denn in das Erdgeschoss des Komplexes wird nicht nur die Geschäftsstelle der Genossenschaft einziehen. "Von der Zentrale des Pflegedienstes Verrus und der im selben Komplex betriebenen Tagespflegeeinrichtung wird auch eine Lücke in der Versorgung von alten und pflegebedürftigen Menschen in Trier-Nord geschlossen." Zudem werde mit dem Wohncafé die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe aktiv beworben. "Jeder, der hier einzieht, soll wissen, er ist nicht allein."

Bezugsfertig soll der neue Wohnkomplex im Herzen von Trier-Nord im März 2019 sein. Peter Dietze, Ex-Baudezernent von Trier und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Wogebe, sieht in dem Projekt einen weiteren wichtigen Baustein der 25-jährigen Geschichte der Genossenschaft. Er verweist auf Studien: "Die Wohnzufriedenheit der Menschen im Viertel ist extrem hoch."KommentarMeinung

So funktioniert soziale Stadtentwicklung
Als die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, war Trier-Nord ein Stadtteil mit schlechtem Ruf. Viel hat sich seitdem verändert: Das Wohnquartier zwischen St. Paulin und dem Verteilerkreis Nord gewinnt zunehmend an Attraktivität. In der einst verrufenen Thyrsusstraße zeigt die Wohnungsgenossenschaft, wie sich mit für die Bewohner des Quartiers passenden Konzepten Dinge nachhaltig verbessern lassen. Längst geht es nicht mehr nur um die Sanierung von Altbauwohnungen. Die Neubauprojekte bieten zu günstigen Mieten höchsten und barrierefreien Wohnkomfort. Bei der Auswahl der Bewohner wird explizit darauf geachtet, dass eine gute Nachbarschaft entsteht. Das ist ein Vorteil der Genossenschaft, die nicht nach maximalem Profit streben muss. Und auch von der neuen Tagespflegeeinrichtung wird der ganze Stadtteil profitieren. So funktioniert soziale Stadtentwicklung. r.neubert@volksfreund.deExtra: WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT AM BEUTELWEG EG


Die Wohnungsgenossenschaft (Wogebe) wurde vor 25 Jahren aus der Gemeinwesenarbeit heraus gegründet. Ziel ist es bis heute, die Wohnverhältnisse im Quartier und gleichzeitig die Entwicklung des Stadtteils zu verbessern. Das Förderprogramm Soziale Stadt hat wesentliche Ideen der Genossenschaft aufgegriffen und die Entwicklung in Trier-Nord finanziell unterstützt. Die Wogebe verwaltet derzeit 509 Wohnungen. Sie hat 600 Mitglieder. Jeder Bewohner hält Genossenschaftsanteile und erwirbt damit ein lebenslanges Nutzungsrecht. Hauptzielgruppe sind Menschen mit geringem Einkommen. Weitere Informationen zu der Genossenschaft und zu dem Bauprojekt: www.wogebe.de