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Martin Luther – Namenspatron an der Basilika

Der Platz an der Basilika hat einen neuen Namen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (Zweiter von links) übergibt das Namensschild an Pfarrer Thomas Luxa (Dritter von links). Mit dabei sind aus dem Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld Rosemarie Wessel, Ortsvorsteher Dominik Heinrich und Alexander Kellersch (von links).
Der Platz an der Basilika hat einen neuen Namen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (Zweiter von links) übergibt das Namensschild an Pfarrer Thomas Luxa (Dritter von links). Mit dabei sind aus dem Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld Rosemarie Wessel, Ortsvorsteher Dominik Heinrich und Alexander Kellersch (von links). FOTO: Manuel Beh
Trier. Auch in Trier ist nun ein Platz nach dem berühmten Reformator benannt. Dabei wird deutlich, wie aktuell Luther noch heute ist. Manuel Beh

Der Augustinermönch Martin Luther soll am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen wider den Ablasshandel an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben. Ob dies wirklich so öffentlich geschah, wird bezweifelt. Mit seinen Bemühungen zum Dialog bewirkte er die Spaltung der christlichen Kirche und veränderte die damalige Weltordnung nachhaltig.

Die evangelische Kirchengemeinde Trier hat das 500. Jubiläum der Reformation mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Zu diesem Anlass wurde Martin Luther Namenspatron eines Trierer Platzes. Künftig heißt der unterste Teil des Konstantinplatzes, der sich direkt an die Mauern der Konstantin Basilika anschließt, Martin-Luther-Platz. Dazu übergab Oberbürgermeister Wolfram Leibe das Namensschild an Pfarrer Thomas Luxa von der evangelischen Kirchengemeinde Trier.

Dominik Heinrich, Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld, erläuterte, dass das Schild an der untersten Säule der Arkaden befestigt werden soll. Gleichzeitig stelle er sich vor, den Konstantinplatz an der anderen Seite der Säule auszuschildern. Ob der Martin-Luther-Platz so als eigenständiger Platz wahrgenommen wird, muss sich zeigen.

Von der Umbenennung betroffen sei nur die Konstantin-Basilika, erklärt Pfarrer Matthias Ratz. Schon lange habe man den Wunsch gehegt, eine Trierer Straße oder einen Trierer Platz nach Martin Luther zu benennen (siehe Info). Er sei zufrieden mit der jetzigen Lösung, denn sie habe einen direkten Bezug zur Kirche.

Die von Kritikern aufgeworfene Frage, warum Martin Luther, der nie in Trier war, Namensgeber für einen Platz werden sollte, beantwortete Oberbürgermeister Leibe so: "Es ist ein schönes Symbol, wenn sich der erste christliche Kaiser und der Reformator einen Platz teilen. In Trier wird die Ökumene gelebt. Besser konnten wir dies nicht darstellen." Auch Ratz zeigte sich stolz, dass im katholischen Trier die evangelische Gemeinde präsent sei. Die Umbenennung des Platzes unterstreiche dies.

Die überzeugendste Antwort auf die Frage der Kritiker ist wohl, dass Luthers Thesen und Auffassungen auch heute noch Menschen bewegen. Frieder Lütticken (73) engagiert sich seit vielen Jahren in der evangelischen Gemeinde und vergleicht seine Geschichte mit der des Reformators: "Früher war ich katholisch. Ich kam mit dem verzweifelten Kampf nicht zurecht, mit guten Taten Gott gerecht werden zu müssen." Er glaube wie Luther damals an einen gnädigen, bedingungslosen Gott. Daher sei er evangelisch geworden. Auch für Nina Regenhardt (19) aus Trier ist Luther aktuell: "Die Kirche braucht in unserer schnelllebigen Zeit Veränderung. Sie muss offen sein. Ich sehe in Luther vor allem den Menschen, der die Bibel dem Volk zugänglich machte." Einen anderen Aspekt betont Harald Schöffing (85) aus Trier. Er sieht in Luther einen intelligenten und entscheidungskräftigen Mann. Ohne zu beschönigen, habe er gesagt, was er dachte. Dies unterstützt Pfarrer Ratz: "Luther muss in einigen Punkten kritisch betrachtet werden. Den Gedanken der Toleranz gab es damals noch nicht. Heute müssen wir Luthers Ideale mit der Toleranz verbinden."

Die Vorgeschichte des neuen Platzes: Martin Luther (1483 bis 1546) ist eine prägende Persönlichkeit der Kirchen- und Weltgeschichte. Zwei seiner herausragenden Leistungen sind die Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche und der Kampf gegen Ablasshandel in der Kirche. Die evangelische Kirchengemeinde Trier hegt seit 2014 den Wunsch, den Konstantinplatz vor der Basilika in Martin-Luther-Platz umzubenennen. Dies wurde im Januar vom Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld mit deutlichem Votum abgelehnt. Im Gespräch waren unter anderem die Vorschläge, aus der Hindenburg-Straße eine Martin-Luther-Straße zu machen oder aus dem Palastgarten den Martin-Luther-Park. Beides wurde letztendlich verworfen. Nach Diskussion im Ortsbeirat erhielt im Juni der nun realisierte Entwurf den Zuschlag. Das Abstimmungsergebnis zeugt allerdings nicht mit breiter Zustimmung: vier Mitglieder votierten dafür, einer dagegen, sieben enthielten sich.