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Fridays for Future
„Wir kämpfen, so hart wir können!“: Über 700 Schüler demonstrieren in Trier für Klimaschutz (Update)

FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Jörg Pistorius
Trier . Mehr als 700 Schüler ziehen am Freitag durch Trier und demonstrieren für eine bessere Klimapolitik. Sie sind laut, sie sind hochmotiviert, und auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe hört ihnen zu. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Schule? Heute nicht. Der Domfreihof ist am Freitagmorgen voll mit Schülern, die Plakate mit Botschaften wie „Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit“ und „Es gibt keinen Planeten B“ hochhalten. Sie alle sind gekommen, um ihre Botschaft lautstark loszuwerden: Der Planet Erde trudelt seinem Ende entgegen, die Politik tut nichts oder allenfalls viel zu wenig dagegen.

Viele der Schüler wirken aufgeregt, geradezu elektrisiert. Sie können den für 10 Uhr geplanten Start ihres Demonstrationszugs, der sie bis zum Rathaus führen soll, kaum abwarten. Fridays for Future (Freitage für die Zukunft) heißt diese Bewegung, die gestern zu deutschland- und sogar weltweiten Schulstreiks aufgerufen hat.

Der gezielte und bewusste Regelbruch, das Schulschwänzen, ist ein elementarer Bestandteil der Bewegung. Er verleiht dem Eintreten für einen effizienten Klimaschutz zusätzlich eine Note von Rebellion und Wagemut. „Was ihr hier lernt, ist wichtiger als die Schule“, ruft Leonard Rettig vom Aktionsbündnis „Ende Gelände“ den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Domfreihof zu, und sie jubeln laut. „Es erfordert Mut, die Regeln zu brechen.“

Auch Kaya May motiviert die Masse am Mikro. „Wir werden mehr, und wir streiken weiter“, ruft sie. „Frau Merkel, wir brauchen keine warmen Worte von Ihnen, sondern Taten. Der Meeresspiegel steigt, Menschen verlieren ihre Heimat, weil die Politik schläft.“

Der Zug setzt sich in Bewegung. Geradezu knisternd vor Motivation und Energie skandieren die Schüler Umweltschutzparolen und halten ihre Schilder hoch. An eventuelle unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis denkt in diesem Moment niemand. Diese Fehlstunden werden wahrscheinlich zu den Folgen der Demo gehören, denn die Schulpflicht macht keine Ausnahme für den Klimaschutz – auch nicht mit einer Entschuldigung der Eltern. „Ich nehme einen solchen Eintrag in Kauf“, sagt Alex (17). „So schlimm ist das ja nicht, es hat keine direkten negativen Folgen. Und um nichts in der Welt will ich das hier verpassen.“

Der Zug bewegt sich durch die Brotstraße und die Neustraße, dann am Viehmarkt vorbei und über die Hindenburgstraße, deren Fahrspur in Richtung Augustinerhof dafür kurz gesperrt wird, bis zum Rathaus. Dort hat die Demo um 12.30 Uhr eine Verabredung mit Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD), der auch pünktlich vor dem Haupteingang erscheint und lautstark begrüßt wird.

„Wir können hier und heute damit beginnen, die Klimakrise zu stoppen“, teilt eine Sprecherin von Fridays for Future dem Verwaltungschef per Mikro mit. „Deshalb haben wir lokale Forderungen aufgestellt.“ LED-Lampen und Umweltpapier in Schulen und Behörden, ein Pfandbechersystem in Trier, ein starkes und attraktives Radwegenetz – stürmischer Jubel der Schüler – und der immer wieder skandierte kostenlose Nahverkehr gehören unter anderem zu dieser Liste.

Leibe antwortet nicht mit einer langen Rede, er überlässt die Bühne an diesem Tag den Schülern. „Wir haben in Trier schon viele Schritte in Richtung des Umwelt- und Klimaschutzes umgesetzt, aber natürlich bleibt noch viel zu tun“, sagt er. „Ich danke euch sehr für euer Engagement. Es kommt nicht auf jede Unterrichtsstunde an. Bei der Organisation und Durchführung einer solchen Veranstaltung lernt man ebenfalls eine Menge.“Die nächste Demo ist schon geplant. Der Termin: Freitag, 12. April.

Fridays for Future-Demos in der Region FOTO: TV / Mario Hübner