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Mehr Fleisch, weniger Aufwand: Zwei-Sterne-Koch Wolfgang Becker ändert Teil seines Gastro-Konzepts am Kornmarkt

Triers Sterne-Koch Wolfgang Becker ändert das Konzept seines Ablegers im Posthof am Kornmarkt: Aus dem Deli wird die Oxerei, ein Imbiss. In Restaurant und Bar bleibt alles beim Alten. tv-Foto: Christiane Wolff
Triers Sterne-Koch Wolfgang Becker ändert das Konzept seines Ablegers im Posthof am Kornmarkt: Aus dem Deli wird die Oxerei, ein Imbiss. In Restaurant und Bar bleibt alles beim Alten. tv-Foto: Christiane Wolff FOTO: christiane wolff (woc) ("TV-Upload wolff"
Trier. Zu kompliziert für die Gäste, zu aufwendig fürs Personal: Das Becker\'s XO - Dependence des Olewiger Gastronoms in der City - ändert teilweise sein Konzept. Das ambitionierte ursprüngliche Angebot sei nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen, sagt Sterne-Koch Wolfgang Becker. Christiane Wolff

Trier. Eine Terrasse mit zwei unterschiedlichen Getränke- und Speisekarten. Wer von der großen Karte bestellt, wird bedient. Wer im XO-Deli isst, muss Essen und Getränke selbst an der Theke abholen: Das Angebot, mit dem Triers Zwei-Sterne-Koch Wolfgang Becker mit seinem XO vor zwei Jahren im Posthof am Kornmarkt an den Start gegangen ist, war ambitioniert - hat aber so manchen auch ziemlich verwirrt. "Dazu scheint es beim Trierer Publikum so was wie eine unsichtbare Hemmschwelle zu geben - viele denken offenbar, bei uns gibt\'s nur Luxus und edel, dabei sind Bier, Kaffee, Cocktails und auch der Mittagstisch bei uns nicht teurer als anderswo", bedauert der gebürtige Olewiger, dass sein Traum von einem innovativen Gastrokonzept in der City sich nicht richtig erfüllt hat.
Bislang zumindest. Denn ab dem heutigen Mittwoch gilt ein neues Konzept: Die bislang im vorderen Teil des XO zusammengefasste Gastronomie und Feinkostladen sind räumlich voneinander getrennt worden. Im Shop gibt\'s weiterhin Wein, Feinkost, Fonds aus Beckers Gourmet-Restaurant, Öle und Gewürze. "Der Shop läuft gut, besonders unser Weinangebot", sagt Wolfgang Becker.
Der bisherige Bistrobereich geht dagegen mit einem komplett neuen Angebot an den Start. Mit dem bundesweiten Fleischanbieter Otto Gourmet als Partner hat Becker dort einen recht klassischen Imbiss eingerichtet, die Oxerei. Burger, Sandwiches, Kurzgebratenes, Geschmortes, Gegrilltes gehören zum Angebot. Kleine, fleischlastige Zwischenmahlzeiten zum recht kleinen Preis. "Die meisten unserer Gerichte gibt\'s für unter zehn Euro, wenn jemand ein besonderes Stück Fleisch will, kostet es natürlich auch mal mehr - dafür hat das Fleisch dann aber auch die entsprechende Qualität", sagt Wolfgang Becker. "Insgesamt wollen wir die Oxerei allerdings definitiv preiswert halten - auch, um ein breiteres, jüngeres Publikum als bislang anzusprechen."
Während es im XO-Deli bislang personal- und zeitaufwendig zubereitete Frühstücke, Wraps und Salate gab, soll\'s nun schneller und einfacher gehen. "Der bisherige Aufwand, den wir betrieben haben, war ganz einfach nicht wirtschaftlich", sagt Becker.
Im XO-Restaurant im hinteren Teil des Posthofs und an der XO-Bar bleibt dagegen alles beim Alten. "Mit dem Betrieb in Restaurant und Bar bin ich zufrieden", sagt Becker. Sicherlich könnten es insbesondere unter der Woche gerne noch mehr Gäste sein. "Aber der Trierer geht offenbar wochentags nicht gern aus", bedauert Becker.
Das Ibis Hotel, das im Posthof vor rund zwei Wochen neu eröffnet hat, könnte Schwung in die Sache bringen. "Wir hoffen, dass die Hotelgäste den Posthof zusätzlich beleben - denn Laufkunden finden häufig nicht den Weg durch das schmale Tor am Kornmarkt zu uns. Unsere Lage ist leider nicht ganz optimal."Extra

Betreiber des Becker\\'s XO im Posthof am Kornmarkt ist die Becker\\'s Genuss Aktiengesellschaft. 120 Aktionäre halten insgesamt 49 000 Aktien der nicht börsennotierten AG zu Paketen ab 1000 Euro. Wolfgang Becker hält mehr als 60 Prozent der AG und ist damit Mehrheitsaktionär. Die jährliche Hauptversammlung der Aktionäre mit Bericht der Geschäftsentwicklung ist für Herbst geplant. "Die Änderungen im XO haben keine direkten Auswirkungen auf die Aktiengesellschaft", sagt Becker. Während mögliche Gewinne ausgeschüttet werden könnten, würden mögliche Verluste auf das nächste Geschäftsjahr vorgetragen, die Aktionäre blieben davon zunächst unberührt. woc