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Mehr Frost-Frust als frohes Fest

Das haben Winzer Michael Steinmetz und seine Mutter Emma in 30 Weinstand-Jahren noch nicht erlebt: In der eisigen Karwoche 2013 ist Punsch der Absatzrenner, hier bestellt von Gerd Freyberg (rechts). TV-Foto: Roland Morgen
Das haben Winzer Michael Steinmetz und seine Mutter Emma in 30 Weinstand-Jahren noch nicht erlebt: In der eisigen Karwoche 2013 ist Punsch der Absatzrenner, hier bestellt von Gerd Freyberg (rechts). TV-Foto: Roland Morgen
Trier. Ostern gilt als traditioneller Auftakt der Tourismussaison in Trier. Aber diesmal dürfte der große Gästeandrang ausbleiben - sehr zum Leidwesen von Gastronomen und Hoteliers, die ohnehin ein schwieriges Jahr befürchten. Roland Morgen

Trier. Ostern in Trier - da sollte man sich warm anziehen. Auch am Wochenende und am Montag wird von Frühling wenig zu spüren sein. Hans-Albert Becker (57), Chef der Tourist-Information Trier (TIT), rechnet deshalb auch nicht mit einem übergroßen Ansturm: "Ostern ist zwar traditioneller Saisonauftakt, aber einstellige Tageshöchsttemperaturen sind nicht gerade ein Lockmittel für Kurzentschlossene."
Wie sehr der nicht enden wollende Winter Trier im Griff hat, zeigt sich am frisch eröffneten Hauptmarkt-Weinstand, an dem sich bis November abwechselnd 65 Winzerbetriebe präsentieren. In den vergangenen Tagen hat Michael Steinmetz (49) aus Igel-Liersberg dort seine Weine angeboten. Als die Kundschaft ausblieb, kam er auf die Idee, "Hot Punsch" anzubieten. Seitdem lief das Geschäft "etwas besser", ohne die Enttäuschung entscheidend zu mindern: "Wir hatten in 30 Jahren schon oft einen sehr frühen Stand-Termin. Aber so etwas haben wir noch nicht erlebt."
Frost-Frust schieben auch Gastronomen. Auf dem Kornmarkt und am Zurlaubener Ufer sind die Freiluftterrassen längst startklar gemacht, doch nur vereinzelte Hartgesottene lassen sich tatsächlich dort nieder. "Ich fürchte, unser Ostern findet erst an Pfingsten statt", seufzt Andrea Weber (53) vom Hotel Deutscher Hof angesichts des extrem frühen Festtermins Ende März, bei dem zu allem kalendarischen Unglück das Wetter nicht mitspielen will. Trotz XXL-Wochenende: von Saisonstart keine Spur. In allen Beherbergungsbetrieben gebe es "reichlich Kapazitäten". Sprich: freie Betten in allen Preislagen.
Wer doch spontan in Deutschlands älteste Stadt reist, dem bietet sich eine große kulturelle Programmauswahl frei nach der Devise "Alle Römer sind schon da." Die Erlebnisführungen vom Porta-Nigra-Zenturio bis zum Gladiator im Amphitheater gehen zu Ostern ebenso in Serie wie Stadtführungen und Rundfahrten.
Wem es draußen zu schattig ist, dem seien die Museen empfohlen. Aktueller Renner: die Sonderausstellung "Ikone Karl Marx. Kultbilder und Bilderkult" im Stadtmuseum Simeonstift. "Die Resonanz ist sehr erfreulich", so die Anfangsbilanz von Museums-Vizechefin Bärbel Schulte (47) knapp zwei Wochen nach Eröffnung. Auch der Absatz des Ausstellungskatalogs sei bislang vergleichbar mit dem der Sonderschau "Armut", die 2011 internationale Beachtung fand. Die kann Trier erneut gut brauchen, vielleicht sogar mehr denn je. 2012 sind nach Jahren stetigen Wachstums die Übernachtungszahlen leicht zurückgegangen (um 9200 auf 757 240). 2013 wird, so fürchtet Andrea Weber, "ein sehr schwieriges Jahr, da wir erstmals seit langem ein Sommerloch kompensieren müssen".
Gäste bringen 100 Millionen Euro


Keine Antikenfestspiele, kein Brot & Spiele-Festival, kein Circus Maximus im Rahmen der ADAC-Rallye. Ihrer Einschätzung brechen womöglich erst ab 6. September wirklich gute Zeiten an, wenn das Landesmuseum erstmals den 1993 entdeckten größten römischen Goldschatz (2600 Münzen) komplett zeigt.
Die Bedeutung des Fremdenverkehrs für Trier unterstreicht Albrecht Ehses (51), Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer: "Touristen haben in den letzten Jahren jeweils mehr als 100 Millionen Euro in Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie ausgegeben. Das entspricht einem Beschäftigungseffekt von 5500 Arbeitsplätzen."