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Mehrgenerationenhaus ohne Existenzsorgen

Bei den Mehrgenerationenhäusern läuft 2011 die Anschubfinanzierung des Bundes aus. Die Einrichtungen müssen sich dann selbst finanzieren. Das Team des Mehrgenerationenhauses Trier ist zuversichtlich: „Wir werden weiterarbeiten.“ TV-Foto: Friedemann Vetter
Bei den Mehrgenerationenhäusern läuft 2011 die Anschubfinanzierung des Bundes aus. Die Einrichtungen müssen sich dann selbst finanzieren. Das Team des Mehrgenerationenhauses Trier ist zuversichtlich: „Wir werden weiterarbeiten.“ TV-Foto: Friedemann Vetter
Deutschlandweit bangen Mehrgenerationenhäuser um ihre Zukunft. Auch für das Trierer "Haus der Familie" (Christophstraße 1) läuft 2011 die Förderung durch den Bund aus. Koordinator René Schaefer ist dennoch zuversichtlich: "Wir werden weiterarbeiten." Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier. Mehrgenerationenhaus? Haus der Familie? Davon hat fast jeder Trierer schon mal gehört. Aber auf die Frage, wo diese Einrichtung zu finden ist, müssen die meisten passen. "Ein echtes Problem!", sagt Koordinator René Schaefer (35): "Die wenigsten Leute vermuten uns in der alten Reichsbahndirektion. Und wenn jemand vor der Tür steht, der uns noch nicht kennt, für den ist die Hemmschwelle ziemlich hoch." In der Tat wirkt der in den 1920er Jahren errichtete Komplex an der Ecke Christoph-/Deworastraße nicht sonderlich einladend. Er sieht von außen immer noch nach Amt und Büro aus und offenbart erst im Inneren seinen Reiz als Zentrum für alle Generationen.

2007 startete die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen das Aktionsprogramm des Bundes zur Förderung von Mehrgenerationenhäusern. Seither hat der Verein Nestwärme als Haupt-Träger der Trierer Einrichtung seine Angebote (Kinderkrippe mit flexibler Kinderbetreuung, integrative Krippe, Berufsberatung für Jugendliche) stark ausgebaut und das Projekt "Zeit schenken" ins Leben gerufen, bei dem Ehrenamtliche Familien im Alltag unterstützen. Hinzu kommen Angebote unter anderem der Partner Ehrenamtsagentur, der Selbsthilfe-Kontakt- und Informationsstelle Sekis sowie des Kinder- und Jugendhilfevereins Palais e. V. Heute belegen Vereine und Institutionen ein gutes Drittel der rund 10 000 Quadratmeter Nutzflächen im Ex-Reichsbahn-Komplex.

Auf insgesamt 200 000 Euro in fünf Jahren beläuft sich die Förderung durch den Bund; das Land steuerte, weil die Trierer Einrichtung auch als Haus der Familie fungiert, eine einmalige Starthilfe von 20 000 Euro bei. Im kommenden Jahr überweist Berlin letztmals Geld ans Trie-rer Mehrgenerationenhaus. Während sich viele andere der rund 500 Mehrgenerationenhäuser durch das Auslaufen der Bezuschussung in ihrem Fortbestand gefährdet sehen, zeigt sich René Schaefer überzeugt: "Wir werden weiterarbeiten. Vielleicht mit einem leicht reduzierten Programm. Unsere Zukunft beginnt erst."

Die Zuversicht ist nicht zuletzt in günstigen Rahmenbedingungen begründet. "Wir erheben in diesem Fall keine marktübliche Miete", bestätigt Peter Adrian (53), Vorstand der Triwo AG, die Triers größtes Bürogebäude (320 Räume) 2007 von der Bahn gekauft hat.

Mit den Sonderkonditionen wolle man "die gute Idee des Mehrgenerationenhauses und das Engagement der Träger unterstützen". Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Denkmalpflege geht es nun endlich an den weiteren Ausbau. Spätestens Anfang 2011 wolle das Mehrgenerationenhaus ein Café im Erdgeschoss einrichten und damit eine "offene Anlauf- und Begegnungsstelle" schaffen, erklärt René Schaefer. Bis dahin dürfte sich der Komplex in einer freundlicheren Farbgebung präsentieren. Der jetzige graugrüne Verputz entspricht laut einem neuen Gutachten keineswegs dem Originalzustand. Somit dürfte das Denkmalamt keine Bedenken mehr haben gegen den Wunsch von Immobilien-Eigentümer Triwo, das Gebäude in einem wärmeren Beige-Ton zu streichen. Eine weitere optische Aufwertung steht bereits im kommenden Monat und quasi vor der Haustür an: Nach Komplett-Restaurierung und Umfeld-Neugestaltung soll der Balduinbrunnen am Samstag, 27. Mai, in Betrieb gehen.

Soll bald einen freundlicheren Anstrich erhalten: Die Ex-Reichsbahndirektion, Sitz des Mehrgenerationenhauses. TV-Foto: Roland Morgen
Soll bald einen freundlicheren Anstrich erhalten: Die Ex-Reichsbahndirektion, Sitz des Mehrgenerationenhauses. TV-Foto: Roland Morgen