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Meine Hilfe zählt
Spenden für Restaurierung: Ältestes jüdisches Wohnhaus Deutschlands steht in Trier

 Karlheinz Scheurer bittet um Spenden, damit Informationsschilder wie diese in der Judengasse angebracht werden können.
Karlheinz Scheurer bittet um Spenden, damit Informationsschilder wie diese in der Judengasse angebracht werden können. FOTO: Katja Bernardy
Trier. „Meine Hilfe zählt“: Trier-Gesellschaft  bittet um Spenden, damit eine geschichtsträchtige Trierer Straße restauriert werden kann. Von Katja Bernardy

Manche sind wohlklingend, manche entlocken ein Schmunzeln, manche regen zu Diskussionen an, und häufig setzen sie eine Art Denkmal: Straßennamen. Auch die Judengasse in der Trierer Innenstadt, sie erzählt Geschichte.
Unmittelbar vor dem Trierer Hauptmarkt führt ein Torbogen in die Judengasse.
Heute findet man dort vorwiegend Gastronomiebetriebe, nur noch der
Torbogen und das Haus Nummer 2 zeugen auch oberirdisch vom mittelalterlichen Judenviertel.

 

Haus Nummer 2 in der Judengasse „Das Haus Nummer 2 ist das älteste jüdische Wohnhaus in Deutschland“, sagt Karlheinz Scheurer von der Trier-Gesellschaft, ein Verein, der sich für den Erhalt von Kulturdenkmälern einsetzt. Und Scheurer ist für das „Meine Hilfe zählt“-Projekt „Restaurierung Eingang Judengasse in Trier“ verantwortlich.
Historiker haben bereits einiges über die geschichtsträchtige Straße
herausgefunden: Etwa, dass antike Gewichte mit hebräischen Klein­inschriften, die dort hergestellt worden waren, darauf hindeuten, dass es schon vor rund 2000 Jahren Juden im römischen Trier gegeben hat. Vom elften Jahrhundert an gibt es Quellen über eine Trierer Judengemeinde. So ist es auf der aktuellen Internetseite der Trier Tourismus und Marketing GmbH zu lesen. Und dass im Jahr 1235 vier Juden ihre Häuser in der späteren Judengasse haben bauen lassen –  darunter das Haus Nummer 2. Unterirdisch, in Kellern, offenbaren sich weitere Nachweise über das ehemalige Judenviertel.
Auch der Historiker Lukas Clemens hat sich mit dessen Geschichte beschäftigt. Er schreibt, dass um 1338 auf einer Fläche von nur rund 7000 Quadratmetern mehr als 300 Juden lebten. Demnach hätten drei Prozent der damaligen Menschen in der Moselstadt auf einer Fläche von gerade mal einem halben Prozent des ummauerten Stadtbereichs gelebt. Noch heute sei dieser Bereich, der am dichtesten umsiedelte in der
gesamten Trierer Innenstadt.

 

Pogrome im 14. Jahrhundert  Überliefert ist auch, dass Mitte des 14. Jahrhunderts Pogrome und Vertreibungen Juden großes Leid zugefügt hatten. Die Trierer Juden wurden aus der Moselstadt vertrieben und wanderten Richtung Osten. Ihre  Vertreibung war das leidvolle Ende der Geschichte des Trierer Judenviertels.
Karlheinz Scheurer ergänzt während eines Gangs durch die Judengasse: „Als die Juden nach 1600 wieder nach Trier zurückgerufen wurden, hatten sie kein eigenes Viertel mehr, sondern siedelten sich verstreut über die Stadt an.“ Und seit der dunkelsten historischen Epoche Deutschlands, der Zeit der Nationalsozialisten, ist die Trierer Judengemeinde heute recht klein.
Besonders mit dem Blick auf die Geschichte, nimmt die Trier-Gesellschaft den „desolaten Zustand der Judengasse“ nicht hin. „Graffiti, sowie andere Schmierereien, eine schlechte Beleuchtung und Beschädigungen der Hinweisbilder, lassen den Eingang zum ehemaligen Judenviertel für die Bürger und Touristen in keinem attraktiven Zustand erscheinen“, sagt der Vereinsvorsitzende.
Gemeinsam mit der Stadt Trier habe sich die Trier Gesellschaft vorgenommen, dies zu ändern.

Schon einiges hat sich getan: Vor  drei Wochen schrieb Scheuerer auf der Internetseite von „Meine Hilfe zählt“: „Die Judengasse leuchtet wieder in einem schönen Licht, ist sauber und wieder gut ausgeschildert.“ Auch die einzelnen Hausbesitzer hätten sich sehr angestrengt, so dass Trier wieder ein gutes Bild mit dieser historischen Gasse abgebe.

 

Geld für Beleuchtung und Stele  Summa summarum benötigt der Verein 10 000 Euro: 2500 Euro für die Beleuchtung am Torbogen, 4000 Euro, damit Besucher auf Tafeln und einer Stele, die am Stockplatz aufgestellt werden soll, Informationen über das einstige Judenviertel erhalten.
3500 Euro kostet der Anstrich, der der Denkmalpflege entspricht. Fast
ein Viertel der benötigten Summe ist schon zusammengekommen. Es fehlen noch 7565 Euro.
Die Trier-Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel,
Kulturdenkmäler in der Stadt Trier zu erhalten oder wiederaufzubauen. Das notwendige Geld gewinnt die Gesellschaft über Beiträge der derzeit rund 460 Mitglieder, Spenden und aus Aktionen –  darunter auch das „Meine Hilfe zählt“-Projekt. Seit der Gründung des Vereins 1982 konnten 1,2 Millionen Euro für die Denkmalpflege und damit auch zur Verbesserung des Trierer Stadtbildes eingesetzt werden. Mindestens einmal im Monat wirft Karlheinz Scheurer in seiner Freizeit einen Blick in die Judengasse. Sieht er Fußabdrücke oder neue Schmierereien, wie er sagt, an den Hauswänden, ordert er einen Maler.
TV-Leserinnen und -Leser können das Engagement der Trier-Gesellschaft finanziell unter der Projektnummer 53275 unterstützen  –  und dazu beitragen, dass die historische Straße mit Deutschlands ältestem jüdischen Haus würdig aussieht.