| 21:07 Uhr

Meisterhaftes Backwerk

Schauplatz Lehrbackstube: sieben Meister-Aspiranten beim praktischen Teil der Bäckermeister-Prüfung mit den beiden Lehrkräften, Rainer Lind (Zweiter von links) und Reinhold Mainitz (Zweiter von rechts). Foto: Ludwig Hoff
Schauplatz Lehrbackstube: sieben Meister-Aspiranten beim praktischen Teil der Bäckermeister-Prüfung mit den beiden Lehrkräften, Rainer Lind (Zweiter von links) und Reinhold Mainitz (Zweiter von rechts). Foto: Ludwig Hoff
TRIER. (LH) Die Köpfe rauchen, und die Backöfen dampfen in der Lehrbackstube beim praktischen Teil der Meisterprüfung im Bäckerhandwerk. "Schwer, aber nicht unlösbar", urteilen die sieben Prüflinge über die ihnen gestellten Aufgaben. Vier Jahre (mangels Bewerber) sind es her, seit in Trier letztmals eine Meisterprüfung bei den Bäckern stattfand.

Ein Fußballfeld auf einer Cremetorte. So etwas Ausgefallenes gibt es nur bei der praktischen Prüfung für angehende Bäckermeister in der Lehrbackstube der Berufsbildenden Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege (BBS). Das Mini-Tor fehlt nicht auf der Hinguck-Torte, und der Strafraum wurde ebenfalls markiert. Studiendirektor Reinhold Mainitz lobt die ausgefallenen, kreativen Ideen der Meister-Prüflinge. Dies spreche für die Vielseitigkeit des Berufsstandes, so der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses. Ein anderer angehender Bäckermeister hat einen Riesen-Hamburger hergestellt - als Torte. Verblüffend echt sieht die Riesen-Kalorienbombe aus. Auch die "normalen" Festtagstorten (für Geburtstag, Hochzeit, Taufe) sind allerfeinste Sahne. Doch die Welt des Bäckers besteht nicht nur aus Torten. So gehören ganz viele Brotarten, alle möglichen Brötchensorten, Plunder- und Blätterteiggebäck, Sandkuchen, ein hoher Käsekuchen und schließlich Flechtgebäck zu der umfassenden Palette, mit denen die Meister in spe vor dem Prüfungsgremium mit den Bäckermeistern Michael Borens (Tawern), Michael Braunshausen (Trier), Karl-Heinz Jakobs (Lampaden), Raimund Licht (Lieser), Fachlehrer Rainer Lind und Studiendirektor Reinhold Mainitz bestehen müssen. Prüfungsaufgaben sind ferner verkaufsgerechtes Verpacken sowie die Dekoration eines Schaufensters. Neben den fachpraktischen Fertigkeiten (Hygiene spielt eine große Rolle) wird ein hohes theoretisches Wissen (Betriebswirtschaftslehre, Buchführung, Arbeitspädagogik) gefordert. "Das Bäckerhandwerk leidet unter dem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs", bedauert Mainitz. Die Prüfung finde erstmals ohne Teilnehmer aus dem Saarland statt. In annähernd 500 Unterrichtsstunden wurden die Gesellen auf die Prüfung vorbereitet. "Hartes Brot", denn die Meister-Aspiranten drücken die Schulbank parallel zu ihrem Beruf. Nach dem Abschluss können die Meister den Weg in die Selbstständigkeit beschreiten. Dazu gehört, dass sie auch Fachverkäuferinnen ausbilden dürfen.Nachtarbeit bringt Image-Probleme

Der Beruf leidet nach Aussage von Reinhold Mainitz an Image-Problemen: Früh aufstehen und zuweilen Arbeit in der Nacht, werde für viele nicht dadurch aufgewogen, dass bereits um 12 Uhr Feierabend sei. Nicht für Mario Müller (Kröv): "Da kann man dann die Sonne genießen." Er könne den ganzen Tag lang Brötchen backen, verrät der Mann von der Mosel seine Vorliebe für das Praktische. Osama Mohamad (Trier) ist nicht in Deutschland aufgewachsen. Deshalb habe er nicht die Erfahrung anderer, hat er als kleines Handicap ausgemacht. Bäcker sind sie alle gerne, die Meisterprüflinge Tobias Ehses (Reinsfeld), Andreas Follmann (Orenhofen), Jürgen Fus (Bitburg), Norbert Schmitt (Konz) und Marco Blau (Osburg) "Gut vorbereitet, ist das hier zu packen", findet der Hochwälder, der, "extrem vom Vater geprägt", weiter im elterlichen Betrieb arbeiten möchte.