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Kommunalpolitik
Kürenzer wollen Taten sehen

 60 Interessierte nehmen am Bürgerforum im Treffpunkt am Weidengraben teil. Sie hören nicht nur interessiert zu, sondern stellen auch Fragen an die Politik-Akteure.
60 Interessierte nehmen am Bürgerforum im Treffpunkt am Weidengraben teil. Sie hören nicht nur interessiert zu, sondern stellen auch Fragen an die Politik-Akteure. FOTO: LH
TRIER-KÜRENZ. Mit rund 60 Zuhörern stieß ein Bürgerforum zu Stadtteilthemen im Treffpunkt am Weidengraben auf große Resonanz. Von Ludwig Hoff

Die Rechnung von Kürenzer Ortsbeirat und Ortsvorsteher mit einer Unbekannten ging auf: Zu dem eigens für die Bevölkerung des Stadtteils anberaumten Bürgerforum kamen 60 Interessierte  in den Treffpunkt am Weidengraben (TaW). Neu waren die insgesamt zehn vorgegebenen Kernthemen keineswegs, sondern teils Jahre alt. Allerdings hatte das Publikum – nicht wie bei Ortsbeiratssitzungen üblich – diesmal die Gelegenheit, Fragen an die Politik-Akteure zu stellen. Wovon rege Gebrauch gemacht wurde, obgleich die Antworten den einen oder anderen offensichtlich  nicht immer zufrieden stellen konnten. Doch ging es auch  um so schwierige Fragen wie die Parknot auf dem Petrisberg, die Entwicklung des Burgunderviertels, oder die Ortsumgehung angesichts 25 000 Fahrzeugen, die sich täglich durch das Verkehrs-Nadelöhr Kürenz schlängeln. Dies waren nur drei Themen des insgesamt zehn Punkte-Kataloges. „Es müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“, forderte Ortsvorsteher Bernd Michels (CDU) für seinen Stadtteil, der die Grenze von 10 000 Einwohnern mittlerweile geknackt hat: „Konzepte und Pläne haben wir genug.“ Er werde nicht ruhen, die Probleme immer wieder auf die Tagesordnung der Gespräche mit der Verwaltung zu setzen. Aus dem Rathaus „in die Höhle des Löwen“ getraut hatte sich Baudezernent Andreas Ludwig (CDU).  Allerdings ging das Publikum mit Ludwig durchaus verständnisvoll um – am Ende gab es freundlichen Applaus – ,wohl wissend, dass er die Stadtteil-Probleme nicht an diesem Abend zu lösen vermochte und die tieferen Gründe in der Vergangenheit zu suchen seien (Ludwig ist seit 2015 im Amt). „Es wurde in Trier noch nie so viel gebaut wie 2018“, warb Ludwig um Verständnis wie auch Geduld, wenn es mal hakt mit der Zeitschiene.  „Ich bin kein Hellseher und weiß nicht was unter der Erde liegt“, so Ludwig am Beispiel Ortsumgehung Kürenz und der dann verschwindenden Kleingartenanlage „Grüneberg“ mit den 83 Gärten, die auf das Kürenzer Plateau umgesiedelt werden soll. Ludwig guter Dinge: „Die Planungen sind voll im Gange“. Aber: „Wir bauen keinen Weg mit Gewalt durch den Grüneberg.“

Ein Fragesteller äußerte sich skeptisch zu den millionenschweren Vorhaben: „Die Bahn hat kein Geld und auch die Stadt nicht.“ Ludwig: „Die Bahn schon“, wohlwissend, dass man bloß „vom Kochbuchlesen nicht satt wird“.

Herbe Rückschläge seien hinzunehmen gewesen bei der Entwicklung des Walzwerks in Alt-Kürenz, bedauerte Ortsteilchef Bernd Michels. Er habe sich von dem ursprünglichen Plan viel für Kürenz versprochen. Jetzt aber den Kopf in den Sand zu stecken, wäre der falsche Weg. Verwaltung wie Investor seien umso mehr gefordert, gemeinsam ein tragfähiges Konzept für eine sinnvolle Nutzung auf den Tisch zu legen. Ludwig: „Schlagen Sie mich nicht tot, wenn es Verzögerungen gibt.“  Stichwort Dialog: Immer seien auch die Bürger eingeladen, sich einzubringen. Kritische Anmerkung aus dem Publikum zu der künftigen Nahversorgung am Güterbahnhof: Ein Markt mit 2200 Quadratmetern Nutzfläche diene keineswegs nur der Nahversorgung. Die Planungen der Stadt seien daher „reine Augenwischerei“. Weitere Themen waren der Technik- und Energiepark der Stadtwerke am ehemaligen Ehm-Gelände, die Riverisstraße oder wie es mit der Domäne weiter geht. Dem öffentlichen Personennahverkehr werde viel zu wenig Beachtung geschenkt – auch in der heutigen Debatte sei dies der Fall gewesen, bedauerte Sabine Brünicke im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Verkehrsprobleme seien ohne ein modernes und lukratives Angebot bei Bussen und Bahnen nicht in den Griff zu bekommen. Für nicht ausgegoren hält Jürgen Schaefer die städtischen Planungen, um Alt-Kürenz deutlich vom Verkehr zu entlasten, erst recht nicht, wenn die Domänenstraße auf irgendeine Weise dichtgemacht werden sollte.